FRANZ-JOSEPH-KAISER-SCHULE
Gründe für den Bau und Eröffnung der Schule
Der Impuls zum Bau eines neuen Schulgebäudes war die schlechte Erreichbarkeit der bestehenden Einrichtungen – der Volksschule, der Bürgerschule sowie der Mädchenschule. Alle diese Schulen befanden sich im Gebäude unterhalb des Bergwerks Svornost, ursprünglich dem Palast von Lorenz Schlik. Besonders Kinder aus dem unteren Teil der Stadt hatten in den Wintermonaten erhebliche Schwierigkeiten, die Schule zu erreichen.
Der Bau des neuen Gebäudes wurde symbolisch mit dem fünfzigjährigen Jubiläum der Krönung Kaiser Franz Josephs I. verbunden. Die Schule wurde am 1. Oktober 1898 unter dem Namen Franz Joseph Kaiser Schule feierlich eröffnet. Gleichzeitig wurde ein neuer Schulplan ausgearbeitet, der die Verteilung der Schüler auf beide Schulgebäude regelte.
Entstehung des tschechischen Schulwesens nach 1918
Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde am 17. Oktober 1921 in diesem Gebäude die erste tschechische Klasse in Jáchymov eingerichtet. Gleichzeitig wurde hier ein Kindergarten eröffnet. Nach der Erweiterung des tschechischen Schulwesens im Jahr 1927 wurde dieser jedoch in das Gebäude des ehemaligen Armenhauses, den sogenannten „Modrák“ beim Friedhof, verlegt. Die Stadt bemühte sich anschließend um die Einrichtung einer rein tschechischen Schule, die vom ursprünglichen deutschen Bildungssystem unabhängig war.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Am 3. September 1945 wurden im Gebäude fünf Klassen der Volksschule sowie eine Kindergartenklasse eröffnet. Mit der Zeit reichte die Kapazität der Schule jedoch nicht mehr aus. Da sich im ursprünglichen Schulgebäude unter dem Bergwerk Svornost eine Einrichtung für verhaltensauffällige und schwer erziehbare Jugendliche befand, wurde der Bau eines neuen Schulgebäudes beschlossen. Dieses wurde am 29. August 1954 in der Hus-Straße als für seine Zeit sehr modern ausgestattetes Gebäude eröffnet. In der sogenannten Alten Schule verblieb nur noch die erste Stufe der Grundschule sowie der Hort. Die älteren Schüler der zweiten Stufe besuchten die neue Schule Marie Curie Sklodowska.
Radon, baulicher Zustand und Schließung
Noch im Jahr 1992 wurden die Turmuhr restauriert, deren Uhrwerk von der Firma Kohlert aus Kraslice geliefert worden war. Eine entscheidende Wende brachte die flächendeckende Messung der Radonbelastung in Jáchymov. Im Schulgebäude wurde ein Grenzwert festgestellt, weshalb eine neue Lüftungsanlage bestellt wurde.
Am 15. August 1994 wurde der Stadtrat über einen möglichen Befall der Holzkonstruktionen durch holzzerstörende Pilze informiert. Die Arbeiten wurden bis zum 22. September unterbrochen, als eine biotische Untersuchung durchgeführt wurde. Bemerkenswert ist, dass vor der Bestellung und Installation der Lüftungstechnik keine umfassende Untersuchung des baulichen Zustands erfolgt war und auch kein entsprechender Kostenplan vorlag. Auf Grundlage der Untersuchung wurde das Gebäude am 3. Oktober 1994 als nicht betriebsfähig erklärt. Bereits am 13. Oktober wurde mit der Schulleitung die Verlegung von 16 Klassen mit 248 Schülern in die Schule Marie Curie Sklodowska beschlossen.
Nicht realisierte Rekonstruktion und heutiger Zustand
Am 14. Februar 1995 wurde dem Stadtrat ein Rekonstruktionsplan mit veranschlagten Kosten von neun Millionen Kronen vorgelegt. Das Bildungsministerium stellte jedoch lediglich eine maximale Förderung von drei Millionen Kronen in Aussicht. Aus diesem Grund wurde von der Rekonstruktion Abstand genommen und das Gebäude am 13. Oktober 1995 als überflüssig erklärt. Ausschlaggebend war vor allem, dass die neue Schule sämtliche Schüler sowie den Hort aufnehmen konnte.
Im Gebäude verblieb lediglich die Wohnung des Schulhausmeisters, der als Verwalter angestellt wurde. Dieser Zustand war jedoch langfristig wirtschaftlich untragbar, da das gesamte Gebäude beheizt werden musste und die jährlichen Kosten nahezu 250.000 Kronen betrugen. Das Gebäude steht bis heute leer und ist – wie viele andere Objekte in Jáchymov – Opfer spekulativer Eigentumsübertragungen ohne anschließende Instandhaltung geworden.
Architektur
Der Architekt des Gebäudes ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurden standardisierte Entwürfe unter Leitung des Bezirksbaumeisters oder des Staatlichen Bauamtes für das Erzgebirge verwendet. Das Projekt folgt den typisierten Entwürfen neorenaissancezeitlicher Schulbauten, wie sie im späten 19. Jahrhundert in ganz Böhmen errichtet wurden.
Die Inspiration durch führende Vertreter der böhmischen Neorenaissance, wie Josef Zítek oder Antonín Wiehl, ist insbesondere in den Stuckdekorationen und der Fassadengliederung erkennbar. Das Gebäude zeichnet sich durch eine symmetrisch komponierte Fassade mit markantem Eingangsportikus aus. Dekorative Rustika, Gesimse, Tympana und plastische Rücksprünge prägen das Erscheinungsbild. Charakteristisch sind zudem die hohen Fenster in ungewöhnlich hohen Klassenräumen, die eine optimale Belichtung gewährleisteten.


