KLOSTER MARIASORG (MARIÁNSKÁ)
Einleitung
Der Legende nach stand hier ursprünglich eine Kapelle, die dem heiligen Adalbert geweiht war. Sie soll bereits während der Kolonisationsbestrebungen des Klosters Teplá entstanden sein, das dieses Gebiet seit dem 13. Jahrhundert erschloss. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ließ sich bei dieser Kapelle der Einsiedler Jan Niavius nieder. Der Überlieferung zufolge sagte er voraus, dass unweit davon eine große und reiche Stadt entstehen werde, die später fallen und erneut zu Ruhm aufsteigen würde.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde tatsächlich in der Nähe Jáchymov gegründet, eine große und bedeutende Bergstadt mit Silberminen. Als die Lagerstätten erschöpft waren, begann die Stadt jedoch zu verfallen. Die Bürger erinnerten sich an die Prophezeiung und baten 1691 das Prager Erzbistum um die Erlaubnis zum Bau einer Kirche. Antragsteller waren der Jáchymover Baumeister Jan Schmidt, der Oberbergbeamte Salomon Müller und Jan Schulter. Sie fanden auch die ursprüngliche Einsiedelei Niavius’ und planten dort zunächst eine provisorische Kapelle.
Ein Problem stellten die Eigentumsverhältnisse zwischen Jáchymov und der Herrschaft Ostrov dar. Der Besitzer des Ostrover Gutes, Generalissimus Ludwig Wilhelm I., beanspruchte das Gelände, verlor jedoch den Rechtsstreit. So wurde 1692 eine provisorische Holzkapelle errichtet, in die Anna Lucia Maderová, Tochter des Jáchymover Richters und Schöffen David Weidner von Plan, eine Gnadenstatue der Jungfrau Maria stiftete. Diese Statue galt bald als wundertätig, weshalb am 2. Juli 1694, dem Fest Mariä Heimsuchung, die erste Wallfahrt aus Jáchymov stattfand. Vier Wallfahrten jährlich waren erlaubt, durften jedoch weder die Wallfahrten nach Chlum sv. Máří noch die Gottesdienste in Jáchymov beeinträchtigen.
1699 wurde der Kirchenbau vollendet und am 8. September vom Jáchymover Dekan Anton Wagner geweiht; zugleich wurde die Gnadenstatue feierlich übertragen. Im folgenden Jahr errichtete der Tertiär des Hieronymitenordens f. Eusebius Kolitsch aus Hřebečná eine Einsiedelei neben der Kirche. Am 30. Mai 1728 wurde er von Räubern überfallen und, nachdem er sich geweigert hatte, Geld und liturgische Geräte herauszugeben, in seiner Einsiedelei verbrannt. Sein Grabstein mit der Inschrift f. EK 1728 wurde im Kirchenschiff aufgestellt.
Entwicklung des Klosters
1729 ließ der Stadtrat von Jáchymov an der Stelle der abgebrannten Einsiedelei ein Wirtshaus für Pilger errichten. Wegen der abgelegenen Lage war die Betreuung der Pilger jedoch unzureichend, und auch der Unterhalt von Kirche und Wirtshaus belastete die Stadt. Zudem kam es zu Streitigkeiten zwischen verschiedenen Orden: Franziskaner aus Kadaň, Piaristen aus Ostrov, Kapuziner aus Sokolov sowie weitere Bettelorden wirkten hier.
Darum wandte sich 1751 der Jáchymover Ratsherr Felix Ignaz Grimm an den Kapuzinerorden mit der Bitte, Kirche und Anlage zu übernehmen. Der Provinzial Pater Seraphin von Ziegenhals stellte am 16. November 1752 beim Prager Erzbistum einen entsprechenden Antrag und bat am selben Tag auch die regierende Königin Maria Theresia um Zustimmung. Nach längerer Bearbeitung erhielt Jáchymov am 19. Januar 1754 die kaiserliche Genehmigung zur Erneuerung der Kirche, und am 28. Mai bestätigte die Prager Konsistorialbehörde die Übernahme durch die Kapuziner. Am 28. Juli 1754 wurden Kirche und Wirtshaus den Kapuzinern übergeben. Diese erhielten 4000 Gulden aus der Stadtkasse sowie jährlich 13 Scheffel Getreide, 72 Eimer Bier und 12 Klafter Holz.
1755 kamen die Kapuziner nach Mariánská und begannen mit dem Bau des Klosters und der Ordenskirche. Die Gründungsurkunde zwischen Stadt und Orden wurde allerdings erst am 24. September 1760 unterzeichnet. Fünf Jahre später war der Bau für 30 000 Gulden vollendet. Im selben Jahr wurde das bisherige Provisorium zu Klassenräumen einer Volksschule umgebaut – noch vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht. 1766 wurde als Zeichen der geistlichen Zugehörigkeit das Stadtwappen von Jáchymov im Wallfahrtskirche angebracht, geschaffen vom Bergmann und Bildhauer Matouš Schmiedhuber.
Unter Kaiser Joseph II. stand das Kloster kurz vor der Aufhebung, doch der Kaiser erkannte seine Bedeutung an und ließ es bestehen. 1781 wurde der Kirchturm umgebaut: Statt zweier Türmchen entstand ein einzelner Turm, ausgeführt vom Klempnermeister Štěpán Ott aus Nejdek für 300 Gulden. 1791 wurden die zwischen 1780 und 1790 verbotenen Wallfahrten wieder aufgenommen; bereits 1769 waren sie mit einem Markt verbunden worden.
Vom 2. bis 8. August 1854 wurden hundert Jahre Kirche gefeiert. Es fanden festliche Wallfahrten statt, täglich zwei Predigten vor der Kirche, und etwa 8000 Menschen legten hier die Beichte ab. 1883 entdeckte man bei der Erneuerung des Kirchenbodens verbrannte Knochen in einer verfallenen Kiste. Die sterblichen Überreste wurden vor dem Florian-Altar unter dem ursprünglichen Stein f. EK 1728 erneut beigesetzt.
20. Jahrhundert
Die Kapuziner wirkten hier bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Danach mussten die deutschen Ordensmitglieder gehen; die verbliebenen Brüder versahen ihren Dienst noch bis 1949. Im September 1949 wurde das Kloster endgültig geschlossen.
Mariánská lag nun im Sperrgebiet. Die letzten zwei Kapuziner – Pater Optat und Bruder Prokop (anderen Quellen zufolge Jaroslav Kvíčala und Jindřich Basler) – wurden unter dem Vorwurf des Waffenverstecks verhaftet, jedoch bald freigelassen. Die Anschuldigung diente offenbar nur als Vorwand zur Auflösung. Von der Ausstattung wurden nur wenige Stücke gerettet, vor allem die Gnadenstatue der Jungfrau Maria, die nach Nové Zvolání bei Vejprty gebracht wurde.
Die Kapuziner gingen nach Sokolov, wo sie später Opfer der Aktion K wurden. Im Kloster siedelten sich Angehörige der SNB an; in den Kellern entstanden Arrestzellen, die sich später zu einem der brutalsten Gefängnisse und Verhörorte der Tschechoslowakei entwickelten.
Nach 1960, als der Uranabbau endete, diente das Kloster als Lager der Firma Škoda Ostrov. 1965 wurde das verfallene Areal gesprengt. Ein Vertriebener fand später in den Trümmern das schmiedeeiserne Kreuz des Dachreiters, brachte es nach Österreich und ließ es 1966 an der Kirche Maria-Sorg in Greifenstein anbringen.
Beschreibung des Klosters
Das Kloster lag auf 793 m Seehöhe an einem sanften Hang über dem Reinbach (Eliášův potok). Es gruppierte sich um einen quadratischen Hof: im Norden die ursprüngliche Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, im Osten die Ordenskirche der Kapuziner, im Süden und Westen Hospiz- und Klostergebäude.
Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung
Eine einfache barocke, gelb verputzte Kirche ohne Turm. Die Fassade war 12 m breit mit zentralem Portal; darüber ein Stein mit fünf verbundenen Kreuzen, angeblich aus der Einsiedelei Niavius’. Auf dem Dach befand sich ein achteckiger Dachreiter.
Das Schiff maß 17 × 9 m und war dreijochig tonnengewölbt, der Boden mit Granitplatten ausgelegt. Auf dem Hauptaltar stand die Gnadenstatue vor einem Bild der Aufnahme Mariens in den Himmel. Seitlich führten Tore zur Ordenskirche, darüber lebensgroße Figuren der heiligen Joachim und Anna. Hinter dem Altar befanden sich eine Ansicht von Jáchymov und ein Bild der Vierzehn Nothelfer.
Zwei Seitenaltäre von 1764 waren den Heiligen Adjutor und Felix geweiht, ein weiterer zeigte den heiligen Florian und Johannes Nepomuk. Vor diesem lag das Grab des Einsiedlers Kolitsch.
Ordenskirche St. Franziskus
Eine einfache, nach Süden orientierte Kirche im rechten Winkel zur Wallfahrtskirche. Das nördliche Portal lag mittig in der Fassade, das südliche Ende war an den Konvent angebaut. Auf dem Dach stand ein sechseckiger Dachreiter. Der Innenraum (16,5 × 7,5 m) war tonnengewölbt.
Der Hauptaltar zeigte den heiligen Franziskus, der die Wundmale Christi empfängt; im Aufsatz war der Heilige in Ketten dargestellt. Ein Seitenaltar war dem heiligen Antonius geweiht. In der Granitpflasterung lag eine Steinplatte mit der Inschrift ANNO 1765.
Weitere Gebäude
Konvent und Hospiz bildeten einen einheitlichen rechteckigen Bau mit Erdgeschoss-Laubengang. Die Mönchszellen lagen im Obergeschoss, Pilgerzimmer und Wirtshaus im Erdgeschoss.
Kloster unter der SNB
Nach der Auflösung wurde das Areal von der SNB genutzt und Teil des Lagers Mariánská. Zunächst dienten die Räume als Arrestzellen für Polizeimitglieder, später als Verhörzentrum der SNB und der Staatssicherheit. Auch geflohene oder fluchtverdächtige Häftlinge aus den Uranlagern wurden hier interniert. Unter Gefangenen galt der Ort als einer der gefürchtetsten im gesamten Jáchymover Revier.
Im Kirchenschiff der Ordenskirche wurde ein Schießstand eingerichtet, die Wallfahrtskirche diente als Garage. 1951 entstand ein zentraler Hundezwinger für 300 Wachhunde. Als Brennmaterial wurden sogar barocke Kirchenbänke und Teile von Altären verwendet.
In den Kellern befanden sich Verhörzellen; Häftlinge wurden an Türen oder Gitter gefesselt, teilweise stunden- oder tagelang aufgehängt. Misshandlungen mit Kabeln waren üblich. (Bericht nach Ludvík/Bureš: Černá kniha minulosti.)
Auch spätere Zeitzeugen berichten von ehemaligen Gefangenen, die den Ort nach Jahren aufsuchten und ihre Erlebnisse schilderten.
Nach 1954 wurden die Methoden etwas eingeschränkt. Nach Auflösung des Lagers nach 1960 diente das Kloster bis zur Sprengung 1965 als Lager der Firma Škoda Ostrov.
Fotogalerie:
https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Klaster_Marianska_MariaSorg/


