PALEČEKS BURG AUF ROVNOST BEI JOACHIMSTHAL
Beschreibung
Palečeks Burg ist ein naiv und idealisiert gestaltetes Modell einer gotischen Burg im Areal der ehemaligen Grube Rovnost bei Joachimsthal. Das Bauwerk wurde aus Ziegeln errichtet und anschließend verputzt. Heute befindet es sich zwar im Zustand einer Ruine, bewahrt jedoch weiterhin seine ursprüngliche Form und Gliederung. Es nimmt eine Fläche von etwa 2,5 × 3,5 Metern ein und ist heute ungefähr 150 cm hoch. Ursprünglich war es mit rund 175 cm etwas höher, wurde jedoch durch den fortschreitenden Verfall des Mauerwerks niedriger.
Erhalten sind drei Türme mit Teilen der Ringmauer, ein Eingangstor, ein innerer Turm mit Durchgang sowie Reste der Palaswände. Insgesamt wirkt das Objekt wie ein verkleinertes romantisierendes Burgensemble, heute deutlich von Witterungseinflüssen gezeichnet.
Ursprung
Über die Entstehung dieses ungewöhnlichen Bauwerks existieren mehrere Deutungen, die jedoch nicht eindeutig belegt sind.
Eine Hypothese bringt die Burg mit dem Retributionshäftling Richard Karl Fuchs in Verbindung, einem Unterstützer der nationalsozialistischen Besatzungsmacht, der sich auch zur Waffen-SS bekannte. Er war in den Jahren 1949 bis 1955 in Rovnost inhaftiert und galt dort als gefürchteter Lagerältester. Ein direkter Zusammenhang mit dem Bauwerk ist jedoch nicht nachweisbar. Sicher ist lediglich, dass die Burg bereits während seiner Haft existierte, was durch die überlieferte Aussage gegenüber einem Häftling belegt wird, er müsse „stehen bleiben, bis im Schloss ein Licht angeht“.
Eine weitere Version verbindet den Bau mit dem Lagerkommandanten František Paleček, auch bekannt unter den Namen Albín Paleček, František Dvořák oder Albín Dvořák. Der Bau könnte demnach zur Unterhaltung, Repräsentation oder zur Verschönerung des Appellplatzes entstanden sein. Diese Möglichkeit wird durch Luftaufnahmen gestützt, die darauf hindeuten, dass sich der ursprüngliche Standort tatsächlich im Bereich des Appellplatzes befand. Der genaue Zeitpunkt der Errichtung bleibt jedoch unklar, fest steht nur, dass die Burg vor 1956 existierte, vermutlich also während Palečeks Amtszeit zwischen 1951 und 1954.
Eine dritte Hypothese geht davon aus, dass das Bauwerk im Zusammenhang mit der Anlage eines Erholungsbereichs für zivile Mitarbeiter der Grube entstand oder später dorthin versetzt wurde. In unmittelbarer Nähe befand sich eine Kantine für zivile Angestellte, die spätestens 1956 abgerissen wurde. In der Umgebung sind bis heute ein kleines Wasserbecken mit Springbrunnen sowie Reste einer Zierbepflanzung erhalten, was diese Theorie unterstützt.
Heutiger Zustand
Die Gegenwart und Zukunft des kleinen Bauwerks sind ungewiss. Eine stilisierte Darstellung dient als Symbol des Lehrpfades „Jáchymovské peklo“ sowie der Initiative Politictí vězni.cz, ansonsten steht das Objekt jedoch nicht unter systematischem Schutz und das Mauerwerk verfällt weiter.
Im Jahr 2022 ließ die Stadt Jáchymov in der Nähe einen Weg für ein Pistenfahrzeug anlegen, wobei Reste von Gebäuden aus der Zeit des Uranbergbaus freigelegt wurden. Hoffnung auf eine bessere Zukunft kam 2023 auf, als archäologische Untersuchungen und Sicherungsmaßnahmen am Mauerwerk begonnen wurden, die zum Erhalt dieses ungewöhnlichen Denkmals beitragen sollen.
Fotoalbum: https://www.rajce.idnes.cz/mipalfi/album/jachymov-paleckuv-hrad


