PATRIZIERHAUS NR. 146
Einleitung
Haus Nr. 146 stammt aus der Frühzeit der Stadt und ist spätestens in das Jahr 1555 zu datieren, was die Jahreszahl am Eingangsportal mit den Initialen HP – Hans Pock – bestätigt. Die erhaltenen originalen Renaissance-Dachstühle stellen eine außergewöhnliche Besonderheit dar.
Ihre Existenz zeigt, dass das Gebäude trotz seiner Lage als Reihenhaus selbst beim größten Stadtbrand von 1873 nicht vollständig ausbrannte. Wahrscheinlich erfüllten die vorhandenen Brandmauern ihre Funktion, indem sie den Dachraum von den Nachbarhäusern trennten und die Ausbreitung des Feuers verhinderten.
Beschreibung
Das Haus befindet sich in der linken Straßenfront (vom Blickpunkt der Kirche St. Joachim aus). Es handelt sich um ein zweigeschossiges Gebäude, dessen Satteldach mit der Traufseite zur Straße orientiert ist.
Die Fassade ist von zehn unregelmäßig angeordneten Fensterachsen durchbrochen. Im Erdgeschoss befinden sich das Eingangsportal und drei neuzeitliche Fensteröffnungen. Im Kern handelt es sich um ein gut erhaltenes Renaissancehaus mit zahlreichen originalen Bauelementen.
In der Durchfahrt zum Hof ist ein gotisch-renaissancezeitliches Gratgewölbe erhalten. Derselbe Gewölbetyp befindet sich auch im ersten Obergeschoss, dort jedoch von einer neuzeitlichen Flachdecke verdeckt. Im Erdgeschoss ist das Gratgewölbe im rechten Raum erhalten, während die linken Räume, in denen sich einst das Postamt befand, flache Decken aufweisen. Das Treppenhaus ist mit einem Tonnengewölbe überdeckt.
Portal
Das Portal gehört zum traditionellen Sitzbanktyp, ist jedoch in seiner Ausführung außergewöhnlich. Das profilierte Gewände des rechteckigen Eingangs mit halbkreisförmigem Abschluss weist eine breite Kehle und sich kreuzende Stäbe auf. Die Sitzkonsolen wurden bei späteren Umbauten abgeschlagen. Die Archivolte ist mit Rundstab und Hohlkehle profiliert.
Die Konsole ist mit Akanthus- und Kleeblättern verziert. In den Ecken des Portals befinden sich flache Reliefdarstellungen eines springenden Ziegenbocks sowie vegetabiler Motive. Das Gesims schließt mit einem Tympanon mit Rosetten ab. Im Feld des Aufsatzes befinden sich die Jahreszahl 1555 und die Initialen HP.
Bemerkenswert ist auch das Steinmetzzeichen an der linken Anlaufkonsole. Das Portal stammt von einem Steinmetz, der am Bau der Kirche St. Joachim tätig war – Jörg von Bamberg.
Hinterhaus
Vom Hinterhaus sind keine sichtbaren baulichen Reste erhalten. Seine Existenz belegen jedoch steinerne Kragsteine, auf denen einst eine Zugangsgalerie auflag.
Bauherr
Bauherr des Hauses war Hans Pock, in einigen Quellen auch Bock genannt, Gewerke mehrerer Jáchymover Gruben. In der Mitte des 16. Jahrhunderts versuchte er in der sogenannten Kozí-Stollen (auch Pock- oder Bock-Stollen genannt), das Grubenwerk mittels Blasebälgen zu belüften. Die Luft wurde durch hölzerne Leitungen in die Grube geführt, doch erwies sich dieses System als wenig effektiv und wurde bald aufgegeben.
Nutzung des Gebäudes
Im Jahr 1851 wurde das Haus von der Stadt übernommen und hier ein Postamt mit Telegraf eingerichtet. 1931 zog die Post in das Haus Nr. 139 um, und im selben Jahr nahm hier die Stadtsparkasse ihren Betrieb auf. 1952 wurde das Gebäude von den Jáchymover Bergwerken übernommen, die es 1965 an die geologische Erkundung übergaben. 1968 kehrte die Post zurück und blieb hier bis in die 1990er Jahre tätig.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov%2C_cislo_popisne_146/


