VILLA MAYER – HOTEL PANORAMA
EINLEITUNG
Das Hotel Panorama in der Dvořákova-Straße Nr. 931 gehört zu den markantesten Bauten des Villenviertels, das am Hang oberhalb von Jáchymov entstand. Anders als die meisten umliegenden Villen, von denen einige heute nur schwer ihre ursprüngliche Nutzung finden, ist dieses Haus erhalten geblieben und dient bis heute als Hotel.
Das Gebäude entstand Ende der 1920er Jahre als Pension von Raimund Mayer. Sein Entwurf stammt von dem Jáchymover Baumeister und Planer Franz Rehn, der am Hang des Šibeniční vrch im Laufe mehrerer Jahrzehnte ein bemerkenswertes Ensemble aus Villen, Pensionen und weiteren Wohnhäusern schuf.
Die Villa Mayer gehört dabei zu seinen späteren Bauten. Sie entstand zu einer Zeit, als das hiesige Villenviertel bereits weitgehend fertiggestellt war und Jáchymov versuchte, an die Entwicklung des Kurwesens und des Fremdenverkehrs aus der Vorkriegszeit anzuknüpfen.
Das Haus ist nicht nur aufgrund seiner Geschichte interessant, sondern vor allem wegen seines Erscheinungsbildes. Der relativ einfache Baukörper der eingeschossigen Villa wird durch einen markanten polygonalen Turm ergänzt, der dem Gebäude seine charakteristische Silhouette verleiht. Zusammen mit dem steilen Walmdach gehört er zu den auffälligsten Merkmalen des heutigen Hotels Panorama.
BESCHREIBUNG
Die Villa Mayer ist ein freistehender, eingeschossiger Bau mit annähernd quadratischem Grundriss. Ihr Grundkörper ist relativ kompakt und im Gegensatz zu einigen älteren Villen Rehns nicht durch zahlreiche Risalite, Erker oder Giebel gegliedert.
Das auffälligste Element des Gebäudes ist ein polygonaler Turm, der aus einer der Gebäudeecken hervortritt. Der Turm ragt über den Hauptbau hinaus und wird von einem eigenen, helmförmigen Dach abgeschlossen. Gerade die Verbindung von Turm und mächtigem Dach prägt das charakteristische Erscheinungsbild des gesamten Gebäudes.
Der Hauptteil des Hauses ist mit einem steilen Walmdach gedeckt. Seine markante Fläche bildet einen wesentlichen Teil der Gesamtsilhouette des Objekts und entspricht zugleich der Art und Weise, wie sich die Bauten in der bergigen Umgebung von Jáchymov an die örtlichen klimatischen Bedingungen anpassten.
Die Fassade ist dagegen vergleichsweise schlicht. Gegliedert wird sie vor allem durch einfache, flache Fensterrahmungen. Rehn verwendete hier also nicht die reiche Stuckverzierung, die von einigen älteren Bauten des Jáchymover Villenviertels bekannt ist. Die Gesamtwirkung des Hauses wird vor allem durch seine Baumasse, das Dach und den Eckturm bestimmt.
In dieser Hinsicht ist die Villa Mayer ein interessantes Beispiel für die spätere Schaffensphase Rehns. Während beispielsweise seine Vorkriegsvilla Chromý mit markanten Giebeln, Erkern, Balkonen und einer Aussichtsgalerie arbeitet, wirkt das Mayer-Haus wesentlich ruhiger und kompakter.
Das Gebäude wirkt auf den ersten Blick daher nicht wie ein großes Hotel. Eher erinnert es an eine größere Familienvilla, was auch dem ursprünglichen Charakter des Objekts entspricht. Es handelte sich um eine kleinere Pension und nicht um ein großes Kurhotel.
Gerade die Einfachheit des Gebäudes ist jedoch etwas irreführend. In dem relativ kleinen Baukörper gelang es Rehn, ein Gebäude zu schaffen, das sich dank des Turms und des steilen Daches deutlich im Erscheinungsbild des Hanges bemerkbar macht.
BAUHERR UND BAUMEISTER
Bauherr war der Jáchymover Hotelier Raimund Mayer, dessen Name in einigen Quellen auch in der Variante Maier erscheint. Für seine neue Pension wählte er ein Grundstück am oberen Rand des Hanges, und im Juni 1929 erstellte Franz Rehn den Entwurf für das Gebäude, das als Villa Mayer beziehungsweise Restaurant Mayer bezeichnet wurde.
Mayer war jedoch offenbar nicht dessen einziger Betreiber. Ein zeitgenössischer Überblick über Jáchymov aus dem Jahr 1931 führt bereits das Hotel Mayer unter den örtlichen Hotels auf und nennt Karl Vydra als dessen Pächter. Das Haus funktionierte somit spätestens in diesem Jahr als Hotel, und der tägliche Betrieb wurde von einem Pächter geführt, während der Name des Gebäudes weiterhin an seinen Bauherrn erinnerte.
Im Jahr 1947 verfügte das Hotel Mayer über zehn Betten. Es handelte sich also nicht um einen Konkurrenten der großen Jáchymover Kurhotels, sondern um einen kleineren Betrieb, der das Unterkunftsangebot im sich entwickelnden Villenviertel ergänzte.
Franz Rehn
Der Entwurf des Gebäudes stammt von Franz Rehn, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Jáchymover Baugeschichte.
Rehn kam Ende des 19. Jahrhunderts nach Jáchymov und arbeitete sich hier allmählich vom Baupraktikanten zum Planer, Baumeister und Unternehmer empor. Seine Arbeiten sind über die gesamte Stadt verstreut, die größte Konzentration seiner Bauten findet sich jedoch gerade am Hang des Šibeniční vrch.
In der Dvořákova-Straße entwarf er beispielsweise das benachbarte Haus Heimat Nr. 930 und die Villa Mayer Nr. 931. An den umliegenden Hängen entstanden anschließend weitere seiner Bauten – Sonnenhof, Haus Braunstein, Waldfrieden, Almenrausch, Hohenstein, Haus Baldur, Phönix und eine Reihe weiterer.
Die Villa Mayer ist somit kein isoliertes Bauwerk. Sie ist Teil eines umfangreichen Ensembles, das Rehn an diesem Hang nach und nach schuf.
GESCHICHTE
Die Villa Mayer entstand zu einer Zeit, als Jáchymov bereits den größten Aufschwung des Villenbaus aus der Vorkriegszeit hinter sich hatte.
Die ersten Bauten Rehns am Hang entstanden noch vor dem Ersten Weltkrieg. In den Jahren 1912–1914 wurde hier beispielsweise die Villa Chromý errichtet, in den Jahren 1913–1914 folgte die Villa Dagmar. Der Krieg unterbrach die weitere Entwicklung.
Nach der Entstehung der Tschechoslowakei wurde die Bautätigkeit am Hang allmählich wieder aufgenommen. Rehn errichtete hier seine eigene Pension Sonnenhof, und 1929 kam die Villa Mayer an die Reihe.
Der Entwurf wurde im Juni 1929 erstellt, und Fachquellen nennen die Jahre 1929–1930 als Zeitraum der Ausführung. In einigen heutigen touristischen Materialien findet sich jedoch auch das Jahr 1932. Da der erhaltene Entwurf bereits auf das Jahr 1929 datiert ist, erscheint die erste Variante wahrscheinlicher.
Ursprünglich trug das Haus den Namen seines Eigentümers. Wir finden die Bezeichnungen Villa Mayer, Restaurant Mayer und Hotel Mayer. Später setzte sich der Name Panoráma durch, aus dem der heutige Name Hotel Panorama hervorging.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich nicht nur die Verhältnisse in der Stadt, sondern auch die Eigentumsverhältnisse und die Nutzung zahlreicher hiesiger Häuser. Rehn wurde 1945 ausgesiedelt, und sein bauliches Werk blieb in Jáchymov als Erinnerung an das Vorkriegsbild der Kurstadt erhalten.
Die Villa Mayer überlebte jedoch und wurde im Gegensatz zu vielen umliegenden Gebäuden nicht aufgegeben.
GEGENWART
Heute kennen wir das Gebäude als Hotel Panorama.
Sein Hauptteil bewahrt weiterhin den ursprünglichen Charakter von Rehns Bau. Obwohl das Gebäude im Laufe der Jahrzehnte Veränderungen und Renovierungen durchlief, blieben der Grundkörper der eingeschossigen Villa, das steile Walmdach und der markante Eckturm erhalten.
Heute dient das Hotel als Unterkunft und Restaurant. Seine Lage am oberen Rand des Hanges bietet noch immer das, was bereits bei seiner Entstehung wichtig war – eine ruhige Umgebung, die Nähe zum Wald und einen Blick auf das Tal von Jáchymov.
Im Inneren befinden sich auch einige interessante historische Elemente. Das Hotel nennt beispielsweise einen historischen Kachelofen aus dem Jahr 1850 sowie eine Sammlung historischer Schlitten und Kutschen. Bei dem Ofen ist jedoch nicht belegt, dass er zur ursprünglichen Ausstattung der Villa Mayer gehörte.
Aus Sicht der Erhaltung ist das Hotel Panorama vor allem deshalb bemerkenswert, weil es weiterhin als funktionierendes Gebäude besteht. Von den zahlreichen Bauten, die einst das Villenviertel am Hang des Šibeniční vrch bildeten, gehört es zu denjenigen, die erhalten geblieben sind und noch heute genutzt werden.
UMGEBUNG
Das Hotel Panorama steht an einem Ort, der auch unabhängig vom Gebäude selbst interessant ist.
Unmittelbar hinter dem Haus befindet sich der Šibeniční vrch, nach dem dieser Teil des Hanges benannt wurde. Genau hier befand sich die historische Hinrichtungsstätte von Jáchymov. Bei einer Geländeuntersuchung im Jahr 2014 wurde eine Geländeterrasse etwa 200 Meter vom Hotel entfernt als deren wahrscheinlichster Standort bestimmt. Sie misst etwa 6 × 6,5 Meter und ragt ungefähr 3 bis 3,5 Meter über das umliegende Gelände hinaus.
Die Lage des Hotels ist auch aus touristischer Sicht interessant. Von der Panoráma führt einer der Wege in Richtung Dívčí skok, einem beliebten Ausflugsziel oberhalb von Jáchymov. Der Ort wird mit der untergegangenen kleinen Burg Braunstein in Verbindung gebracht und wurde später zu einem Ziel für Spaziergänge der Kurgäste.
Heute kann das Hotel Panorama somit Ausgangspunkt für einen kurzen Spaziergang sein, bei dem man innerhalb weniger Minuten die Stadt verlässt und in den Wald gelangt – zu Orten, die an mehrere verschiedene Epochen der Geschichte von Jáchymov erinnern.
Die Villa selbst ist jedoch das Wichtigste.
Sie entstand als kleine Pension am Rand des damaligen Kur-Villenviertels, wurde von Franz Rehn entworfen und stellt mit ihrem einfachen Grundriss, dem steilen Walmdach und dem markanten Eckturm eines der charakteristischen Häuser dar, die bis heute an die bauliche Entwicklung Jáchymovs in den 1920er Jahren erinnern.
Aus der Villa Mayer wurde das Hotel Mayer, daraus Panoráma und heute Hotel Panorama. Das Haus ist jedoch im Laufe von fast hundert Jahren nicht verschwunden. Es steht noch immer am Hang oberhalb von Jáchymov – genauso wie damals, als Franz Rehn es 1929 für Raimund Mayer entwarf.


