DECAN-KIRCHE ST. JOACHIM
Einleitende Informationen
Die Dekanatskirche, dem Stadtpatron St. Joachim geweiht, steht am oberen Ende des Hauptplatzes. Der monumentale Bau bildet eine der Dominanten der Stadt, über die er aufragt. Die Kirche wurde ursprünglich als lutherische Kirche geplant und errichtet und gilt damit als die erste steinerne Kirche dieses Typs auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Im Jahr 1624 wurde sie im Zuge der Rekatholisierung wieder katholisch geweiht. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde sie barockisiert, nach dem Stadtbrand von 1873 jedoch im neugotischen Stil erneuert. Die letzte Generalsanierung fand in den Jahren 1981–1992 statt; die Innenausmalung wurde 1992–1994 vollendet.
Baubeschreibung
Ursprünglich handelte es sich um eine spätgotische einschiffige Kirche, die nach dem Wiederaufbau zu einer neugotischen dreischiffigen Basilika mit rechteckigem Grundriss von etwa 50,5 × 28,5 Metern umgestaltet wurde. Das Presbyterium ist nicht abgesetzt. Das Gebäude ist mit einem Blech-Satteldach gedeckt, das heute etwa 14 Meter hoch ist; ursprünglich maß es ungefähr 17,5 Meter. Der Turm erreicht eine Höhe von 56 Metern. Die Außenmauern werden von sechzehn Strebepfeilern mit einem Absatz gestützt.
Die Mauern werden von drei großen Hauptportalen, zwei kleineren Eingängen sowie einem Zugang zu einer der vier Emporen durchbrochen. Sechzehn hohe neugotische Fenster besitzen eine gotisierende Sohlbank und Maßwerk aus zwei Vierpässen und einem Dreipass in einem gedrückten Spitzbogen. Das Bruchsteinmauerwerk ist glatt verputzt.
Die Kirche ist in Nord-Süd-Richtung orientiert, wobei die Westwand seit Beginn des Baus unter dem Niveau der Straße nach Boží Dar und weiter nach Deutschland liegt, die ursprünglich eine Handelsstraße nach Annaberg war.
Da die Gläubigen während der Gottesdienste ursprünglich standen, konnte die Kirche bis zu dreitausend Personen aufnehmen.
Baugeschichte
Der Bau der neuen Kirche wurde durch das rasche Wachstum der Siedlung notwendig, da die ursprüngliche Pfarrkirche Allerheiligen nicht mehr ausreichte. Zudem hatte sich das Zentrum der Besiedlung vom ehemaligen Brottmarkt an den heutigen Platz verlagert.
Der Bau begann am Montag nach dem Dreifaltigkeitsfest, also am 1. Juni 1534. Bauleiter war der Joachimsthaler Baumeister Hanuš Kopp; Zimmerpolier war zunächst Wolf Müller aus Ostrov, und als Steinmetz wirkte Jörg aus Bamberg.
Die erste Messe fand bereits am 25. November 1537, dem Fest der hl. Katharina, unter Leitung von Johann Mathesius statt, obwohl die Kirche damals nur im Rohbau fertig war – Fenster, Decke, Giebelmauern und Turm fehlten noch. Das Dach war nur provisorisch mit Schindeln gedeckt, die erst 1539 durch Schiefer ersetzt wurden. Die endgültige Fertigstellung erfolgte drei Jahre später unter Leitung des schlickschen Hofbaumeisters Johann Münnich. Die Gesamtkosten betrugen 14.824 Gulden und 8 Groschen.
Die Innenausstattung wurde schrittweise in den Jahren 1542–1573 eingebaut. Die Decke wurde 1566 verschalt, und 1567 malte Augustin Habart aus Prag, genannt Kordel, die Wände aus. Die Emporen wurden 1573 bemalt.
Im Jahr 1623 wurde die lutherische Kirche geschlossen und nach ihrer Weihe zu St. Joachim 1624 wieder eröffnet.
Zwischen 1764 und 1785 wurde die Kirche barockisiert. 1768 entstand eine neue Sakristei zwischen Turm und Hochaltar; die Kirche wurde gekalkt und ein neuer Fußboden gelegt. Nach einer Reparatur der Dachkonstruktion wurde in den Jahren 1776–1781 eine neue Schieferdeckung aufgebracht.
Beim großen Stadtbrand am 31. März 1873 wurde die Kirche nahezu vollständig zerstört; erhalten blieben nur die Umfassungsmauern mit den Renaissanceportalen. Für den Wiederaufbau gingen 56 Entwürfe ein; den Zuschlag erhielt Josef Mocker, Baumeister am Veitsdom in Prag und Vertreter des neugotischen Purismus. Die Bauleitung übernahm Karl Franz Richter aus Johanngeorgenstadt, die Steinmetzarbeiten führten die Brüder Habrecht aus Zwickau aus. Die Rekonstruktion kostete 88.000 Gulden und wurde durch Darlehen sowie Spenden aus dem In- und Ausland finanziert. Die neugotische Ausstattung wurde in den Jahren 1876–1884 angeschafft.
1952 wurden liturgische und künstlerische Gegenstände aus dem aufgehobenen Kloster auf Mariánská in die Kirche überführt. Am 3. Mai 1958 wurde die Kirche in die Liste der nationalen Kulturdenkmäler eingetragen, und im selben Jahr wurde die Außenfassade erneuert.
Zwischen 1981 und 1992 erfolgte eine umfassende Generalsanierung. Am 8. November 1987 verlieh Kardinal František Tomášek der Kirche den Status eines Wallfahrtsortes im Zusammenhang mit den traditionellen Marienwallfahrten nach Mariánská. Die Renovierung wurde mit dem Aufhängen neuer Glocken abgeschlossen, und am 13. September 1992 wurde die Kirche vom Prager Weihbischof František Václav Lobkowicz neu geweiht.
Portale
Die Portale sind weitgehend einander ähnlich; das schönste von ihnen ist das westliche. Interessant ist auch seine Lage: Dieses sogenannte Bergmannsportal lag stets unter dem Niveau der angrenzenden Straße. In der Mitte des Giebelfeldes ist das Brustbild von Stephan Schlick, dem Gründer der Stadt, eingemeißelt. Unter dem Porträt befindet sich ein Füllhorn, aus dem ein Delfin hervorspringt, und im Friesband steht ein Distichon, gemeißelt von Jörg aus Bamberg und gedichtet von Janus Naevius:
HVNC PIETAS REGISQUE FAVOR ATQUE INNOCUA VIRTUS ORBAVRUNT VITA CONIUGE ET IMPERIO. D. STEPHANVS SCHLICK COMES Z.G. AN. 1526 AETATIS 40.
Im Giebelfeld des Nordportals sieht man die Büste eines bartlosen Soldaten mit geöffnetem Visier; das Medaillon des Ostportals, zu dem eine neunstufige Treppe führt, ähnelt seinem westlichen Gegenstück.
Das Portalgewände führt heute in die Sakristei. Es handelt sich um eine ursprüngliche Rahmung mit Rundbogen, im unteren Drittel mit Blattornament geschmückt, im oberen Teil glatt. Am Scheitel des Bogens ist das Wappen der schlickschen Grafschaft Bassano (Pasoun) eingemeißelt.
Das Renaissance-Portalgewände des Turms mit Rundbogen wird von einer Reihe von Blättern und Rosetten über Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen geschmückt. Auf das gebrochene doppelte Gesims setzt ein glatter Fries mit seitlichen Balustersäulen auf, die bis zum Kordon des Turmes reichen.
Turm
Der Turmkörper schließt an die südliche Chorwand der Kirche an. Vor dem Brand erreichte seine Höhe einschließlich Haube und Kreuz 25 Klafter (ca. 47,5 m). Heute misst er 56 Meter. Bis zur Traufe ist er zylindrisch, darüber achteckig, mit zwei Strebepfeilern ohne Absatz. Über dem Eingangsportal befinden sich zwei übereinander angeordnete Paare gekuppelter Fenster. Der achteckige Teil besteht aus zwei Abschnitten: Im unteren sind die Zifferblätter der Uhr angebracht, der obere wurde erst nach dem Brand aufgemauert und dient als Glockenstuhl. Der Turm ist mit einem hohen spitzen Helm abgeschlossen.
Im Inneren befindet sich eine Sandstein-Wendeltreppe, unterwölbt von einem Ziegelgewölbe, das auf der Spindel ruht. Die neunte Stufe liegt auf Höhe des Kirchenbodens und hier befand sich ursprünglich der Zugang zur Sakristei. Eine weitere Öffnung befand sich bei der einunddreißigsten Stufe und führte auf die ursprüngliche Empore. Die Treppe wird von einem steinernen Handlauf begleitet.
Bis zum Brand besaß die Kirche auch ein Dachreiter-Türmchen (Sanktusturm), das sich etwa in der Mitte des Daches befand und eine kuppelartige Haube hatte.
Glocken
Die ursprüngliche große Glocke ließen Hieronymus und Lorenz Schlick im Jahr 1542 aus Burckstein bringen. Sie wurde zusammen mit den übrigen Glocken beim Brand am 31. März 1873 zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurden neue Glocken aufgehängt, die jedoch im Ersten Weltkrieg requiriert wurden. Drei Glocken aus der Werkstatt Richard Herold in Chomutov wurden 1922 angeschafft und installiert. Diese wurden 1941 beschlagnahmt und 1942 nach Königsberg in Ostpreußen gebracht. Von dort wurden sie per Schiff weitertransportiert, das jedoch in der Ostsee von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde. Im Turm blieb daher nur die Sterbeglocke und eine gusseiserne Glocke vom Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, die nach deutschen Vorschriften nicht eingezogen wurde, da in jeder Pfarrei mindestens eine Glocke verbleiben musste.
1992 ließ Erzdechant P. František Krásenský aus den Erlösen einer Sammlung neue Glocken bei Marie Tomášková-Dytrchová in Brodek u Přerova für 450.000 Kronen gießen. Die Weihe und das Aufziehen erfolgten am 18. Oktober 1992. Das Hochziehen auf den Turm führte die Karlsbader Firma Kama aus.
Kirche und Ausstattung vor dem Brand
Die ursprüngliche Innenausstattung spiegelte den Reichtum und die Bedeutung Joachimsthals wider, das damals zu den wichtigsten Städten Europas gehörte und die zweitgrößte Stadt des Königreichs war.
1545 schenkten die Grafen Hieronymus und Lorenz Schlick der Kirche ein Tafelbild von Lucas Cranach. Der Bürger und Bergwerksunternehmer Ondřej Selttenreich stiftete 1559 ein Heiliges Grab, und der Patrizier Nickel Militz erwarb 1560 eine Darstellung der Himmelfahrt Christi.
1564 wurden zehn hölzerne Säulen in die Kirche eingebaut. Sie hatten keine statische Funktion, sondern dienten rein dekorativen Zwecken. Es handelte sich um sechseckige Säulen vom Boden bis zur Decke, aus jeweils einem Stück Holz geschnitzt. In der Barockzeit wurden sie bemalt und vergoldet.
Zwischen 1764 und 1785 wurde die Kirche im spätbarocken Stil umgestaltet. 1764 entstanden neue Seitenaltäre, 1768 wurde ein neues Presbyterium mit Geländer geschaffen. Neue Patronatsbänke und eine Beichtstube schnitzte der Bildhauer Matyáš Schmiedhuber, der auch die Altäre der Heiligen Dreifaltigkeit und der hl. Anna barock überarbeitete. Der Kreuzweg wurde 1773 beim Maler Eliáš Dollhopf aus Horní Slavkov erworben.
1785 wurde der neue Marmormajoraltar vollendet (Kosten 1782 Gulden). Daran arbeiteten mehrere Meister: der Prager Steinmetz Matyáš Millauer, der Maurermeister Christianelli, der Vergolder Tadeáš Beck aus Jáchymov und erneut der Bildhauer Schmiedhuber. Das Altarbild malte Josef Kramolín aus Prag. Der ursprüngliche Cranach-Altar wurde provisorisch hinter einen Seitenaltar versetzt.
Viele dieser Werke waren von unschätzbarem Wert. Auf dem Altar des Heiligen Grabes befand sich beispielsweise eine lebensgroße Christusfigur aus Silber mit einem Grab aus Silbererzsteinen. Auch die Kanzel, getragen von einer lebensgroßen Bergmannsfigur, war aus massivem Silber getrieben.
Kirche nach dem Brand
Beim Wiederaufbau wurde die Innenraumdisposition vollständig verändert und teilweise auch das äußere Erscheinungsbild. Äußerlich war die größte Veränderung der Einbau neuer Fenster. Ursprünglich besaß die Kirche zwei Fensterreihen: oben doppelte Bogenfenster und darunter kleinere dreiteilige Fenster zur Beleuchtung des Raums unter der Empore. Diese kleineren Fenster wurden zugemauert, da die Empore nicht wiederhergestellt wurde.
Der Innenraum wurde von der ursprünglichen einschiffigen Anlage durch neue Säulen in ein dreischiffiges System gegliedert. In die Gebäudeecken wurden ummauerte Emporen eingebaut, die heute als Sakristei, Winterkapelle, Taufkapelle und symbolisches Heiliges Grab dienen. Neue Säulen sind durch Bögen verbunden, die eine Flachdecke tragen.
Eine weitere wesentliche Änderung war die Errichtung einer Abschlusswand zwischen Turm und Presbyterium. Zuvor war der Turmkörper vom Kirchenraum aus sichtbar gewesen und bot Zugang zur Empore.
Beim Brand von 1873 wurde die gesamte Innenausstattung zerstört. Nur durch ein Wunder blieben eine Zinnschale mit dem Kranz der Taufe, die Cranach-Tafel mit dem hl. Christophorus sowie zwei Felder des Gitters erhalten.
Gitter
Ursprünglich stand das Gitter um das Taufbecken in der südöstlichen Ecke neben der alten Sakristei. Heute schließen die beiden erhaltenen Felder den Eingang zur Taufkapelle unter der nordöstlichen Empore. Das Gitter besteht aus durchgeflochtenen Stäben und einem breiten Rahmen aus Flacheisen. Ein Einhorn und Blattornamente sind aus Blech ausgeschnitten. Es stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die heutige Innenausmalung entstand nach der letzten Renovierung (1981–1992) in den Jahren 1992–1994.
Taufbecken
Erhalten ist eine glatte Schale mit 51 cm Durchmesser und ein gegossener Zinnkranz von 22 cm Breite, heute auf einem neuen Taufstein aufgesetzt. Es handelt sich um ein hervorragendes Werk des Joachimsthaler Glocken- und Zinngießers Hans Wildt aus dem Jahr 1575. Dies belegen die Initialen HW mit Glockenzeichen sowie Stadt- und Meistermarke. Auftraggeber war der Joachimsthaler Patrizier Hans Roth.
Die äußeren und inneren Bänder zeigen geometrische Ornamente, Palmetten und Akanthusranken. Der mittlere Fries besteht aus 35 Feldern mit sieben Passionsszenen (Ölberg, Gefangennahme, Christus vor Kaiphas, Dornenkrönung, Pilatus, Kreuztragung, Kalvarienberg), die fünfmal wiederholt sind. Im 36. Feld erscheint im Schild die Halbfigur des Stifters mit den Initialen HR und der Jahreszahl 1575.
Gruft
Die Gruft ist heute zweikammerig und eingeschossig. Ursprünglich war sie vermutlich zweigeschossig, worauf eine Verbindung mit dem Keller des Pfarrhauses durch einen unterirdischen Gang unter dem Jáchymovský-Bach hinweist. Dieser Gang ist heute unpassierbar, da 1992 ein Kran, der neue Glocken auf den Turm hob, in ihn einbrach. Da es sich um die Gruft der örtlichen Linie der Familie Schlick handelte und hier auch Bergbeamte bestattet wurden, wäre ihre heutige Größe sonst kaum ausreichend.
Der ursprüngliche Zugang war durch eine Platte aus weißem Marmor bedeckt. Darauf war Katharina von Vartenberg, die Gattin von Lorenz Schlick, dargestellt, die 1541 beigesetzt wurde; um sie herum waren in Medaillons ihre acht Kinder abgebildet. Die Platte wurde beim Brand durch herabstürzende Dachkonstruktionen zerstört; gerettet wurde nur das Medaillon mit Stephan Schlick, heute in der Winterkapelle eingemauert.
Die Gruft wurde während des Brandes geplündert; erhalten blieb lediglich ein silbernes Namensschild einer Sargkennzeichnung. Später diente die Gruft zur Bestattung der Äbte des Klosters auf Mariánská. Heute befinden sich hier drei leere Kinder- und drei Erwachsenensärge; in einem sind gefundene Gebeine aufbewahrt.
Fotogalerie:
https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kostel_sv._Jachyma/


