PATRIZIERHAUS NR. 292
Einleitung
Das Haus Nr. 292 am Platz der Republik entstand in der Blütezeit der Bergstadt. Von Beginn an war es ein repräsentatives Patrizierhaus, dessen Architektur den gesellschaftlichen Rang seines Besitzers sichtbar machen sollte.
Geschichte
Bauherr war der Bergschreiber Wolf Thiel, ein Beamter, der zu dem engen Kreis gehörte, der Verwaltung und Wirtschaft des Bergbaus organisierte. Der Bergschreiber führte die Bergbücher, dokumentierte Besitzverhältnisse und kontrollierte Erträge aus dem Silberbergbau. Es handelte sich um gebildete und einflussreiche Persönlichkeiten zwischen Stadtverwaltung, Unternehmern und Obrigkeit.
Der Name Thiel weist auf sächsische Herkunft hin, was dem Charakter der frühen Stadt entspricht. Nach dem Stadtbrand von 1873 wurde das Gebäude verändert und um ein Halbgeschoss ergänzt. In den 1960er Jahren erhielt es seine heutige schlichte Fassadengestaltung.
Beschreibung
Das Haus ist traufständig zur Straße ausgerichtet und besitzt zwei Vollgeschosse sowie ein nach 1873 hinzugefügtes Halbgeschoss. Die Fassade zum Platz wird durch acht unregelmäßige Fensterachsen gegliedert.
Hervorzuheben ist das Renaissanceportal aus Sandstein von 1543 im Typus einer Ädikula. Stilistisch gehört es zur frühen sächsischen Renaissance und wird dem Umkreis des Steinmetzen Jörg von Bamberg zugeschrieben. Schlanke Säulen mit Kompositkapitellen tragen ein profiliertes Gesims und einen Aufsatz mit Bauherrenwappen. Den Abschluss bildet ein Dreiecksgiebel mit dem Motiv des göttlichen Auges und der Jahreszahl.
Im Inneren ist eine Durchfahrt mit gotisch-renaissancezeitlichen Kreuzgewölben mit Graten erhalten. In der hinteren Partie befindet sich eine originale zweiläufige Steintreppe mit massivem Geländer. Der Dachstuhl ist als Kehlbalkendach mit stehender Stuhlkonstruktion ausgeführt.
Denkmalwert
Das Haus Nr. 292 ist ein herausragendes Zeugnis der Blütezeit der Stadt. Es vereint hochwertige Renaissancearchitektur, gut erhaltene historische Konstruktionen und hohe künstlerische Qualität. Zugleich ist es ein materielles Zeugnis der gesellschaftlichen Ambitionen der Bergbeamten des 16. Jahrhunderts.
Fotogalerie:
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