PATRIZIERHAUS – MINCOVNÍ 33
Einleitung
Das Patrizierhaus Nr. 33 in der Mincovní-Straße ist in seiner Gestalt vom Ende des 19. Jahrhunderts überliefert, verbirgt jedoch einen ausgeprägten Renaissancekern mit Resten einer Befestigungsanlage aus dem frühen 16. Jahrhundert und einem Fundstollen aus dem Jahr 1517. Das Gebäude gehörte zu den sogenannten brauberechtigten Häusern, das heißt, es besaß das Recht, Bier zu brauen und auszuschenken, was seine bedeutende Stellung innerhalb der Stadt unterstreicht.
Bei der Ausarbeitung der historischen Angaben wurden auch Informationen berücksichtigt, die freundlicherweise vom heutigen Eigentümer, Herrn Pinc, zur Verfügung gestellt wurden.
Beschreibung
Es handelt sich um ein breites, eingeschossiges Gebäude in barocker bis klassizistischer Erscheinung. Die Straßenfassade ist im Obergeschoss in sieben Fensterachsen gegliedert und wird durch ein einfaches spätbarockes Eingangsportal ergänzt. Das Dach ist mit sieben Dachgauben versehen.
Bauelemente
Im Inneren sind zahlreiche Renaissance-Bauelemente erhalten geblieben. Besonders markant sind die in der Mauermasse geführten Bogenkonstruktionen, eine Renaissance-Treppe im Mauerwerk sowie der Bogen der ursprünglichen Wageneinfahrt, die 1947 zugemauert wurde.
Das bedeutendste Element ist die ursprüngliche Befestigung des Fundstollens, die im Baukörper weitgehend erhalten ist, einschließlich einer Schießscharte, die heute als inneres Fenster dient.
Geschichte und Eigentümer
Die älteste Erwähnung des Hauses stammt aus dem Jahr 1539, als es nach dem Stadtbrand von 1538 Georg Pibenn (Pieben) gehörte. Ein weiterer Eigentümer war Leonard Kempen, der das Haus 1565 an Caspar Frank verkaufte. Der nächste Eintrag stammt aus dem Jahr 1637, als Wolf Topfer und Abraham Friedrich, ein königlicher Münzmeister, als Eigentümer genannt werden. Abrahams Sohn Salomon verkaufte das Haus gemeinsam mit seinem Onkel Hans Veit an Daniel Crouczsche.
1660 erwarb Christoph Becken das Haus, und seine Familie besaß es bis 1745, als Andreas Becken verstarb. Während der Besitzzeit der Familie Becken erfolgte der barocke Umbau des Gebäudes. 1782 übergab Anna Dorothea Müller das Haus an Johann Christoph Müller, der als Syndikus tätig war, also als vereidigter Stadtschreiber in einer Stadt mit Hochgerichtsbarkeit.
1798 wurde das Haus bei einer Versteigerung für 1000 Gulden von Rosalie Braun, geborene Nedwidková, erworben. Zum Haus gehörte damals auch ein halbes Schürfrecht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass hier eine Gastwirtschaft betrieben wurde, was dem Braurecht entsprechen würde.
Beim großen Stadtbrand am 31. März 1873 brannte das Haus nieder. Die Pläne für den Wiederaufbau wurden von Ferdinand Fischer aus Nová Role ausgearbeitet, Bauherr war Joseph Seidl.
1945 wird Dr. Baumgartl als Eigentümer genannt; das Haus wurde ihm auf Grundlage der Dekrete des Präsidenten der Republik enteignet. 1947 wurde es den Jáchymover Uranbergwerken zur Nutzung übergeben. In diesem Jahr erfolgte auch ein Umbau, bei dem die Schwarzküche im Erdgeschoss beseitigt, die Wageneinfahrt zugemauert und die Fassade in axiale Symmetrie gebracht wurde.
Nach 1989 setzte ein rascher Verfall ein, verstärkt durch das Verhalten von Mietern, Vandalen und Metallsammlern. Obwohl 1992 noch eine umstrittene Maßnahme in Form eines Radonschutzes durchgeführt wurde, verschlechterte sich der Zustand weiter.
1995 erwarb die Familie Pinc das Haus und begann mit einer schrittweisen Restaurierung, die bis heute andauert. Im Rahmen der Arbeiten wurden sämtliche Holzkonstruktionen erneuert, die Keller zugänglich gemacht sowie der Fundstollen gereinigt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Gebäude wurde zudem unter Denkmalschutz gestellt. Zu den jüngsten Aktivitäten zählt die Eröffnung des Cafés Café 1516 im Erdgeschoss.
Stollen
Der Fundstollen aus den Jahren 1517–1520 folgt einem Nebenast der Erzader Geschieber, auch Stella genannt. Die ursprüngliche Sicherungsbefestigung ist heute Teil des Hauskerns, einschließlich eines Schießschartenfensters. Der Stollen bildet zugleich den Anfang der Kellerbereiche.
Einzigartig ist der erhaltene Rest einer Schwerkraft-Wasserleitung aus dem 16. Jahrhundert, die innerhalb der Tschechischen Republik ein außergewöhnliches technisches Denkmal darstellt.
1992 wurden die Zugänge zu den Kellern und damit auch zum Stollen im Rahmen von Radonschutzmaßnahmen zugemauert. Diese Eingriffe verschlechterten jedoch die Situation. Die Vermauerungen veränderten die hydrologischen Verhältnisse, Wasser staute sich hinter den Betonabschlüssen und drang in das Mauerwerk ein. Gleichzeitig wurde die natürliche Belüftung unterbunden, wodurch die Radonkonzentration paradoxerweise anstieg.
Schwerkraft-Wasserleitung
Während des Vortriebs des Stollens stießen die Bergleute auf eine Kluftquelle. Das Wasser floss zunächst außerhalb des Grubenbaus ab, doch nach der Errichtung des Hauses am Stollenmund musste das Problem gelöst werden. Die Quelle wurde im Stollen mittels hölzerner Rinnen und Leitungen gefasst und in die Kellerbereiche des Hauses geführt, wo sie eine etwa zwei Tonnen schwere Granitwanne aus einem einzigen Steinblock speiste.
Der Überlauf dieser Wanne wurde durch hölzerne Leitungen durch das Haus in das Abwassersystem geführt.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Stola_v_dome_Pincovych/


