ALLERHEILIGENKIRCHE
Einleitung
Die älteste Baudenkmals der Stadt Jáchymov. Sie wurde in den Jahren 1516–1520 als Pfarrkirche der neuen Siedlung errichtet. Ihre Lage an der Straße zur Siedlung Pfaffengrün (Popov) ist recht ungewöhnlich, da sie damals völlig außerhalb der ursprünglichen Bebauung stand. Die erste Darstellung der Kirche kennen wir aus einem Fragment der oberen Bergkarte von 1534. Dadurch wissen wir, dass die Kirche während ihrer gesamten Existenz ihre Gestalt praktisch nicht verändert hat.
Es handelt sich um einen gotisch-renaissancezeitlichen einschiffigen Bau und zugleich um eine der ältesten Fachwerkkirchen im Erzgebirge. Bemerkenswert ist der Dachstuhl: Zum großen Teil ist der ursprüngliche spätgotische Hängedachstuhl erhalten, der von einem einzigen tragenden Pfeiler gestützt wird. Als Schutz gegen Schimmel und Fäulnis diente den damaligen Bauleuten Rinderblut, mit dem die Balken imprägniert wurden.
1530 wurde bei der Kirche ein Bergmannsspital errichtet, das mit der Kirche durch eine Umfassungsmauer mit offenem Durchgang an der nordwestlichen Giebelseite verbunden war. Der städtische Friedhof entstand 1533 am nordöstlichen Rand jenseits der Straße nach Pfaffengrün.
Die Dachräume der Kirche dienten dem Spital als Lager für Lebensmittel und Material (bei der Renovierung 1992 wurde auf dem Dachboden hinter einem Balken eine Getreideschaufel gefunden). Auf der Bergkarte von 1593 ist ein überdachter Gang im Niveau des ersten Stockwerks zu sehen, der auf der ursprünglichen Umfassungsmauer aufsaß. Das Spitalgebäude wurde 1958 wegen Baufälligkeit abgerissen; an seiner Stelle entstand ein Urnenhain mit Gedenkstätte.
Am 14. August 1993 fand nach der Renovierung die feierliche Weihe der Kirche statt. Diese erfolgte im Zusammenhang mit dem Dekret von Kardinal František Tomášek, der Jáchymov damit den Status eines Wallfahrtsortes als Ersatz für das zerstörte Kloster auf Mariánská verlieh.
Baubeschreibung
Es handelt sich um einen gotisch-renaissancezeitlichen, nicht orientierten Bau, dessen Achse in südöstlich–nordwestlicher Richtung verläuft. Seit seiner Errichtung hat sich das Gebäude kaum verändert, was die Darstellung auf der Bergkarte von 1534 bestätigt. Der Grundriss lässt sich in den Raum für die Gläubigen (14,5 × 13 m) und das Presbyterium mit dreiseitigem Abschluss eines Achtecks (Tiefe 5,5 m) gliedern; beide Räume sind ohne Trennung verbunden.
Das Mauerwerk besteht im unteren Teil aus Bruchstein, im oberen aus Fachwerk. Außen ist das Fachwerk sekundär mit Stein verkleidet und das ganze Gebäude glatt verputzt. Auf der Nordostseite befinden sich Verstärkungsanbauten. In den Seitenwänden liegen drei gekoppelte Fenster mit Rundbogen und hölzernem Mittelpfosten. Die Fenster des Presbyteriums sind kürzer und höher gesetzt, jedoch gleich gestaltet. In der Giebelseite befinden sich vier kleinere Fenster mit Segmentbogen.
Ursprünglich führten drei Eingänge in die Kirche; der südwestliche ist zugemauert (spätestens seit 1913) und nur innen am Fachwerk erkennbar. Zum nordöstlichen Eingang führen sieben Stufen; er dient heute als Haupteingang. Der ursprüngliche Haupteingang lag in der Giebelseite zum Spital hin und besaß eine hölzerne Vorhalle.
Das Dach ist hoch und sattelförmig, über dem Presbyterium in ein Walmdach übergehend. Es wird von einem Dachreiter mit geschwungener barocker Haube und Kreuz bekrönt. Über dem Giebel befand sich ursprünglich ein schmiedeeisernes Kreuz, heute im Innenraum aufgestellt, das nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet war und mit einem Blechhahn (symbolischer Schutz vor Feuer) versehen war.
Ein im 19. Jahrhundert geplanter Anbau einer Leichenhalle zwischen Kirche und Spital wurde glücklicherweise nie ausgeführt.
Innenraum
Der Boden besteht aus unregelmäßigen Schieferplatten, im Presbyterium aus Ziegeln. Die Wände sind fachwerkartig mit glattem Putz. Die Decke ist flach, aus Brettern gefertigt, die direkt auf die Bindebalken genagelt sind; die Fugen werden von profilierten Leisten verdeckt. Sie wird von zwei Pfeilern getragen, wobei der Pfeiler vor dem Altar als Hauptstütze durch das ganze Gebäude reicht und den Dachstuhl trägt. Auf seiner Kapitellseite ist die Jahreszahl 1533 eingeschnitzt, als die Deckenbretter eingesetzt wurden (unter Bürgermeister Jakob Forster).
Über dem Raum für die Gläubigen befindet sich eine dreiflügelige Empore, auf der sich hölzerne Haken zum Aufhängen von Bildern erhalten haben. Die Treppe zur Empore ist neuzeitlich, doch die Treppe von der Empore zum Dachboden stammt noch von 1518. Von den sechs Stützen der Empore sind zwei neu.
Baugeschichte
Nach der Errichtung der Kirche St. Joachim (1534–1540) übernahm diese die Pfarrfunktion, und die Allerheiligenkirche wurde zur Spital- und Friedhofskirche.
Die erste größere Renovierung erfolgte 1780–1782 wegen des schlechten Zustands des Gebäudes, den der Chronist als „schlecht und angefault“ bezeichnete. Die Kosten wurden durch den Verkauf eiserner Grabplatten gedeckt; zuvor wurden diese „zur künftigen Erinnerung“ in Holz kopiert.
Seit Beginn der Bauzeit kam es zu einem Ausbeulen der nordöstlichen Wand, was durch Anbau von Verstärkungsmauern gelöst wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich die Kirche erneut in schlechtem Zustand, und die Wand neigte sich weiter. Deshalb erarbeitete der k.k. Baurat L. Lábler ein Projekt zur äußeren Stabilisierung durch Verbinden der Strebepfeiler. Zur Entlastung wurden Grabplatten aus dem Kirchenraum entfernt. An Ort und Stelle blieb nur der stark abgetretene Renaissance-Sandsteinstein des Münzmeisters Ruprecht Pullacher (†1563).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nicht mehr instand gehalten und verfiel. 1958 wurden das Spital und die Umfassungsmauer abgerissen. Am 18. Januar 1964 wurde die Kirche in die Liste der Kulturdenkmäler eingetragen. Die Innenausstattung wurde zur Restaurierung abtransportiert, wobei ein Teil verloren ging. So wurden etwa die Orgeln des 18. Jahrhunderts in die Kirche St. Johannes Nepomuk in Nové Hamry gebracht, wo sie sich bis heute befinden. Im selben Jahr wurde im Juli das Dach repariert. Bis 1968 erfolgten noch kleinere Reparaturen, danach wurde die Kirche sich selbst überlassen. Ende der 1980er Jahre drohte der Einsturz, auch durch Vandalismus und Diebstähle; dabei schnitt ein unbekannter Täter sogar zwölf Dachbalken heraus.
Erste amateurhafte Rettungsversuche erfolgten 1991. Danach übernahm die Stadt Jáchymov als Eigentümer die Sanierung, und in mehreren Etappen wurde das Gebäude 1992–1993 restauriert. Zunächst wurde der Dachstuhl erneuert und ergänzt sowie Holzschädlinge beseitigt und eine archäologische Untersuchung durchgeführt. 1993 folgten Fassaden- und Fachwerksanierung, Belüftung des Bodens und teilweise Rückkehr der Innenausstattung. In den Dachreiter kehrte auch die ursprüngliche Glocke von 1520 zurück, die einige Jahre in Nejdek verborgen war. Die Gesamtkosten betrugen 3,5 Millionen Kronen.
Am 14. August 1993 wurde die Kirche feierlich geweiht, im Zusammenhang mit dem Dekret von Kardinal František Tomášek, der Jáchymov den Status eines Wallfahrtsortes verlieh. Die Weihe nahm Bischof J. Škarvada vor.
Ausstattung (heute teilweise im Museum der Königlichen Münze)
Glocke
Im Dachreiter befindet sich die ursprüngliche Glocke von 1520, gegossen vom Joachimsthaler Glocken- und Zinngießer Hans Wildt. Höhe und Durchmesser betragen jeweils 0,65 m. Mantel und Henkel sind glatt. Die Inschrift auf der Krone lautet: SIT NOMEN DOMINI BENEDICTVM EX HOC NV 1520. Es handelt sich um das älteste bewegliche Denkmal der Stadt Jáchymov. Ursprünglich gab es noch eine zweite Glocke (0,26 m) aus dem 17. Jahrhundert, die 1942 beschlagnahmt wurde.
Hauptaltar
Der Renaissancealtar ist ein Geschenk des Mitbegründers der Stadt und ersten Berghauptmanns Heinrich von Köneritz. Dies belegen die Wappen auf der Innenseite der Altarflügel. Es handelt sich um einen Flügelaltar mit Mittelschrein, Predella und schließbaren Flügeln sowie einem zweigeschossigen Aufsatz. Die Gemälde sind auf Lindenholz ausgeführt und stammen aus der Werkstatt von Lucas Cranach.
Das zentrale Bild zeigt die Vermählung der heiligen Katharina, auf den inneren Flügeln links die Verkündigung Mariens und rechts die Heimsuchung. Auf den Außenseiten der Flügel sind links der heilige Johannes der Evangelist und rechts der heilige Jakobus der Ältere dargestellt. Die Predella zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige, im Aufsatz sind der Tod Mariens und ihre Krönung dargestellt.
Im Jahr 1681 wurden Figuren des heiligen Josef, des heiligen Joachim und zweier weiterer Heiliger hinzugefügt. Auf die Spitze kam ein Engel mit Palmzweig sowie ein Holzkreuz. Im 18. Jahrhundert kamen vergoldete Vasen und seitliche Zugänge hinter dem Altar hinzu. Bei modernen Restaurierungen wurde der Altar wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, ebenso wurde das barocke Gitter vor dem Altar entfernt.
Seitenaltäre
Links im Chorschluss befand sich ein dreiteiliger Hängealtar, der zugleich als Epitaph für J. Pullacher diente. Das zentrale Bild zeigte die Grablegung Christi mit Einflüssen der niederländischen Malerei. Im Aufsatz befand sich ein rechteckiges Bild der Himmelfahrt Christi mit der Inschrift „Christus ist aufgefahren in die Höhe“. In der Predella war der Verstorbene kniend vor dem Lamm Gottes dargestellt, umgeben von arbeitenden Bergleuten. Der Altar trug die Signatur „AF. Anno Salutis Nativi 1598“ sowie die Wappen der Familien Pullacher und Kotreuther. Das Antipendium mit einem ovalen Bild Christi am Ölberg wurde im 18. Jahrhundert ergänzt.
Rechts im Chorschluss hing ein weiterer dreiteiliger Altar mit epitaphartiger Funktion für eine unbekannte Familie. Das zentrale Bild, signiert „A. F. 1598“, stellte die Auferstehung im Stil italienischer Manieristen dar. In den unteren Ecken befanden sich die Wappen der Familien Uttmann und Lerchenfelder. Die Predella zeigte ein Gerichts- und Hinrichtungsszenario. Im Aufsatz befand sich ein Bild der Heiligen Dreifaltigkeit mit der Inschrift „Sitzet zur Rechten Gottes des Allmächtigen“. Das barocke Antipendium zeigte die Erscheinung Christi vor Maria Magdalena aus dem Jahr 1730.
Kanzel
Es handelt sich um ein hölzernes spätgotisches Werk, was Profilierung und Gesims belegen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden in die Felder Fruchtgirlanden, Blumen und Ranken eingesetzt, und zugleich kamen zwei fliegende Engelsfiguren am Schalldeckel hinzu. Unter dem Baldachin befand sich eine Taube, darüber Akanthusornamente bis hin zu Gottvater. Heute sind die meisten späteren Ergänzungen entfernt und auf dem Dachboden gelagert.
Kalvariengruppe
Die Kalvariengruppe befand sich ursprünglich in der Friedhofskapelle. Es handelt sich um ein Sandsteinwerk von 1544 aus der Werkstatt des Dresdner Bildhauers Christoph Walter. Dargestellt sind der gekreuzigte Christus, die schmerzhafte Muttergottes und der heilige Johannes Evangelist. Die Figuren sind leicht überlebensgroß, wobei der Körper Mariens noch gotisch gebogen ist. Wegen Materialfehlern im Sandstein begann die Christusfigur zu zerbrechen; daher wurden die ursprünglichen Gliedmaßen durch Lindenholz ersetzt. Ursprünglich waren die Figuren polychromiert, und die Dornenkrone besaß echte Metallnägel.
Grab- und Epitaphplatten
Die Grabplatten waren ursprünglich in Boden und Wände eingelassen. Da ihr Gewicht Druck auf das Mauerwerk ausübte, wurden sie bei der Restaurierung entfernt und stehen heute entlang der Kirchenwände. Die meisten Epitaphien befinden sich heute im Museum.
Die einzige nicht entfernte Grabplatte gehört dem Münzmeister Ruprecht Pullacher († 11. Juni 1563). Sie misst 1,7 × 0,85 m und ist stark abgetreten; Relief, Inschrift und Wappen sind kaum noch erkennbar. Sie liegt in der Mittelachse zwischen den Bänken und dem tragenden Pfeiler vor dem Hauptaltar.
Erhalten sind außerdem mehrere Renaissance- und barocke Epitaphien bedeutender Bürger, Bergbeamter und Münzmeisterfamilien aus dem 16.–17. Jahrhundert, darunter die Denkmäler der Familien Beer, Lengenfelder, Schedlich, Pullacher, Kadner, Hasler und Imlandt.
Orgeln
Die ursprüngliche Orgel von 1520 befand sich in der Mitte der Empore und stammte aus der Werkstatt von Blasius und Anton Lehmann aus Bautzen. Spätere Orgeln wurden nach Nové Hamry überführt und befinden sich bis heute in der dortigen Kirche St. Johannes Nepomuk.
Gemälde
Zur Ausstattung gehörten mehrere Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert, darunter Darstellungen des heiligen Franz Xaver, des heiligen Franziskus sowie sechs Gemälde auf Leinwand mit Heiligenfiguren (u. a. Anna, Dreifaltigkeit, Madonna mit Kind, Johannes der Täufer, Eustachius, Josef).
Ein bedeutendes Werk ist auch ein Tafelbild aus der Werkstatt Lucas Cranachs von 1540 mit dem heiligen Christophorus, das ursprünglich Teil eines Flügelaltars war und auf dem Dachboden wiederentdeckt wurde.
Sonstige Ausstattung
Zur weiteren Ausstattung gehörten unter anderem ein spätgotisches Kruzifix um 1500, später ergänzt durch eine barocke Marienfigur, eine Zinnlampe für das Ewige Licht von 1610, ein sechssarmiger Glasleuchter aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, barocke Zinnleuchter, erhaltene Kirchenbänke, ein Marmorreliief der Kreuzigung aus dem frühen 17. Jahrhundert sowie weitere historische Kunstwerke und liturgische Gegenstände.
Spital
Beim Allerheiligenkirche wurde 1530 durch den Bergmeister und späteren Münzmeister Wolf Sturz ein Bergmannsspital gegründet. Es handelte sich um ein einfaches einstöckiges Renaissancegebäude auf L-förmigem Grundriss, das durch einen überdachten Gang mit der Kirche verbunden war.
In den Jahren 1558–1566 wirkte hier der Arzt Franz Rener, an den eine Inschrift neben dem Portal erinnerte. Später verfiel das Gebäude, brannte 1955 aus und wurde 1958 abgetragen. Die Reste dienten als Grundlage für eine Terrasse mit Urnenhain und Gedenkstätte.
Friedhof
Der Friedhof entstand kurz nach der Gründung der Stadt, spätestens 1530–1533 zwischen Bach und Kirche, auf Initiative des Predigers Christoph Ering. Aus dieser Zeit stammen Teile der Umfassungsmauer mit Tor und Nischenkapelle. In diese wurde 1544 die Kalvariengruppe von Christoph Walter eingesetzt, die heute im Inneren der Kirche aufbewahrt wird.
Nach der Rekatholisierung wurden die ursprünglichen lutherischen Grabmäler entfernt, und der Friedhof wurde 1627 rein katholisch.
Überraschenderweise befindet sich heute der schlechteste Zustand im Teil des Friedhofs, der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als evangelischer und Kinderfriedhof angelegt wurde.
Fotogalerie:
http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kostel_Vsech_svatych%2C_tez_Spitalni_kostel/


