PATRIZIERHAUS NR. 143
Einleitung
Das Haus wurde in der Anfangszeit der Stadt errichtet. Bauherr und erster Eigentümer war Heinrich von Könneritz, eine der Schlüsselfiguren des frühen Jáchymov. Er bekleidete das Amt des Berghauptmanns sowie des obersten Münzmeisters und gehörte zu den Mitbegründern der Stadt. Bereits seine Funktion unterstreicht den repräsentativen Charakter des Hauses.
Beschreibung
Ursprünglich handelte es sich um ein zweigeschossiges Gebäude, wobei das zweite Obergeschoss in Fachwerk ausgeführt war. Heute ist das Haus eingeschossig und gehört zum sogenannten Winkeltyp. Ein Hoftrakt, der als verbindender Gang diente, verläuft rechtwinklig vom Vorderhaus und verband es mit dem typischen Hinterhaus. Der Hof war quadratisch angelegt und seitlich durch einen Verbindungstrakt oder eine Grenzmauer geschlossen. Das hintere, einflügelige Gebäude ist heute nur noch in Resten erhalten.
Die Straßenfassade ist im Obergeschoss in vier Fensterachsen gegliedert und wird von einem Satteldach abgeschlossen. Die Fenster sind halbkreisförmig abgeschlossen und mit plastischen Fensterbankgesimsen versehen. In den Innenräumen wurde zur Überwölbung der Räume eine Kombination aus Stern- und Netzmotiven verwendet, die in ein Zellengewölbe überführt ist.
Bauelemente
Neben dem Portal und den Fenstergewänden weist das Haus mehrere bemerkenswerte Bauelemente auf, die es zu einem der bedeutendsten historischen Gebäude der Stadt machen. Besonders hervorzuheben ist das Zellengewölbe, auch als Diamantgewölbe bezeichnet.
Diese Gewölbeform ist charakteristisch für die Spätgotik. Sie besteht aus einer Vielzahl kleiner Gewölbekappen ohne Rippen, die zusammen ein sternförmiges Muster bilden.
Ein weiteres interessantes Detail befindet sich am linken Erdgeschossfenster. Es handelt sich um eine steinerne Maske, die früher fälschlicherweise als Fassadenergänzung nach dem Wiederaufbau nach dem Brand von 1873 angesehen wurde. Im steinernen Gewände ist jedoch die stark beschädigte Inschrift „ANNO 17 …. 14 RENOV.“ eingemeißelt, die auf einen älteren Ursprung hinweist.
Ein unscheinbares, aber wertvolles Detail ist das Dachfenster des Vorderhauses zur Treppengasse hin. Dieses Fenster blieb unbeschädigt, vermutlich auch wegen der Enge der Gasse. Es ist mit Glaslinsen in Bleiverglasung ausgeführt.
Im Jahr 1984 wurde bei einer bauhistorischen Untersuchung unter dem Vordertrakt ein mittelalterlicher Stollen entdeckt.
Portal
Das spätgotische Nischenportal mit Sitzbänken besitzt einen spitzbogigen Ausschnitt mit abgeschrägtem, ausgekehltem Gewände. Die Kehle endet in einem Schild, der in konsolenartige Sitzbänke übergeht. Die Ädikula des Portals ist mit im Stuck angedeuteter Rustika gestaltet.
Geschichte
1910 befand sich im Haus eine Konditorei; damals wurde auch das rechte Fenster eingesetzt, das die ursprünglichen Öffnungen ersetzte. In den 1930er Jahren war hier das Café Weis ansässig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus in den Jahren 1949–1965 von den Jáchymover Bergwerken genutzt. Am 3. Mai 1958 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und am 18. Januar 1964 in das Verzeichnis der staatlichen Kulturdenkmäler eingetragen.
Bis 1979, als es zur erzwungenen Emigration kam, wohnte hier PhDr. Jan Urban. Seit diesem Zeitpunkt blieb das Haus unbewohnt. Bei einer Denkmalkontrolle wurde sein Zustand am 27. November 2013 als havariegefährdet eingestuft.
In den Jahren 2017 und 2018 erfolgte eine statische Sicherung des Hauses und der Giebelwand. Über der Decke des zweiten Obergeschosses wurden Sicherungsanker installiert.


