HAUS NR. 8 – SCHLIK-HAUS
Geschichte
Der Bau des Hauses wird direkt dem Mitbegründer der Stadt, Stephan Schlik, zugeschrieben. Es ist bereits im Jahr 1520 belegt. Wahrscheinlich wurde es damals im spätgotischen Stil mit einem Fachwerkobergeschoss errichtet.
Beim großen Stadtbrand von 1538 brannte es erstmals aus und wurde anschließend im Renaissancestil umgebaut. Beim verheerenden Brand vom 31. März 1873 brannte zwar das Dach ab, doch die Flammen drangen nicht in das Innere ein, was die erhaltenen Holzbalkendecken belegen. Der Kern des Hauses blieb dank zeitgenössischer Brandschutzmaßnahmen erhalten – die Holzkonstruktionen waren mit einer dicken Lehmschicht überzogen und auf dem Dachboden wurden Ziegelplatten (sog. Půdovky) verwendet.
Bei späteren Umbauten wurde das ursprüngliche Renaissance-Kranzgesims durch ein neues ersetzt, teilweise jedoch erhalten. Auch die Hoffassade wurde im Zusammenhang mit Veränderungen der Hofbebauung, insbesondere des rückwärtigen Hauses, das Kellerbereiche ersetzte, umgestaltet.
1981 brach im benachbarten Haus Nr. 9 ein Brand aus. Die Flammen sprangen über die schmale Treppengasse (Soutka), die den Platz mit der Mincovní-Straße verbindet, auf das Dach von Haus Nr. 8 über. Dieses brannte vollständig ab, diesmal leider auch mit den Decken des ersten Obergeschosses. Zwar wurde ein provisorisches Dach aus Faserzementplatten errichtet, doch eine umfassende Sanierung erfolgte nicht. Seitdem verfällt das Gebäude.
Der Verfall wurde zusätzlich durch den Diebstahl metallener Dachabdeckungen beschleunigt, wodurch Regenwasser ungehindert eindringen konnte. Fenster- und Türöffnungen blieben lange Zeit offen, sodass das Haus dauerhaft Witterungseinflüssen ausgesetzt war.
Portal
Das steinerne Portal sächsischen Typs stammt aus der Werkstatt von Jörg von Bamberg. Es handelt sich um ein Renaissanceportal mit spätgotischen Elementen und gehört zu den ältesten Steinmetzarbeiten der Stadt. In seiner Ausführung ist es verwandt mit dem Portal des Münzmeisterhauses (heute nur noch fragmentarisch im Lapidarium des Museums erhalten) sowie mit dem Portal des ebenfalls abgerissenen Hauses Nr. 112 in der Mathesiova-Straße.
Das reich profilierte Türgewände ist halbkreisförmig geschlossen. Über dem Eingang befindet sich ein doppeltes Oberlicht mit durchgeflochtenem Gitter – eine für Jáchymov typische Besonderheit, da andernorts meist nur ein einfaches Oberlicht verwendet wurde.
Seitlich stehen profilierte Halbsäulen, die das vorkragende Gesims tragen, welches zusätzlich von sechs Konsolen gestützt wird.
Beschreibung
Das Haus besitzt zwei oberirdische Geschosse und ist mit der Traufseite zur Straße orientiert. Die Straßenfassade besteht aus vier Achsen gekuppelter Fenster. In der dritten Achse von links befindet sich das Eingangsportal. In der rechten äußeren Achse sind nach dem Abfallen des Putzes Reste eines weiteren, vermutlich barocken Portals sichtbar. Die Fensteröffnungen sind heute modern verändert.
Im ersten Obergeschoss sind in den ersten drei Achsen von links originale Renaissance-Gewände mit sich überschneidenden Stäben erhalten. Das gekuppelte Fenster in der rechten Achse ist modern umgestaltet.
An der Hoffassade sind ein ursprünglicher Türdurchgang mit Segmentbogen sowie drei Fensteröffnungen erhalten – eines im Erdgeschoss und zwei im Obergeschoss. Original ist auch ein kleines vergittertes Fenster zur Kammer unter der Treppe sowie ein weiteres vergittertes Fenster am Treppenpodest. Im Giebel befindet sich ein ursprüngliches halbkreisförmiges Fenster sowie ein modernes gekuppeltes Fenster.
Das rückwärtige Haus war durch seitliche Flügel mit Fachwerkobergeschoss mit dem Haupthaus verbunden. Dieser Teil ist jedoch durch Selbstzerstörung verloren gegangen; vom Hinterhaus ist heute nur noch das tonnengewölbte Kellererdgeschoss erhalten.
Innenraum
Die gotisch gewölbte Durchfahrt weist statische Schäden auf; dabei wurden Teile der Renaissance-Malerei freigelegt.
In den Erdgeschossräumen sind Renaissance-Schnitzbalkendecken erhalten, die derzeit notdürftig durch hölzerne Stützen gesichert werden. Eine der Decken ist von einer barocken Rohrdecke mit Malerei überdeckt, die sich infolge eindringender Feuchtigkeit ebenfalls zersetzt.
Auch die Fachwerktrennwände sind von fortschreitender Zerstörung betroffen. Das Renaissance-Steingeländer der Treppe ist im oberen Teil irreversibel beschädigt. Die ursprüngliche Treppe zum Dachboden ist mit einem Gratgewölbe überdeckt.
Im ersten Obergeschoss wurden in mehreren Räumen Renaissancefresken freigelegt (u. a. mit Darstellungen eines Kaufmanns, eines Hahns und weiterer Motive). Diese wurden provisorisch mit Textilgewebe fixiert, das inzwischen seine Schutzfunktion verloren hat, wodurch eine fortschreitende Degradierung der Malereien eintritt.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Dum_c.p._8/


