HAUS NR. 12
Einleitung
Haus Nr. 12 gehört zu den wenigen authentisch erhaltenen und vollständig gemauerten zweigeschossigen Gebäuden aus der Anfangszeit von Jáchymov. Die überwiegende Mehrheit der Häuser besaß ein Fachwerkobergeschoss oder überhaupt kein zweites Stockwerk. Das Gebäude stellt somit ein außerordentlich wertvolles Zeugnis der frühen Bauphase der Stadt dar, in der sich spätgotische und renaissancezeitliche Elemente überlagern.
Paradoxerweise trug gerade der allmähliche Verfall des Hauses dazu bei, seinen wahren historischen Wert sichtbar zu machen. Durch eindringendes Wasser infolge offener Fensteröffnungen und beschädigter Dachreste wurden im Hauptsaal des ersten und zweiten Obergeschosses originale Renaissanceputze mit figürlicher Malerei freigelegt.
Bauelemente
Aus der Bauzeit des Hauses sind das Eingangsportal, die Renaissance-Fenstergewände, ein aus Stein gehauenes Treppengeländer mit übergreifendem Gewölbe zum ersten Obergeschoss sowie vor allem die Gewölbe erhalten geblieben. Im Erdgeschoss befinden sich spätgotische Kreuzgratgewölbe.
Außergewöhnlich ist das kreisförmig geführte Rippengewölbe im Saal des ersten Obergeschosses, dessen Rippen in der Mitte in einem Schlussstein zusammenlaufen. Die Verwendung dieses Gewölbetyps in einem Patrizierhaus ist nicht nur in Jáchymov, sondern im gesamten Land einzigartig. Vergleichbare Konstruktionen finden sich etwa an der Reitertreppe und der Wendeltreppe des Vladislav-Saales auf der Prager Burg, im Vladislav-Saal selbst oder bei bedeutenden Kirchenbauten wie der St.-Barbara-Kirche in Kutná Hora und der St.-Nikolaus-Kirche in Louny. Solche Gewölbe waren repräsentativen Bauwerken vorbehalten, die Macht und Reichtum symbolisierten.
Aus der Frühzeit der Stadt war auch das sogenannte Hinterhaus erhalten, das mit dem Hauptgebäude durch einen überdachten Laubengang verbunden war. Es handelte sich um ein ein- oder höchstens zweigeschossiges Gebäude.
Beschreibung
In Richtung der Kirche St. Joachim befindet sich das Haus auf der linken Seite des Platzes und ist mit der Traufseite zum Platz orientiert. Die Fassade ist in den Obergeschossen durch drei gekoppelte Fenster gegliedert. Diese Anpassung stammt aus den späten 1970er Jahren, da sich ursprünglich in der Mittelachse des ersten Obergeschosses ein Balkon befand.
Grundrisslich handelt es sich um eine Kombination aus einem tiefen Dreitrakt und einem querstehenden Zweitrakt, wobei der mittlere Längstrakt als Durchgang dient.
Das Erdgeschoss ist ebenfalls dreiachsig mit einem mittig angeordneten Eingangsportal, das über eine Treppe erreicht wird. In den seitlichen Achsen befinden sich sogenannte Ladenfenster mit neorenaissancezeitlicher Rahmung, die nahezu die gesamte Fläche der Straßenwand einnehmen.
Nach dem Brand von 1873 wurde die Fassade im Stil der Neorenaissance umgestaltet. Es entstanden Stuckquaderungen im Erdgeschoss, Rustika, Pilaster sowie verzierte Brüstungen mit Medaillons. Den Abschluss bildet ein Kranzgesims mit dekorativen Konsolen.
Portal
Das Renaissance-Sitzportal besitzt einen halbkreisförmigen Abschluss und profilierte Gewände. Nach dem Brand von 1873 wurde über dem profilierten Gesims ein neorenaissancezeitlicher Aufsatz mit Akroterien ergänzt.
Hinterhaus
Hinterhäuser sind ein typisches Merkmal der Bebauung in Jáchymov. Während das Vorderhaus repräsentativen und Wohnzwecken diente, erfüllte das Hinterhaus wirtschaftliche Funktionen und war meist über einem in den Hang gegrabenen Keller errichtet.
In diesem Fall wurde das Hinterhaus vermutlich über dem Ausmündungsbereich eines Stollens errichtet, zu dem der Zugang vom Keller aus führte. Noch 1970 stand das zweigeschossige Hinterhaus und war mit dem Hauptgebäude durch einen überdachten Laubengang entlang der Brandmauer zwischen den Häusern Nr. 12 und 11 verbunden. In den folgenden fünfzehn Jahren wurde es jedoch entfernt, sodass 1985 nur noch Reste von Treppen, Hangterrassen und des Kellers vorhanden waren. In diesem Zeitraum kam es auch zur Selbstzerstörung der Mauer, die den Keller vom Stollen trennte.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov%2C_Patricijsky_dum_c.p._12/


