GRUBE BRÜDERSCHAFT IN JOACHIMSTHAL
Einleitung
Die erste Erwähnung der Grube in der Stadtchronik stammt aus dem Jahr 1540, als sie unter dem Namen Sächsischer Edelleutstollen gegründet wurde. Eine Besonderheit ist der Förderschacht Zdař Bůh mit einer Tiefe von etwa 375 Metern, der nicht direkt an die Oberfläche führt, sondern in einen unterirdisch ausgehauenen Hohlraum mündet, also ein sogenannter Blindschacht ist. Das geförderte Material wurde anschließend über einen etwa 385 Meter langen Stollen an die Oberfläche transportiert. Das Grubenfeld umfasste rund 9,8 km² und die Gesamtlänge der Stollen und Strecken erreichte ungefähr 80 Kilometer.
Geschichte
Nach dem Abbau von Silber wurden hier auch andere Metalle gewonnen, etwa Kobalt. Seit dem 19. Jahrhundert wurde Uran gefördert, zunächst für die Herstellung von Uranfarben und später auch für die Gewinnung von Radium. Am 2. Juli 1945 wurde die Grube zu Ehren der Pariser Kommune in Brüderschaft umbenannt.
Bereits 1917 wurde die Grube elektrifiziert, was eine umfassendere Modernisierung im Jahr 1922 ermöglichte. Damals wurde ein neuer Bedienungsstollen zum Schacht Zdař Bůh aufgefahren und eine elektrische Fördermaschine installiert.
Während der Uranabbauzeit im Raum Joachimsthal wurde am 21. Februar 1950 beim Bergwerk ein Zentral-Lager mit dem Decknamen M eingerichtet, das bis zum 12. Juni 1954 bestand. Von den Lagergebäuden ist bis heute nur die Stahlbetonkonstruktion der Duschen erhalten. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers befindet sich heute das Erholungsareal Pod lanovkou.
Endlager
Heute dient die Grube als Lagerstätte für radioaktives Material. Das Endlager Brüderschaft ist seit 1974 in Betrieb, als für die Lagerung bestimmter Strahlenquellen aus Medizin und Forschung Räume im Bereich des Zugangsstollens mit einem Gesamtvolumen von etwa 1200 m³ hergerichtet wurden. Das Endlager umfasst den Zugangsstollen, der zur Betriebsstraße umgebaut wurde, sowie fünf Lagerkammern.
Wände und Decken der Kammern wurden mit Beton verstärkt und zusätzlich mit Stahlträgern gesichert. Die Böden enthalten ein Drainagesystem mit zentralem Sammelbecken. Eine künstliche Bewetterung wird nur bei Anwesenheit von Personen eingesetzt, ansonsten erfolgt die Belüftung auf natürliche Weise. Der Luftstrom ändert sich je nach Jahreszeit – im Sommer strömt Luft in die Grube, im Winter dagegen aus ihr heraus. Die Temperatur im Inneren liegt ganzjährig bei etwa 10 °C.
Im Endlager werden institutionelle radioaktive Abfälle gelagert, die überwiegend natürliche Radionuklide enthalten und nur einen kleinen Teil der in der Tschechischen Republik anfallenden radioaktiven Abfälle darstellen. Jährlich werden durchschnittlich rund 30 Verpackungseinheiten eingelagert. Das Material wird schichtweise gelagert, sodass Kontrolle möglich bleibt und gleichzeitig der Zugang zu weiteren Stollen und technischen Einrichtungen gewährleistet ist.
Eine Verpackungseinheit besteht aus einem 100-Liter-Fass mit radioaktivem Material, das in ein größeres, verzinktes 200-Liter-Fass mit Korrosionsschutz eingesetzt wird. Der Zwischenraum wird mit einer etwa fünf Zentimeter dicken Betonschicht ausgefüllt. Jede Einheit ist gekennzeichnet und dokumentiert, einschließlich Angaben zu Herkunft, Materialtyp, Einlagerungsdatum und Gewicht.
Seit 2001 wird das Endlager von der Správa úložišť radioaktivních odpadů (SÚRAO) verwaltet.
Technische Besonderheiten
Der ursprüngliche Teil der Grube wird heute über den Bock-Stollen entwässert. Sein Renaissanceportal, das sich hinter der heutigen Post befand, wurde beim Bau eines Wohnhauses zerstört. Gerade an diesem Stollen wurde bereits Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals weltweit eine mechanische Bewetterung eines Bergwerks eingeführt, was einen bedeutenden technischen Fortschritt darstellte.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov_-_Dul_Bratrstvi/
Fotos von SÚRAO: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov%2C_Dul_Bratrstvi_-_SURAO/
Weitere Fotos: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov%2C_Dul_Bratrstvi/


