RADIUM-PALACE-HOTEL
Einleitung
An der Stelle des heutigen Radium-Palace-Hotels sollte nach dem ursprünglichen Plan von 1517 ein Kloster des Predigerordens, der Dominikaner, errichtet werden. Aufgrund der Hinwendung der Stadt zur Reformation wurde dieses Vorhaben jedoch nicht verwirklicht. Bereits vorbereitete Bauhölzer fanden unter anderem beim Bau der Herrenmühle Verwendung. Später entstand auf dem sogenannten Eisenberg (Železný vršek) das Gasthaus Ameisenhügel.
Nach der Gründung des Kurwesens in Jáchymov und dem Bau des ersten Kurgebäudes zeigte sich rasch, dass dessen Kapazität nicht ausreichte. Daher entstand der Bedarf an einem neuen, repräsentativen Hotel von internationalem Rang.
Geschichte
Der neue Hotelbau entstand in den Jahren 1910–1912 mit Kosten von 13.000.000 Kronen. Bauausführender war der Wiener Baumeister Burian nach Plänen des Barons Gustav Flesch von Brunningen. Ursprünglich trug das Haus den Namen Radium Kurhaus, bald jedoch wurde es in Radium-Palace-Hotel umbenannt.
Das Hotel war für eine exklusive internationale Gesellschaft bestimmt und wurde zu den zehn luxuriösesten Hotels Europas gezählt. Selbstverständlich waren fließendes kaltes und warmes Wasser in jedem Zimmer, Telefon, elektrische Rufanlage für das Personal sowie prunkvolle Gesellschaftsräume im Erdgeschoss. Zum ersten Direktor wurde Severin ernannt, dessen Name auch die dreikilometerlange Promenade durch das Mühlental nach Ober Schlaggenwald (Roseggerweg) trägt.
Kurz nach der Eröffnung wirkten sich die Folgen des Ersten Weltkriegs aus. Die Besucherzahl sank von 2470 Gästen im Jahr 1913 auf nur 963 im Jahr 1918. Nach der Gründung der Tschechoslowakei erwarb der Engländer Oury das Hotel samt Dependence Miracle (heute Praha) für 4.135.000 Kronen. Aufgrund hoher Betriebskosten wurde das Hotel jedoch 1921 geschlossen. Ein Jahr später übernahm der Staat das gesamte Kurwesen; Oury erhielt eine Entschädigung von 15.000.000 Kronen. In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 1922 zerstörte ein Brand Dach und Dachgeschoss des Mitteltraktes.
Am 15. Mai 1924 verpachtete der Staat das Hotel an die erfahrenen Hoteliers Jaroslav Urban und Karel Šroubek. Damit begann eine Phase des Ruhmes. Nach einem Jahr kehrte Šroubek nach Prag zurück, sodass Urban die Leitung übernahm. Mit staatlicher Unterstützung ließ er 1928 eine Promenadenterrasse mit Balustraden, Kolonnade und Treppenanlagen errichten, richtete eine luxuriöse Bar mit Terrasse ein, gründete das Waldcafé und Tennisplätze. Radium Palace wurde zu einer weltbekannten Marke.
Zu den prominenten Gästen zählten 1930 Tomáš Garrigue Masaryk, König Fuad I. von Ägypten, Nicolae Titulescu sowie Boncompagni Ludovici. 1927 fand hier die Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente statt, und 1930 feierte Masaryk hier offiziell seinen achtzigsten Geburtstag.
Zwischen 1932 und 1936 litt das Hotel unter der Weltwirtschaftskrise. Man führte Pauschalkuren, Saisonpreise und Ermäßigungen ein, etwa 50 % Rückfahrtermäßigung bei Bahnreisen über zehn Tage. Ärzten wurden kostenlose Heilmittel angeboten, ihre Angehörigen erhielten Preisnachlässe.
1938 übernahm das Deutsche Reich das Kurwesen. Das Hotel wurde schließlich zum Lazarett und zur Zweigstelle eines Berliner Krankenhauses. 1945 befand es sich in schlechtem Zustand, wurde jedoch bereits im Oktober desselben Jahres als erstes Kurhaus der Nachkriegs-Tschechoslowakei wieder teilweise eröffnet.
1963 erhielt Jáchymov erneut den Kurstatus, das Hotel wurde in Sanatorium Marie Curie-Skłodowska umbenannt. 1968 gewann die Stadt einen Wettbewerb der Kurorte. Nach 1989 kehrte das Haus zu seinem ursprünglichen Namen zurück.
Die letzte Generalsanierung erfolgte zwischen dem 6. Januar 1996 und Ende Juni 1997 mit Kosten von nahezu 300 Millionen Kronen. Eine Bombendrohung störte die feierliche Schlüsselübergabe. 2009 wurden hier 6331 Gäste behandelt.
Beschreibung
Der Therapiebereich befand sich von Beginn an im Erdgeschoss des Nordflügels. Laut Dr. Max Heiner standen 15 Wannen für Radonbäder, vier in den Boden eingelassene Wannen für unbewegliche Patienten sowie sechs Wannen für Teilbäder zur Verfügung. Zwei Wannen dienten Moor-Radon-Bädern. Eine Besonderheit war eine 1,2 Meter tiefe Durchgangswanne. Weitere Einrichtungen kombinierten Bade- und Elektrotherapie.
Zum Hotel gehörte auch ein Radon-Emanatorium für Gruppeninhalationen von bis zu zwanzig Personen. Massagen und spezielle Gymnastik wurden von Beginn an angeboten. Seit 1925 verfügte das Hotel über Sonnenbäder und ein chemisch-mikroskopisches Labor. Ständig waren sechs Fachärzte tätig.
Erneuerung
Trotz historischer Brüche blieb das Radium Palace das Flaggschiff des Kurortes und verbindet bis heute luxuriöse Hotellerie mit spezialisierter Radontherapie.
Fotogalerie: http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Radium_Palace_hotel/


