DIE JOACHIMSTHALER TALER UND DAS MÜNZREGAL
EINLEITUNG
Das Münzrecht, das sogenannte Münzregal, gehörte im Mittelalter zu den Regalien des Landesherrn. Es bedeutete das ausschließliche Recht, Münzen zu prägen und aus ihrer Herstellung einen Münzgewinn (Seigniorage) zu erzielen. Die Münzprägung war somit nicht nur Ausdruck der Souveränität, sondern auch eine bedeutende Einnahmequelle des Herrschers.
ZU BEGINN DES 16. JAHRHUNDERTS
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts fehlte in Europa eine stabile „große“ Münze mit höherem Nominalwert. Das wachsende Handelsvolumen und begrenzte Goldvorkommen führten zur Suche nach Ersatz. Die Lösung bestand in der Prägung großer Silbermünzen, bezeichnet als Guldiner oder Guldengroschen. Diese verdrängten die Goldmünzen im alltäglichen Zahlungsverkehr zunehmend.
DIE SCHLIKS UND DAS MÜNZRECHT
Im Königreich Böhmen kam es in dieser Zeit zu einer Abschwächung der direkten königlichen Macht zugunsten des Hochadels. Ein Beleg dafür ist die Verleihung des Münzrechts an die Familie Schlik. Am 9. Januar 1520 erhielten sie vom Landtag die Zustimmung zur Prägung „größerer Groschen im Werte rheinischer Gulden, deren Hälften und Viertel“. Die rechtliche Bestätigung erfolgte durch König Ludwig am 17. Oktober 1523 mit der Urkunde: „bíti na Horách Joachimstáských groše na zrno, kterak na Horách Kutných se tepe s tím rázem a textem a s malou proměnou, co se tkne jejich erbu“.
Nach zeitgenössischen Berichten (Mathesius, Miesel, Agricola) könnten bereits 1519 im Untergrund der Burg Freudenstein Probeprägungen erfolgt sein, ein direkter Archivbeleg hierfür fehlt jedoch.
VORBILDER UND BEGINN DER PRÄGUNG
Als Vorbild diente der sächsische Guldengroschen, auch Schreckenberger genannt, geprägt in Schneeberg und Zwickau zwischen 1492 und 1525. Die Bezeichnung Klappmützentaler bezog sich auf die charakteristischen Kopfbedeckungen der dargestellten Herzöge Johann und Georg. Die Benennung „Taler“ setzte sich jedoch erst nach Beginn der systematischen Prägung in Joachimsthal durch.
NAME UND TECHNISCHE PARAMETER
Die Münzen trugen Bezeichnungen wie Joachimsthaler Guldengrosch oder schlicht Thaler. Der Name leitete sich vom Ortsnamen Joachimsthal ab. Aus dem deutschen Thaler entwickelte sich später das Wort Dollar.
Die Taler waren von außergewöhnlicher Qualität. Ihre Feinheit betrug etwa 931/1000 bei einem Gewicht von rund 27,6 Gramm. Die Darstellung erstreckte sich in hohem Detailgrad über die gesamte Münzfläche. Besonders bemerkenswert ist, dass auf den Joachimsthaler Talern das Zeichen des jeweiligen Münzmeisters erschien. Damit begegnen wir erstmals im europäischen Maßstab einer systematischen Kennzeichnung der verantwortlichen Person direkt auf der Münze – ein bedeutender Schritt zur Transparenz und Qualitätskontrolle der Prägung.
Ihre hohe Qualität führte allerdings dazu, dass sie häufig eingeschmolzen wurden. Später kam es auch zur Verringerung der Feinheit oder zum Beschneiden der Ränder.
Ein Taler entsprach 30 Groschen, also eineinhalb Gulden.
PRÄGUNGSUMFANG
Im Jahr 1520 wurden auch Zwei-, Drei- und Viertalertaler geprägt. Ab 1526 erfolgte die Prägung zusätzlich in der Münzstätte Horní Slavkov. Zwischen 1520 und 1528 wurden rund 3,25 Millionen Taler und etwa 22 Millionen Prager Groschen ausgeprägt.
GESTALTUNG
Auf der Vorderseite erscheint der heilige Joachim als Schildhalter des schlikschen Wappens mit der Umschrift Sanktum Joachim. Am Rand befindet sich die Inschrift ARMA=DUOB=SLICOUV=STEFANI=ET=FRATR=COMITU=D=BASAIA. Auf der Rückseite ist der böhmische Löwe mit der Umschrift LUDOVICUS PRIMUS D GRACIA REX BOE dargestellt.
BEDEUTUNG
Die Bezeichnung Thaler verbreitete sich europaweit. Ihre sprachliche Weiterentwicklung führte zum Begriff Dollar. Zahlreiche Länder übernahmen nicht nur das Münzbild, sondern auch den Namen, etwa beim skandinavischen Riksdaler oder beim niederländischen Leeuwendaalder.
Die Prägung in Joachimsthal dauerte bis 1670, als sie wegen Mangels an prägefähigem Silber eingestellt wurde. Eine besondere Stellung nimmt der Maria-Theresien-Taler von 1780 ein, der in Teilen Afrikas noch im 20. Jahrhundert als Handelsmünze Verwendung fand.
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