Bildstock – ursprüngliches Richtkreuz in Joachimsthal
Die Bildsäule in Joachimsthal (Jáchymov) stand ursprünglich auf dem Gipfel des Galgenbergs, wo sich die städtische Richtstätte befand, die traditionell außerhalb des bebauten Stadtgebietes lag. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie in den unteren Teil der Stadt in die Nähe der Herrnmühle verlegt, wo sie bei einer kleinen Brücke über den Joachimsthaler Bach stand. Beim Bau der Kaiserstraße von Schlackenwerth (Ostrov) nach Joachimsthal wurde sie anschließend auf die linke Seite der neuen Straße versetzt. Eine weitere Verlegung erfolgte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beim Bau der heutigen Straße nach Joachimsthal, als die Bildsäule an ihren heutigen Standort vor das Gebäude der ehemaligen Münze gebracht wurde. Der Überlieferung nach handelte es sich ursprünglich wahrscheinlich um ein sogenanntes Richtkreuz, also um ein Kreuz, vor dem zum Tode Verurteilte vor der Hinrichtung ein letztes Gebet verrichteten, was auch der Lage beim ehemaligen Richtplatz entspricht.
Die Bildsäule besteht aus einer toskanischen Granitsäule auf einem Granitsockel. Auf ihrer Spitze befindet sich eine Sandsteinkapelle in Form eines prismatischen Tabernakels mit Zeltdach, das von einem Kreuz bekrönt wird, ein typisches Motiv der barocken Kleinarchitektur der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auf der Vorderseite der Kapelle ist die Kreuzigung Christi mit der Jungfrau Maria und dem heiligen Johannes dargestellt, also eine Kalvariengruppe. Die linke Seite zeigt ein Relief der Heiligen Familie mit der Flucht nach Ägypten, die rechte Seite eine Madonna mit dem Jesuskind, und auf der Rückseite befindet sich die Darstellung der Darstellung des Herrn im Tempel. Auf der Vorderseite des Sockels ist die Jahreszahl 1731 eingemeißelt, darüber das Christusmonogramm IHS, das die Entstehung in der Zeit des Hochbarock bestätigt.


