HAUS NR. 133
Einleitung
Beim Verfassen dieses Artikels wurde auf Informationen des Eigentümers Martin Hruška zurückgegriffen, der das Gebäude mit dem Ziel erworben hat, es zu retten und zu zeigen, dass eine fachgerechte Restaurierung auch bei stark beschädigten historischen Häusern möglich ist. Die Rekonstruktion erfolgt im ursprünglichen Geist, einschließlich der Installation exakter Repliken renaissancezeitlicher Balken-Bohlen-Decken.
Das Haus stammt aus der Frühzeit der Stadt. Die Bedeutung seines Bauherrn wird bereits durch die Lage deutlich – direkt gegenüber dem ehemaligen Bürgerhaus der Schlik mit Münzstätte (später Rathaus und eigenständiges Münzgebäude) sowie in unmittelbarer Nähe der Dekanatskirche St. Joachim, also im heute baugeschichtlich und historisch wertvollsten Teil der Stadt.
Das Gebäude ist mit einem gotischen Keller unterkellert, der auf einem zentralen tragenden Pfeiler – dem sogenannten „Mönch“ – ruht. Besonders wertvoll ist die erhaltene räumliche Struktur mit zahlreichen älteren gotischen Elementen. Gotisch ist auch das Sitzbank-Portal mit Stabwerk aus der Werkstatt Jörgs von Bamberg, das jedoch im Laufe der Zeit beschädigt und unfachmännisch überwölbt wurde.
Das Haus ist mit der Traufseite seines Satteldaches mit acht Gauben zur Straße orientiert. Der Eigentümer stellte auch sekundär zugemauerte Lüftungsfenster wieder her. Die Hauptfassade ist im Obergeschoss durch acht Fensterachsen gegliedert.
Eigentümer
Der erste nachweisbare Eigentümer war Jacob Geusen, der das Haus am 13. Juni 1551 erwarb. Seit 1545 besaß er auch das benachbarte Haus Nr. 134. Geusen war Mathematiker, Mitglied des Stadtrates und Bevollmächtigter für eheliche Angelegenheiten. Im Jahr 1552 führte er in Jáchymov die Nutzung einer wasserbetriebenen Säge ein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war er jedoch nicht der Bauherr, da er im Lehnsbuch als Kaufmann geführt wird.
Nach ihm erbte Jacob Geusen der Jüngere beide Häuser, verkaufte sie jedoch am 10. Februar 1575 für 300 Gulden an Hermann Schmidt.
Weitere Eigentümer sind erst wieder zum 6. Januar 1696 belegt, als Petr Möhling als Besitzer genannt wird. Laut dem Theresianischen Kataster von 1713 war die Witwe Franziska Möhling Eigentümerin, die als Gewerkin (Besitzerin eines Grubenanteils) geführt wird. Der Zustand des Hauses wurde als gut bewertet und auf 100 Gulden geschätzt.
Zwischen 1770 und 1810 entstand in Jáchymov ein Häuserverzeichnis nach Konskriptionsnummern. Zunächst wird Franziska Möhling genannt, später ist ihr Name gestrichen und der Fleischer Florián Scharf eingetragen. Es folgen dessen Sohn Florian Scharf, Ignaz Tippmann sowie Anton Goller mit seinem Sohn Johann. Eine Darstellung aus dieser Zeit zeigt das Haus als vollständig gemauerten, eingeschossigen Bau mit Satteldach, zur Straße mit der Traufseite orientiert – also in einer dem heutigen Zustand ähnlichen Form.
Im Josephinischen Kataster von 1785 ist das Haus unter der ältesten Nummer 19 eingetragen, mit einem Garten von 6 Klafter Länge und 4 Klafter Breite.
Am 20. Juli 1801 erbten Barbara Beck, geborene Hofmann, und ihr Ehemann Johann Beck das Haus. Johann Beck übertrug auf das Gebäude das Braurecht, das er am 21. Mai 1817 für 118 Gulden erworben hatte. Dieses Recht war an das Gebäude gebunden, nicht an die Person.
Am 9. Januar 1836 übergaben Barbara und Johann Beck das Haus ihrem volljährigen Sohn Ludwig Beck. Der Vertrag gewährte den Eltern ein lebenslanges Wohnrecht im ersten Stock sowie in einem Zimmer des Erdgeschosses. Gleichzeitig wurden Garten, Grubenanteil, Scheune, Felder und Wiesen übertragen – mit einem Gesamtwert von 3100 Gulden. In diesem Zusammenhang erhielt das Haus seine heutige Nummer 133.
Am 23. Dezember 1846 verkaufte Ludwig Beck die Hälfte des Braurechts an Johann Tauscher, wodurch dieser Miteigentümer des Hauses wurde.
Beim Stadtbrand am 31. März 1873 brannte das Haus aus. Der Wiederaufbau erfolgte unmittelbar danach unter Nutzung der erhaltenen Mauern. Ein Protokoll von 1874 hält fest, dass die Treppen in das Obergeschoss und den Dachraum aus Holz bestanden. Im Erdgeschoss befanden sich ein gewölbter Ladenraum (Kvelb), ein Schankraum, ein Wohnraum und eine Küche; im Obergeschoss zwei Wohnräume und ein Tanzsaal.
Nach weiteren Eigentumswechseln und der Zeit der staatlichen Verwaltung nach 1945 ging das Gebäude in Staatsbesitz über. 1967 wurde im Erdgeschoss ein Gelände-Labor zur Aufbereitung geologischer Proben eingerichtet, wobei historische Bauteile unsachgemäß beschädigt wurden.
Nach 1989 befand sich im Erdgeschoss ein Restaurant, in dessen Zuge das Portal unfachmännisch verändert wurde, indem der Stabbogen durch einen pseudogotischen Spitzbogen ersetzt wurde.
Im Herbst 2014 erwarben Martin Hruška und Gabriela Šístková das Haus und begannen sofort mit einer umfassenden Restaurierung. 2017 wurde ein neues Dach einschließlich Dachstuhl fertiggestellt, und das Gebäude wurde in die Liste der Kulturdenkmäler eingetragen. Derzeit werden exakte Repliken der renaissancezeitlichen Balkendecken hergestellt und eingebaut.
Hausseite: https://www.cp-133-jachymov.cz/
Fotogalerie 1: https://www.palfi.cz/fotoalbum/ruzni-autori/hruska-martin/
Fotogalerie 2: https://www.rajce.idnes.cz/mipalfi/album/dum-c-p-133-jachymov/


