GRUBE PLAVNO BEI JOACHIMSTHAL
Einleitung
Die Grube Plavno entstand im Jahr 1950 mit dem Abteufen des Hauptförderschachtes Wladimir. Aufgrund des Baus der Grube wurde die ursprüngliche Siedlung Plavno vollständig aufgegeben, und nach und nach verschwanden auch weitere kleinere Orte in der Umgebung, etwa Léno, Hanušov oder Arnoltov. Die Landschaft wich dem Bergbau, und an ihrer Stelle entstanden Betriebsgebäude, Halden und technische Infrastruktur. Der gesamte Grubenkomplex nahm etwa eine Fläche von zwei mal zwei Kilometern ein, und der Abbau reichte bis in Tiefen von rund fünfhundert Metern. Die Gesamtförderung belief sich auf ungefähr 337 Tonnen Uran, womit Plavno zwar nicht zu den größten Gruben des Joachimsthaler Reviers gehörte, jedoch keineswegs unbedeutend war.
Geschichte
Die Entwicklung der Grube fällt in die Zeit des sogenannten Uranbooms der 1950er Jahre, als das Gebiet um Joachimsthal zu einem der wichtigsten Uranabbauzentren Mitteleuropas wurde. Die Arbeit in den Gruben war körperlich schwer und oft gefährlich. Neben zivilen Beschäftigten arbeiteten hier auch politische Gefangene und Zwangsarbeiter, was zu den dunkleren Kapiteln der Nachkriegsgeschichte der Region gehört. Uran galt damals als strategischer Rohstoff, und entsprechend hoch war das Tempo bei der Erschließung neuer Lagerstätten.
In Plavno wurden nach und nach mehrere Grubenbaue angelegt. Im Jahr 1957 kam ein zweiter bedeutender Schacht hinzu, der als Nord-Plavno bezeichnet wurde. Die Erkundungsarbeiten brachten wechselnde Ergebnisse, einige Abschnitte erwiesen sich jedoch als besonders reich. Von einem Blindschacht im vierten Niveau wurde beispielsweise ein neuer Erzblock erschlossen, und die Gänge mit den Bezeichnungen 5 und 5a gehörten zu den ertragreichsten. Dennoch war die Lebensdauer der Grube relativ kurz, und der Abbau wurde hier vermutlich um 1962 eingestellt, als sich die Aufmerksamkeit auf andere Lagerstätten verlagerte.
Beschreibung
Das wichtigste Grubenbauwerk war der Schacht Wladimir mit einer Tiefe von etwa 344,5 Metern. Er war in elf Sohlen unterteilt, von denen einige nicht miteinander verbunden waren, was im Joachimsthaler Revier nicht ungewöhnlich war. In der dritten Sohle war der Schacht mit der Grube Panorama verbunden, sodass Plavno kein isolierter Betrieb war, sondern Teil eines umfangreichen unterirdischen Systems. Die Verbindung der Gruben ermöglichte eine effizientere Bewetterung, den Transport des Erzes sowie weitere geologische Erkundungen.
Die Erzadern wiesen eine stark wechselnde Mächtigkeit auf – von wenigen Zentimetern bis zu etwa drei Metern. Die Strecken folgten ihnen oft übereinander in derselben Richtung, was dem typischen Gangcharakter der Lagerstätten im Erzgebirge entspricht. Das umgebende Gestein war häufig durch Hämatit rötlich gefärbt und bestand aus einer Mischung von Quarz, Glimmer und weiteren Mineralen.
Von mineralogischer Bedeutung ist die Grube auch deshalb, weil hier das seltene sekundäre Uranmineral Plavnoit beschrieben wurde, das nach dieser Lokalität benannt ist. Es wurde an einer der Gänge in der zweiten Sohle des Schachtes Wladimir in kleinen Hohlräumen dunklen tonigen Materials gefunden, wo es kleine kristalline Aggregate zusammen mit anderen Uranmineralen bildete.
Heutiger Zustand
Nach dem Ende des Abbaus verschwanden die meisten Oberflächenbauten, und die Landschaft wurde schrittweise rekultiviert. Vom einstigen Betrieb sind vor allem Geländeunebenheiten, überwachsene Halden und nur schwer erkennbare Spuren der industriellen Nutzung geblieben. Der Ort wirkt heute unscheinbar, und nur wenige würden vermuten, dass sich unter der Erde einst ein weitläufiges Grubensystem befand.
Die Grube Plavno stellt somit heute eine stille Erinnerung an die Zeit dar, als der Uranabbau das Erscheinungsbild des Erzgebirges und das Leben tausender Menschen entscheidend prägte. Auch wenn sie nie den Ruhm der größten Joachimsthaler Gruben erreichte, bleibt sie ein wichtiger Beleg für die technische Entwicklung des Bergbaus und die dramatische Nachkriegsgeschichte dieser Region.


