RATHAUS
Das Schlik-Haus und die Anfänge der Münzprägung
Als das ursprüngliche Rathaus am Brottmarkt (heute Slovany) den rasch wachsenden Anforderungen der Stadt nicht mehr genügte, suchte der Stadtrat nach einem neuen repräsentativen Sitz. Die Wahl fiel auf das erste Haus in der Straßenreihe, das Hieronymus Schlik gehörte. Dieses Gebäude mit bemalter Fassade zählte zu den vornehmsten Häusern der jungen Bergstadt.
Errichtet wurde es zwischen 1520 und 1528 durch Hans Alpeck. Später erwarb es der Bergmeister Gregor Hirsch, bevor es 1528 für 1.100 rheinische Gulden in den Besitz von Lorenz Schlik überging, der es seinem Bruder Hieronymus schenkte. Nach der Verleihung des Münzregals richteten die Schliks im rückwärtigen Teil die sogenannte Alte Münze ein. Deren Relikte befinden sich heute jenseits der Münzgasse.
Später entstand auf dem Nachbargrundstück eine neue Münzstätte, während die Alte Münze nur noch als Hinterhaus des Schlik-Palais diente. Im Jahr 1531 kaufte die Stadt das Gebäude für 2.000 Gulden – ein Beleg sowohl für den Wert des Hauses als auch für den Reichtum St. Joachimsthals.
Ursprüngliche Disposition
Baulich handelte es sich um einen querliegenden Zweiflügelbau mit einem Eingang in der Mitte der Südachse (heute Eingang zum Informationszentrum). Dahinter befand sich eine Halle mit gratigem Kreuzgewölbe, gefolgt von einer schwarzen Küche und einem Vorratsraum (Kellergewölbe). Der rückwärtige, teilweise ins Gelände eingelassene Bereich diente als Lager und war tonnengewölbt. Die ursprüngliche Treppe ins Obergeschoss ist nicht erhalten.
Umbau nach dem Brand von 1538
1538 brach in der Münze ein Brand aus, der auch das Rathaus beschädigte. Beim Wiederaufbau zwischen 1540 und 1544 wurde das Gebäude von der Münze getrennt und erheblich erweitert. Es entstand ein dreiflügeliger Bau mit Turm – der Grundriss, der im Wesentlichen bis heute besteht.
Das ursprüngliche Schlik-Haus erhielt ein Satteldach mit reich geschmücktem Giebel zum Marktplatz. Auch der neue Nordflügel war entsprechend ausgerichtet. In der Mitte des Quertraktes wurde ein Turm mit doppelter Haube errichtet, in dem sich eine Glocke, eine Laterne und die Wohnung des Türmers befanden. Zahlreiche spätgotische und frührenaissancezeitliche Gewölbe sowie steinerne Bauelemente blieben erhalten. Die Gestalt des Rathauses ist auf der Bergkarte von 1593 und einer Karte von 1720 dargestellt.
Funktionale Gliederung
Im Mitteltrakt entstand eine Kaufhalle, die vom Marktplatz aus durch eine Torfahrt mit Portal zugänglich war. Bestandteil war auch ein Portal-Schaufenster mit Brüstung und Oberlicht, das heute zugemauert ist.
Im Untergeschoss des Nordflügels wurde eine Schenke eingerichtet, die mit vier Kreuzgewölbefeldern auf einem Mittelpfeiler überwölbt war. Daran schlossen sich eine Rauchküche sowie Bier- und Weinkeller an. Über der Schenke befanden sich der Ratssaal, die Kanzlei des Stadtschreibers und das Stadtarchiv.
Im Obergeschoss des Mitteltraktes lag der Gerichtssaal mit Klostergewölbe. Zwischen diesem Saal und dem Turm befand sich die Stadtkasse, durch einen mächtigen Bogen getrennt und tonnengewölbt.
Brand von 1782 und barocker Umbau
Am 23. Juli 1782 brach in der Münze ein Großbrand aus, der auch das Rathaus erfasste. Der Entwurf des Prager Baumeisters Philipp Heger wurde aus Kostengründen verworfen. Der Wiederaufbau erfolgte 1783–1784 nach Plänen von Anton Bernt aus Kaaden.
Die Dächer wurden in ein einheitliches Walmdach zusammengefasst, die Turmspitze vereinfacht und mit einem niedrigen Notdach versehen. Im Schlik-Flügel wurden Gefängniszellen eingebaut, deren Zwischenwände die ursprünglichen Renaissancegewölbe durchtrennten.
Umbauten im 19. Jahrhundert und Entdeckung der Lateinischen Bibliothek
1869–1870 wurde die Schieferdacheindeckung durch Ziegel ersetzt. 1871 erhielt der Turm durch den Stadtbaumeister Franz Siegl ein romantisierendes Zinnenkranz. Während dieser Arbeiten entdeckte sein Sohn Karl auf dem Dachboden des Schlik-Flügels die verschollene Lateinische Bibliothek. Dieser Zufallsfund rettete die Bücher, denn 1873 brannte das Rathaus erneut mit der Stadt ab.
Umbau 1901–1902
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genügte das Gebäude den Anforderungen nicht mehr. Die Pläne erstellte Johann Benesch aus Aussig, umgesetzt wurden sie von Rudolf Hammerschmiedt.
Das ursprüngliche Schlik-Haus blieb in seiner Höhe erhalten und bewahrte seine charakteristische Rundbogenfries. Die beiden anderen Flügel wurden um ein Geschoss erhöht und mit pseudorenaissancezeitlichen Stufengiebeln versehen, gegliedert durch gotisierende Pfeiler und dekorative Giebelaufsätze. Der Turm erhielt einen Umgang und eine neue Zwiebelhaube. Aufgrund statischer Probleme mussten massive Stützpfeiler nach Plänen von Franz Rehn errichtet werden.
Seit 1934 war hier der politische und gerichtliche Bezirk untergebracht.
Gegenwart
Erhalten ist das reich profilierte Portal sächsischen Typs. Darüber befindet sich das Stadtwappen mit den Heiligen Joachim und Anna als Schildhaltern. Rechts davon erinnert eine Gedenktafel an Johannes Mathesius.
Heute beherbergt das Gebäude das Stadtamt Jáchymov, das Informationszentrum mit Ausstellung der Lateinischen Bibliothek sowie die Stadtbibliothek.
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Fotogalerie der Keller: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Sklepy_radnice/


