GRUBE EDUARD BEI JOACHIMSTHAL
Einleitung
Das Abteufen des Schachtes Eduard begann im Jahr 1948, womit er zu den wenigen Gruben in Joachimsthal gehört, die ursprünglich nicht als Silberbergwerk entstanden. Dennoch war die Gegend bereits früher bergbaulich genutzt worden. Schon im 18. Jahrhundert reichten die Stollen der Gruben Eliáš und Werner (Rovnost) bis in diesen Bereich, und vor Ort existierten mehrere kleinere Silberstollen, etwa Heinzenteicher, sowie Erkundungsschächte.
Geschichte und Betrieb
Der Schacht mit sechs Sohlen erreichte eine Tiefe von etwa 365 Metern und war mit den Gruben Rovnost und Eliáš verbunden. Zusammen mit den Schächten Rovnost I, Eliáš, Nikolaj und einem Teil des Grubenfeldes Klement bildete Eduard den sogenannten Erz-Knoten Rovnost. Dieses Gebiet umfasste etwa 3,25 km² und stellte mit einer Produktion von rund 3180 Tonnen Uran ein mittelgroßes Lager im Joachimsthaler Revier dar.
Die Grube besaß kein eigenes Lager, und die Häftlinge kamen täglich aus dem etwa einen Kilometer entfernten Lager Nikolaj. Da zwischen beiden Orten kein Stacheldrahtkorridor gebaut werden konnte, weil er eine stark befahrene Straße gekreuzt hätte, wurden die Gefangenen auf besondere Weise über die Straße geführt, im Lagerjargon als „Joachimsthaler Autobus“ bezeichnet. Dabei wurden sie dicht zusammengedrängt und mit einem Stahlseil umschlungen, in dieser Formation überquerten sie die Straße. Wenn jemand stolperte, schnitt das Seil schmerzhaft in die Körper der anderen.
Im Bergwerk wurde im Dreischichtbetrieb gearbeitet, die erste Schicht dauerte von sechs bis vierzehn Uhr. Abraum und Erz wurden nicht in Wagen, sondern mit einer Skip-Förderanlage an die Oberfläche gebracht.
Oberirdisches Areal
An der Oberfläche entstand ein Komplex technischer Gebäude, von denen viele bis heute erhalten sind. Dazu gehören die lange Treppe von der Straße zum Schacht, die Maschinenhalle, die Trafostation, die Kaue, die Krankenstation sowie massive Stahlbeton-Stützböcke, die den Förderturm gegen den Seilzug stabilisierten. Der Betrieb der Grube endete Anfang der 1960er Jahre gemeinsam mit dem allmählichen Niedergang des Uranabbaus im Joachimsthaler Revier.
Gegenwart
Neben der Grube entstand eine große Abraumhalde. In der Mitte der 1970er Jahre wurde sie umgestaltet und es entstand dort ein Biathlonzentrum. Es diente sowohl dem Training der tschechoslowakischen Nationalmannschaft als auch internationalen Wettkämpfen, einschließlich Weltcuprennen. Die Lokalität erlebte somit eine bemerkenswerte Wandlung – von einem Ort des Uranabbaus und der Zwangsarbeit zu einem Sport- und Erholungsgebiet.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov%2C_Dul_Eduard/


