MÜNZMEISTERHAUS
Geschichte
Das Haus wurde in den Jahren 1534–1536 als repräsentativer Sitz der schlickschen Münzmeister errichtet. Später diente es demselben Zweck den königlichen Münzmeistern. In der Barockzeit wurde das Innere teilweise umgebaut, doch die typische Disposition blieb erhalten.
Das Gebäude brannte mehrfach, unter anderem am 23. Juli 1782 und am 31. März 1873. Keiner dieser großen Brände konnte es jedoch vollständig zerstören. Es verbrannten lediglich Dach, Dachstuhl und hölzerne Anbauten, während die steinernen Konstruktionen standhielten. Nach dem letzten Brand wurde das Haus wiederhergestellt; das Abnahmeprotokoll vom 3. November 1874 bestätigt, dass der Wiederaufbau in ursprünglicher Disposition erfolgte.
1977 ging das Gebäude in das Eigentum der Stadt Jáchymov über. Bereits damals war es stark vernachlässigt, da seit 1945 praktisch keine Instandhaltung mehr erfolgt war. Innerhalb der folgenden sechs Jahre verschlechterte sich der Zustand dramatisch: Decken stürzten ein, und es bestand Einsturzgefahr. Bedingung für den Abriss war die Sicherung des Portals, der Renaissance-Fenstergewände, von Fragmenten der Renaissance-Decken sowie weiterer während der Demontage entdeckter Elemente.
Beschreibung
Das zweigeschossige Eckgebäude mit einem fünfeckigen turmartigen Anbau grenzte unmittelbar an das Münzgebäude. Beide Bauten waren so verbunden, dass der Münzmeister direkt in die Münze gelangen konnte. Aufgrund des abschüssigen Geländes befanden sich die Durchgänge auf unterschiedlichen Ebenen: Vom Münzmeisterhaus trat man im Erdgeschoss aus, während man die Münze im ersten Obergeschoss betrat. Eine weitere Verbindung bestand über eine hölzerne Laube.
Die Fassade mit sieben Fensterachsen und einem gotisch-renaissancezeitlichen Portal war schlicht und wurde von einem mit Schiefer gedeckten Satteldach abgeschlossen. Die Erdgeschossfenster besaßen originale Renaissance-Gewände, die beim Abriss ausgebaut und angeblich fachgerecht eingelagert wurden; ihre Fragmente befinden sich heute im Lapidarium des Museums. Jedes Gewände bestand aus sieben behauenen Steinteilen.
Der Eingangsflur war mit einem Gratgewölbe versehen. Die halbsäulenartige Treppe ins Obergeschoss mit profiliertem steinernem Handlauf war von einem ansteigenden Tonnengewölbe mit Lunetten überdeckt.
Die Räume im Erd- und Obergeschoss waren entweder tonnengewölbt oder überwiegend mit Flachdecken mit Hohlkehlen und barocken Stuckspiegeln versehen. Während des Abbruchs wurden originale Renaissance-Balkendecken entdeckt, die jedoch durch Feuchtigkeit und holzzerstörende Pilze zerstört waren. Die Balken waren gotisch profiliert, die Bretter trugen Malereien mit floralen Motiven und Cherubinen.
Der Hauptsaal befand sich in der Mitte des ersten Obergeschosses und war mit klassizistischer Ausmalung sowie illusionistischen Eierstabfriesen geschmückt. Die flache Decke mit barockem Stuckspiegel überdeckte die ursprüngliche bemalte gotisch-renaissancezeitliche Balkendecke.
Portal
Das steinerne Portal sächsischen Typs aus der Werkstatt Jörg von Bambergs bestand aus zwanzig Teilen. Es handelte sich um ein Renaissanceportal mit spätgotischen Elementen und zählte zu den ältesten Steinmetzarbeiten auf dem Gebiet der Stadt. In seiner Ausführung war es dem Portal des Hauses Nr. 8 sowie dem ebenfalls abgebrochenen Haus Nr. 112 in der Mathesiova-Straße verwandt.
Das reich profilierte Gewände war halbkreisförmig geschlossen. Die Ädikula bestand aus Stäben und Kehlen, das Kranzgesims wurde von sechs Konsolen getragen.
Obwohl das Portal vor dem Abriss ausgebaut und wegen seines historischen Wertes eingelagert wurde, blieben nur beschädigte Reste erhalten, die heute im Lapidarium des Museums in Jáchymov ausgestellt sind.
Keller
Die bis heute erhaltenen Keller stammen aus der Blütezeit der Stadt und sind Teil der Ausstellung des Jáchymover Museums. Sie bestehen aus vier Räumen aus Bruchstein mit Tonnengewölben. Ein Teil des ursprünglichen Steinbodens ist erhalten. Der ursprüngliche Treppenaufgang ins Obergeschoss ist nach dem Abriss des Gebäudes vermauert.
Die ersten Münzmeister
Das Münzmeisterhaus entstand während der Amtszeit des ersten Münzmeisters Ulrich Gebhart, der aus Schneeberg oder Zwickau stammte. In Jáchymov ließ sich auch sein Bruder Erasmus nieder. Bevor er Münzmeister wurde, arbeitete er als Goldschmied und verwendete als Zeichen einen Halbmond unter einem Kreuz.
Vor seiner Tätigkeit in Jáchymov war er Münzmeister in Leipzig und überwachte die Münzqualität am Hof der sächsischen Kurfürsten. Obwohl er 1519 in Leipzig ein Haus kaufte, trat er noch im selben Jahr in die Dienste der Schlik ein und übersiedelte nach Jáchymov, wo er mit der Einrichtung der Münze beauftragt wurde. Er entwarf die ersten Taler, Halb- und Vierteltaler.
In den Jahren 1522–1526 wirkte er erneut in Leipzig. 1526 kehrte er nach Jáchymov zurück und diente als Münzmeister sowohl den Schlik als auch Ferdinand I. von Habsburg. Er ist der Schöpfer der Totenmedaille für Stephan Schlik sowie aller Jáchymover Münzen bis 1530. In diesem Jahr kehrte er nach Leipzig zurück; 1532 verliert sich dort seine Spur, sein weiteres Schicksal und sein Sterbeort sind unbekannt.
Ein weiterer bedeutender Münzmeister, der als erster dauerhaft im Münzmeisterhaus wohnte, war Ruprecht Pullacher, der das Amt des Münzmeisters und Zehnteneinnehmers in den Jahren 1544–1563 ausübte.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov%2C_Dum_c.p._38_-_Dum_mincmistru/


