DIE STATUE DER GNADENREICHEN JUNGFRAU MARIA UND DIE WALLFAHRTSTRADITION IN MARIÁNSKÁ

EINLEITUNG
Die Statue der Gnadenreichen Jungfrau Maria in der Kirche des hl. Joachim befand sich ursprünglich im Kapuzinerhospiz in Mariánská (Maria Sorg). Einer Überlieferung zufolge wurde sie in einem Hühnerstall beim sogenannten Roten Haus gefunden (bis zum Stadtbrand von 1873 Haus Nr. 119, heute Nr. 273 am Platz der Republik). Die Figur stellt ein barockes Werk des sogenannten spanischen Typs dar, ist polychrom gefasst und mit aus vergoldetem Blech getriebenen Kronen versehen. Auf der Rückseite des Kopfes und des Körpers weist sie Beschädigungen auf.
Die erste Wallfahrt zur Statue fand mit erzbischöflicher Genehmigung am Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli 1694 statt. Anlässlich eines Jahrestages der Heiligsprechung des hl. Bernhard wurden im Jahr 1796 zwei kniende Bergleute hinzugefügt, die symbolisch die Verbindung der Bergstadt mit dem Schutz der Gottesmutter ausdrücken.
HERKUNFT DER STATUE UND ENTWICKLUNG DES WALLFAHRTSORTES
Die Statue wurde von der Joachimsthaler Bürgerin Lucie Mádrová der ursprünglichen Kapelle auf dem Sorg gestiftet. Sie hatte sie als Erbe nach dem Tod des Stadtrichters David Weidner im Jahr 1682 erhalten. Der Ruf der wundertätigen Statue verbreitete sich rasch, und bald setzten regelmäßige Wallfahrten ein.
Im Jahr 1902 veröffentlichte der Kapuzinerpater Franziskus Seraphin die Broschüre „Gebets-Erhörungen durch die Fürsprache der heil. Mutter Maria-Sorg“, verfasst auf Grundlage des Memorabitienbuches des Klosters. Darin werden Heilungen und Gebetserhörungen beschrieben, die sich bei der Statue ereignet haben sollen. Zugleich wird betont, dass diese nicht kirchlich untersucht wurden, sondern lediglich den Dekreten Papst Urban VIII. aus den Jahren 1625 und 1631 entsprechen, die die Veröffentlichung von Berichten über Wunder regelten.
EREIGNISSE NACH 1949
Im September 1949 wurde das Kloster in Mariánská geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort nur noch zwei Kapuziner – Pater Optat und Bruder Prokop. Außerdem waren Anna Kämpf sowie eine Köchin angestellt, und Josef Frank wirkte als Ministrant und Organist.
Kurz vor der Schließung brachten Pater Optat, Kaplan Smejkal und Josef Frank die Gnadenstatue in die Kirche von Nové Zvolání. Jáchymov erschien ihnen nicht sicher, zudem zeigte der dortige Priester kein Interesse an der Aufnahme der Statue. Pater Optat und Kaplan Smejkal wurden später von der Staatssicherheit wegen angeblicher Waffenlagerung verhaftet.
Am 12. Juni 1952 wurde die Statue in die Dekanatskirche des hl. Joachim in Jáchymov überführt. Dies führte jedoch zu Widerstand in Vejprty. Die Kapitelskonsistorialbehörde in Prag entschied zunächst, die Statue abwechselnd je einen Monat in Jáchymov und in Nové Zvolání aufzubewahren. Da keine der Seiten zustimmte, ordnete die Konsistorialbehörde am 8. Juni 1954 die Rückführung nach Nové Zvolání an.
Die Vertreter Jáchymovs – darunter der Vorsitzende des Nationalausschusses, Einwohner und Vertreter der Uranbergwerke – verfassten daraufhin ein Memorandum mit den Unterschriften der Gläubigen und sandten es am 12. Juni 1954 an die Konsistorialbehörde. Sie argumentierten, dass die Statue von einer Joachimsthaler Bürgerin für die Kapelle in Mariánská gestiftet worden sei, die als Filialkirche zur Pfarrei Jáchymov gehörte, und somit historisch und verwaltungsmäßig Jáchymov zustehe.
Am 31. Juli 1954 entschied die Prager Konsistorialbehörde endgültig, dass die Statue in Jáchymov verbleibt.
Am 8. November 1987 übertrug der Prager Erzbischof František Kardinal Tomášek mit einem Dekret „auf ewiges Gedächtnis“ den Wallfahrtsort von Mariánská in die Dekanatskirche des hl. Joachim in Jáchymov.
GERETTETE GEGENSTÄNDE
Neben der Statue wurden auch weitere Gegenstände aus Mariánská gerettet. Josef Frank brachte die Krippe und mehrere Gemälde nach Jáchymov, wofür er verhaftet und verhört wurde.
Nach dem Abriss des Klosters und der späteren Wiederöffnung des Gebietes besuchte ein aus der Region stammender, nach 1945 nach Greifenstein in Österreich ausgesiedelter Bürger den Ort. Auf dem Gelände des zerstörten Klosters fand er das geschmiedete Kreuz, das ursprünglich die Turmspitze der Kirche geziert hatte. Er nahm es mit nach Österreich, wo es 1966 in die Fassade der Kirche Maria-Sorg in Greifenstein eingesetzt wurde. Auch dieses Kreuz trägt somit die Erinnerung an den ursprünglichen Wallfahrtsort weiter.


