STOLLEN NR. 1 – JÁCHYMOV
Einleitung
Der Stollen Nr. 1 befindet sich im Grubenfeld der Grube Svornost direkt in Jáchymov. Er wurde 1952 als Erkundungsstollen während der intensiven Entwicklung des Uranbergbaus nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Das Gebiet knüpft zugleich an die viel ältere Bergbautradition an, da hier bereits seit dem 16. Jahrhundert vor allem Silber gewonnen wurde.
Geschichte
Der Vortrieb begann am 1. Juli 1952. An den Arbeiten waren Häftlinge aus dem nahegelegenen Lager Svornost beteiligt, die über die sogenannten „Treppen des Grauens“ und anschließend durch einen mit Stacheldraht abgegrenzten Korridor zur Arbeitsstelle geführt wurden. Die Hauptstrecke erreichte eine Länge von etwa 260 Metern, die Ortsbrust wurde am 1. September 1952 erreicht. In einer Entfernung von rund 178 Metern vom Portal wurde ein etwa fünfzig Meter langer Querschlag aufgefahren, der mittelalterliche Abbaue auf der Silberader Evangelist erschloss. Diese Ader wird vom Stollen in etwa 190 Metern Entfernung vom Eingang gekreuzt. Die Arbeiten wurden anschließend in einer Richtstrecke weitergeführt, bis sie am 1. Dezember 1953 an der heutigen Ortsbrust eingestellt wurden. Durch einen Einbruch ist der Stollen zudem mit dem älteren Stollen Vysoká jedle verbunden, dessen Mundloch etwa vierzig Meter höher im Hang liegt und dessen Länge auf ungefähr 120 Meter geschätzt wird.
Beschreibung
Im Inneren sind authentische Elemente aus der Betriebszeit erhalten. Besucher sehen hier zwei sogenannte „Katre“, massive Gittertore zur Verhinderung von Fluchtversuchen. In elf Metern Entfernung vom Eingang befindet sich ein aus Schienen geschweißtes Tor, in etwa fünfundzwanzig Metern ein weiteres aus Wasserrohren. Das Rohrtor nahe dem Querschlag sollte den Zugang zu jenem Teil des Stollens verhindern, von dem aus man über ältere Grubenbaue außerhalb des umzäunten Areals an die Oberfläche gelangen konnte. Hinter das erste Tor gingen Aufseher meist nicht, um sich einer möglichen radioaktiven Belastung nicht auszusetzen.
Erschließung für Besucher
Die Bemühungen, den Stollen öffentlich zugänglich zu machen, begannen Mitte der 1990er Jahre durch den Bergbauverein Barbora, gegründet 1996 unter Leitung von Libuše Rudolfová. Ziel war der Aufbau eines Bergbauschaustollens und die Erinnerung an die Geschichte des Uranabbaus sowie an die politischen Häftlinge. In Zusammenarbeit mit der Konföderation politischer Gefangener, der Stadt Jáchymov, dem Klub tschechischer Touristen und weiteren Institutionen wurde zugleich der ursprüngliche Lehrpfad „Jáchymovské peklo“ markiert. Aufgrund finanzieller Probleme, organisatorischer Schwierigkeiten und Konflikte mit der damaligen Stadtverwaltung wurden die Arbeiten jedoch wiederholt unterbrochen.
Im Jahr 2005 übernahm die Region Karlovy Vary das Projekt und verpachtete den Stollen an das Museum Sokolov. Dieses schloss die Rekonstruktion ab und richtete die Ausstellung ein. Die letzten Arbeiten erfolgten in den Jahren 2006 bis 2008.
Heutiger Zustand
Seit 2008 ist der Stollen Nr. 1 für die Öffentlichkeit zugänglich. Zu sehen sind verschiedene Ausbauarten, Grubenwagen, Werkzeuge und Beispiele bergmännischer Gewinnungstechniken. Das Areal erinnert zugleich an das Lager Svornost und die Zwangsarbeit politischer Häftlinge. Ausgestellt sind auch Funde aus dem Bereich des Stollens und des Lagers, etwa Teile von Öfen, Lampenschirme, Werkzeuge, Stacheldraht-Halterungen oder Isolatoren des elektrischen Zauns. Die Atmosphäre ergänzen rekonstruierte Mauthausen-Treppen, Wachtürme und ein teilweise nachgebautes Lagergebäude. Am Gelände führt außerdem der etwa 8,5 Kilometer lange Lehrpfad „Jáchymovské peklo“ vorbei.
Offizielle Informationen: http://www.omks.cz/main.php?page=stola-c-1-jachymov
Fotogalerie: http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Stola_c._1_v_Jachymove/


