PATRIZIERHAUS NR. 134
Einleitung
Das Haus im oberen Teil des Náměstí Republiky stammt aus der Frühzeit der Stadt. Wie eine in dem Werk „Soupis památek historických a uměleckých v politickém okrese Jáchymovském“ aus dem Jahr 1913 von Schmidt reproduzierte Vedute belegt, handelte es sich ursprünglich um ein dreigeschossiges Gebäude. Das oberste Geschoss ging vermutlich beim großen Stadtbrand im März 1873 verloren.
Teilweise erhalten ist auch das sogenannte Hinterhaus mit einem Verbindungsgang. Dieser Gang erfüllte seine verbindende Funktion jedoch erst infolge späterer Umbauten. Ursprünglich handelte es sich wahrscheinlich um einen Hoftrakt des Vorderhauses, da Vorder- und Hinterhaus durch eine Laube im Niveau des ersten Obergeschosses verbunden waren.
Das Haus war auch aus rechtlicher Sicht bedeutend. Es besaß Braurecht und war zudem mit einem Bergwerksanteil von zehn Kuxen verbunden, wobei ein Bergwerk maximal 128 Kuxe umfassen konnte. In diesem Fall hatte der Anteil einen Wert von 810 Gulden und 24 Kreuzern. Diese Rechte waren an das Gebäude gebunden und gingen beim Verkauf automatisch auf den neuen Eigentümer über.
Geschichte
Der Bauherr ist unbekannt, ebenso sind bis 1621 keine Eigentümer nachweisbar. Wahrscheinlich erwarb Gregor Steinmüller das Haus bei seiner Ankunft in der Stadt; er wirkte nach 1621 als Münzmeister in Jáchymov. Die älteste tatsächlich belegte Eigentümerin ist jedoch seine Tochter Rosina, die spätestens im März 1647 als Besitzerin eingetragen ist.
Am 6. Januar 1696 kaufte der Nadler Christian Grimm das Haus von Christoph Öeser für 225 Gulden. Die Familie Grimm besaß das Gebäude bis 1810. Im Theresianischen Kataster ist es unter dem Stadtrat Felix Ignaz Grimm mit dem Vermerk „in schlechtem Zustand“ geführt. Die letzte Eigentümerin aus der Familie Grimm war Barbara, verheiratet mit Josef Peschka, die das Haus am 13. Mai 1810 für 3600 Gulden an Bernard und Johanna Schmidt verkaufte. Bernard Schmidt war Forstmeister und in den Jahren 1843–1844 sowie erneut 1845–1846 Bürgermeister.
1842 wird Alois Müller als Eigentümer genannt, der auch das benachbarte, heute abgebrochene Haus Nr. 135 besaß. Am 31. August 1850 beantragte Theresie Schmidt die Genehmigung zur Einrichtung eines vom übrigen Haus getrennten Ladens im Erdgeschoss, basierend auf einer Vereinbarung mit Alois Müller. Nach dem Stadtbrand vom 31. März 1873 ersuchte Alois Müller am 8. Juni 1873 den Stadtrat um die Genehmigung zum Wiederaufbau.
Im Frühjahr 1878 war der Maurermeister und Baumeister Franz Siegel Eigentümer, Vater von Karl Siegel, der kurz vor dem Stadtbrand die Lateinische Bibliothek auf dem Dachboden des Rathauses entdeckte. Siegel beabsichtigte den Umbau des Hinterhauses. Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, dass Müller das Gebäude nach dem Brand nur teilweise wiederhergestellt hatte. Der Kaufvertrag vom 29. Januar 1884 nennt Ignaz und Barbara Bayer als neue Eigentümer, die jeweils die Hälfte des Hauses besaßen.
Komplexere Eigentumsverhältnisse ergaben sich 1909. Am 13. Mai 1909 erwarben Anna Thum und Johann Baier jeweils ein Viertel des Hauses. Im Oktober 1931 ging die Hälfte des Hauses von Jan Baier auf Emil Thum über. Drei Jahre später übertrug Anna Thum ihre Hälfte auf Hertha Thum.
Dr. Alfred Thum aus Karlsbad beantragte am 26. Mai 1937 beim Stadtrat die Genehmigung zum Bau einer Waschküche im Hinterhaus sowie zur Teilung eines Zimmers im Obergeschoss des Vorderhauses durch eine Trennwand. Der letzte Umbau erfolgte auf Grundlage eines Antrags vom 25. November 1937, als nach Plänen des Maurermeisters Karl Haanl ein Geschäft errichtet wurde.
Zum 1. Oktober 1949 wurde das Haus auf Grundlage der Beneš-Dekrete konfisziert und am 28. Dezember 1949 Staatseigentum unter Verwaltung des Nationalausschusses in Jáchymov.
Hinterhaus
In Jáchymov war das Haus von der Straße aus nur als Teil einer Bebauung sichtbar, die aus Vorder- und Hinterhaus bestand. Während das Vorderhaus Wohn- und Repräsentationszwecken diente, befanden sich im Hinterhaus Wirtschaftsbereiche, Ställe und Lager. Von diesen Hinterhäusern sind heute meist nur Fragmente erhalten.
In diesem Fall ist der Rest des Hinterhauses bis zur Höhe des ersten Obergeschosses aus Bruchstein errichtet. Durch einen segmentbogig geschlossenen Eingang gelangt man in den Hof; mit dem Vorderhaus ist es durch einen Verbindungsgang verbunden, einen Rest des ehemaligen Hoftrakts. Beim Umbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Rest dieses renaissance-barocken Flügels vermauert, und das Hinterhaus diente anschließend eigenständig als Waschküche.
Hinterhäuser erfüllten in Jáchymov häufig auch eine stützende Funktion gegenüber dem Hang. In diesem Fall befinden sich jedoch mehrere Terrassenmauern zwischen Gebäude und oberer Straße, was auf die mögliche Existenz eines kleinen Gartens hindeutet.
Portal
Falls das Haus ursprünglich ein Portal besaß, wurde es bei späteren Umbauten entfernt. Der Eingang befand sich ursprünglich in der Mittelachse der Fassade, wurde jedoch gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach links verlegt, da im rechten Teil ein Laden mit eigenem Eingang eingerichtet wurde.
Beschreibung
Das Haus besteht – typisch für Jáchymov – aus einem Vorder- und einem Hinterhaus, die durch einen Verbindungsgang miteinander verbunden sind, von dem aus man den Innenhof erreicht. Die Hauptfassade ist mit der Traufseite zur Straße orientiert und besitzt drei Fensterachsen.
In der linken Erdgeschossachse befindet sich der Haupteingang mit barockem Gewände mit Ohren. Im Schlussstein steht die Inschrift IHS. Der Sturz ist segmentbogig ausgebildet, was eine sekundäre Anpassung darstellt. In der rechten Achse befindet sich ein durch eine Rolllade geschütztes Schaufenster sowie ein separater Eingang zum ehemaligen Geschäft.
Die Fassade ist mit Fensterrahmungen mit Segmentbögen, Eckrustika und Stuckbändern verziert. Durch den Verfall des Hauses wurde eine in Frakturschrift mit verzierten Majuskeln ausgeführte Inschrift freigelegt, die sich auf Ignaz Bayer, einen der Eigentümer, bezieht.
Danksagung
Bei der Ausarbeitung des Abschnitts Geschichte wurde die Arbeit der Miteigentümerin des Hauses verwendet, veröffentlicht auf Facebook unter dem Titel „Měšťanský dům, Náměstí republiky 134 v Jáchymově“. Die bauhistorische Untersuchung erstellte Jakub Chaloupka, die Archivforschung Daniela Prekop Staňková und die Bilddokumentation Filip Prekop.
Seite des Hauses: https://www.facebook.com/Jachymov134


