DER FRIEDHOF VON JOACHIMSTHAL
Das erste Begräbnis bei der Kirche Allerheiligen
Die neu gegründete Siedlung musste von Beginn an auch praktische Fragen lösen. Da der Tod weder auswählt noch wartet, entstand bald die Notwendigkeit, Verstorbene zu bestatten. Der erste Begräbnisplatz befand sich bei der kostel Všech svatých, konkret an ihrer südöstlichen Seite. Heute sind dort keine Gräber mehr sichtbar, doch auf Fotografien aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts sind sie noch zu erkennen.
Verlegung des Friedhofs und Renaissance-Ausstattung
Auf Initiative des Predigers Kryštof Ering, ursprünglich Altardiener in Annaberg und 1529 zum Stadtprediger ernannt, wurde der Friedhof im Jahr 1530 auf die andere Seite des Weges nach Pfaffengrün verlegt, zwischen Kirche und rechtem Ufer des Baches. Aus dieser Zeit stammt ein Teil der Umfassungsmauer mit Tor, der seit dem 10. September 1992 unter Denkmalschutz steht.
Im Jahr 1544 wurde neben dem Tor eine Kalvariengruppe des Dresdner Bildhauers Christoph Walther aufgestellt. Wahrscheinlich befand sie sich ursprünglich in einer kleinen Kapelle, die später durch eine barocke Nischenkapelle ersetzt wurde. Heute ist die Skulptur im Inneren der kostel Všech svatých zu sehen.
Rekatholisierung und Zerstörung der Gräber
Wie die ganze Stadt erlebte auch der Friedhof grundlegende Umbrüche. Nach der Rekatholisierung wurden die ursprünglichen lutherischen Grabsteine zerstört, und 1627 wurde der Friedhof ausschließlich katholisch. Zerstört wurde unter anderem das Grab des Predigers Johann Mathesius. Seine Gebeine wurden der Überlieferung nach ins Mühlental geworfen. Nach anderen Quellen war er in der kostel sv. Jáchyma bestattet, doch auch dort wurde sein Grab zerstört.
Eine weitere Welle der Zerstörung folgte nach 1945 mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Bis heute sind daher nur wenige historische Gräber erhalten geblieben, darunter auch solche bedeutender Persönlichkeiten der Stadt, und viele davon befinden sich in schlechtem Zustand.
Evangelischer und Kinderfriedhof
Überraschenderweise ist der auf der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert angelegte evangelische und Kinderfriedhof in besonders schlechtem Zustand. Die Stützmauer, die den Hang oberhalb des Friedhofs hält, sowie die Mauer zur Lidická-Straße hin sind teilweise zerstört. Auch die ursprüngliche Trauerallee vom Eingangstor zum Hauptkreuz ist stark geschädigt; mehrere Bäume sind bereits umgestürzt.
Herabfallende Bäume und Mauern beschädigten zahlreiche Grabstätten. Zugleich wurde festgestellt, dass Teile der Mauer aus alten Grabsteinen errichtet wurden.
Symbolisches Grab der politischen Gefangenen
Gerade in diesem neueren, jedoch stark verwüsteten Teil befindet sich das symbolische Grab der politischen Gefangenen der kommunistischen Arbeitslager. Ursprünglich war von einem Massengrab die Rede, doch Untersuchungen des Instituts für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus in Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Institut und der Polizei der Tschechischen Republik widerlegten dies. Es wurden einzelne Bestattungen nachgewiesen, der genaue Ort konnte jedoch nicht bestimmt werden.
Grab der Opfer des Zweiten Weltkriegs
Zu den bedeutendsten Grabstätten gehört heute das Grab der Opfer des Zweiten Weltkriegs. Auch dieses Grab erlebte mehrere Veränderungen und ist einem eigenen Artikel gewidmet.
Der Friedhof heute
Der ältere Teil des Friedhofs, das ursprüngliche Begräbnisareal mit einer Fläche von 1.767 m², dient der Stadt bis heute. Trotz der Spuren vergangener Konflikte und Vernachlässigung bleibt er ein wichtiger Zeuge der Stadtgeschichte und ein Ort der letzten Ruhe vieler Generationen.


