WALLFAHRT NACH MARIÁNSKÁ UND KAPELLE AM WEG
Die erste organisierte Wallfahrt von Joachimsthal nach Maria-Sorg fand am 2. Juli 1694 statt. Es scheint jedoch, dass Wallfahrten hier schon früher stattfanden, und zwar zu einer hölzernen Kirche, die dem heiligen Adalbert geweiht war. Diese Kirche wurde vermutlich vom seligen Hroznata im Rahmen der Kolonisationsbestrebungen des Klosters Tepl gegründet. In der Mitte des 15. Jahrhunderts entstand an ihrer Stelle die Einsiedelei des Johannes Niavius, der die Entstehung einer Bergstadt, ihren Niedergang und ihre spätere neue Blüte prophezeite. Dies wurde 1490 vom Egerer Humanisten Paul Niavis und später auch vom Joachimsthaler Pastor Johannes Mathesius überliefert. An der Stelle der Einsiedelei wurde 1691 eine Kapelle errichtet und später entstand hier das Wallfahrtskloster der Kapuziner.
Die Wallfahrten nach Maria-Sorg begannen stets in der Dechanteikirche des heiligen Joachim und der heiligen Anna in Joachimsthal. Nach der Messe zogen die Pilger zum Kloster Maria-Sorg, wo eine weitere Messe bei der wundertätigen Marienstatue gefeiert wurde.
Entlang der Wallfahrtsroute wurden drei Kapellen errichtet, bei denen die Prozession Halt machte – die Kapelle Maria Altötting, die Kapelle Maria Hilf und die Kapelle der Heiligsten Dreifaltigkeit.
Diese Kapellen sind schriftlich belegt im Werk Königreich Böhmen von Johann Gottfried Sommer aus dem Jahr 1847, konkret im fünfzehnten Band über den Elbogener Kreis. Der Autor vermutet, dass die Kapellen zwar aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen, aber auch älter sein könnten. Sie werden dort als Altötting, Maria-Hilf und Trinität bezeichnet. Kirchlich gehörten sie zur Pfarrei Joachimsthal.
KAPELLE MARIA ALTÖTTING
Die Kapelle wurde in der unteren Neustadt oberhalb der Burg Freudenstein in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Diese barocke Kapelle ist fensterlos, mit Tonnengewölbe und dreiseitig geschlossenem Presbyterium mit seitlichen Nischen. Im Inneren befindet sich ein Altar mit der Statue der Schwarzen Madonna sowie kleinere Heiligenfiguren. Während des Uranbergbaus verfiel die Kapelle und ihre Ausstattung wurde geplündert. Heute wird sie von den Bewohnern der Neustadt instand gehalten.
Ihr Name und ihre Ausstattung verweisen auf Altötting, einen bedeutenden Wallfahrtsort in Bayern auf der Strecke von München nach Passau. Der Ort ist für seine Gnadenkapelle bekannt, eine der meistbesuchten Wallfahrtsstätten Deutschlands. Jährlich kommen bis zu anderthalb Millionen Pilger hierher, und auch mehrere Päpste haben den Ort besucht. Ziel der Wallfahrten ist die Statue der Schwarzen Madonna, eine frühgotische Darstellung der stehenden Maria mit dem Jesuskind. Einer Legende aus dem 15. Jahrhundert zufolge wurde hier im Jahr 1489 ein ertrunkener dreijähriger Junge wundersam wiederbelebt.
KAPELLE MARIA HILF
Die Kapelle wird auch Muttergotteskapelle genannt. Sie steht an der Straße von Joachimsthal nach Maria-Sorg beim Haus Nr. 4 und stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach Verwüstungen während des Uranbergbaus wurde sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts erneuert. Im Inneren der prismatischen Kapelle befindet sich eine in Öl auf Leinwand gemalte Kopie des Bildes der Passauer Maria Hilf. Vorlage war ein Altarbild aus Innsbruck, das Lucas Cranach 1514 in Wittenberg für den sächsischen Hof in Dresden malte. Von dort erhielt es Erzherzog Leopold V. als Geschenk und brachte es nach Passau und später nach Innsbruck. Im Jahr 1650 wurde das Bild der Stadt für die Pfarrkirche, heute den Dom St. Jakob, geschenkt.
In der historischen Literatur ist dies die am häufigsten erwähnte Kapelle der Gegend. Die heutige Fotokopie ersetzt das ursprüngliche Ölgemälde. In den Alpenländern gehört dieses Motiv zu den verbreitetsten Marienbildern. In Böhmen finden sich Kopien außer in der Neustadt auch in der St.-Anna-Kirche in Sedlec bei Karlsbad und in der Pfarrkirche Maria Hilf von der Stern in Železná Ruda.
KAPELLE DER HEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT
Die von drei alten Linden umgebene Kapelle steht an der ursprünglichen, heute verschwundenen Straße von Joachimsthal nach Maria-Sorg oberhalb des heutigen Heims für Menschen mit Behinderung. Diese kleine rechteckige Kapelle mit Schindeldach und Dreiecksgiebel wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneuert. Ursprünglich war sie gelb-weiß gestrichen und hatte eine Schilfdecke. Im Inneren befand sich ein geschnitztes hölzernes Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert, vergoldet und farbig gefasst. Am Fuß des Kreuzes war ein Relief der Immaculata conceptio angebracht, die auf einer von einer Schlange mit Apfel umwundenen Kugel steht – ein Symbol des Sieges über die Erbsünde. An den Enden der Kreuzarme befanden sich Cherubenfiguren, im Kreuzungspunkt ein Relief der Heiligen Dreifaltigkeit. Heute besteht die Ausstattung der Kapelle aus einigen neueren Andachtsbildern.
Fotogalerie hier: http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kaple_Jachymova/


