DIE MÜNZE
Einleitung
An dem Ort, an dem heute Münze und Rathaus durch die Münzgasse getrennt stehen, befanden sich ursprünglich die Häuser von Kunz Eirolt und Hieronymus Schlick. Die Schlick kauften zunächst das Haus Eirolts und errichteten an seiner Stelle ihre eigene Münze. Diese war wahrscheinlich baulich mit dem Schlickschen Haus verbunden, worauf zugemauerte Öffnungen in den Kellern der Münze hinweisen, die in Richtung der heutigen Rathauskeller führen.
Geschichte
Das heutige Münzgebäude stammt aus den Jahren 1532–1536. Es wurde von König Ferdinand I. von Habsburg an der Stelle der ursprünglichen schlickschen Münze gegründet und befindet sich hinter dem Rathaus. Aufgrund mehrerer Brände, die in den Münzbetrieben entstanden und auch das neue Rathaus beschädigten, setzten sich der Stadtrat und der Oberste Berghauptmann Christoph von Gendorf für eine bauliche Trennung beider Gebäude ein. Diese erfolgte 1533 durch die Anlage der heutigen Münzgasse, die die königliche Münze und den 1531 von der Stadt erworbenen Schlickschen Palast räumlich voneinander trennte.
Nach heutigem Kenntnisstand entstand vermutlich kein völlig neues Gebäude, sondern es handelte sich um einen grundlegenden Umbau und eine Anpassung des ursprünglichen schlickschen Baus. Die Münze ist im Renaissancestil errichtet und blieb ohne wesentliche bauliche Veränderungen erhalten. An der Ecke befindet sich ein Portal mit der Jahreszahl 1536. Das Gebäude zeigt Einflüsse sächsischer Bauhütten sowie der Rejt-Bauhütte. Es handelt sich um einen Bau mit einem Mazhaus um einen rechteckigen Innenhof.
Brände und bauliche Veränderungen
Das Gebäude wurde wiederholt durch Brände beschädigt. Der erste große Brand ereignete sich am 15. Juni 1538. Er zerstörte die hölzernen Konstruktionen der Münze sowie achtzehn umliegende Häuser. Als Ursachen wurden ein überhitzter Ofen, ein Kinderspiel beim heimlichen Gießen von Zinnkugeln, aber auch vorsätzliche Brandstiftung vermutet. In der Münze wie auch in der Stadt herrschten angespannte Beziehungen zwischen schlickschen und königlichen Beamten.
Ein weiterer verheerender Brand traf die Münze am 23. Juli 1782. Zusammen mit ihr brannten auch das Rathaus und vierzig weitere Häuser nieder. Infolge dieses Brandes wurden nicht nur die Schmelzbetriebe entfernt, sondern auch das Erscheinungsbild des Gebäudes verändert. Das abgebrannte zweite Obergeschoss, vermutlich eine hölzerne Fachwerkkonstruktion, wurde nicht wieder aufgebaut.
Prägung und Bedeutung
In der Münze wurden Taler bis 1671 geprägt. Danach entstanden hier vor allem Gedenkmünzen, beispielsweise Krönungsmünzen. Aus der spanischen Bezeichnung dieser Münzen – dolleros – entwickelte sich der Name einer der weltweit verbreitetsten Währungen – des Dollars.
Das Prägevolumen war beträchtlich. Zwischen 1520 und 1528 wurden hier etwa 3 250 000 Taler und 22 000 000 Prager Groschen geprägt, und dies allein in der schlickschen Epoche. Aus dieser Zeit sind ein mächtiger Rauchabzug – ein zentraler Kamin – sowie eine zweikammerige Schmiedeesse in den Kellern erhalten geblieben.
Weitere Nutzung
Nach dem Ende der Münztätigkeit im Jahr 1671 blieben die Räume bis 1716 ungenutzt, als hier eine Bergschule eröffnet wurde.
1863 wurde in dem ehemaligen Münzgebäude die k. k. Berg- und Hüttenverwaltung untergebracht, nachdem das Oberbergamt aufgehoben worden war. Auch gerettete Archive aus früheren Bränden wurden hier eingelagert. Zehn Jahre später brannte die Münze zusammen mit den Archiven bei einem Großbrand erneut aus, der nahezu die gesamte Stadt zerstörte. Das Gebäude wurde jedoch in seiner ursprünglichen Disposition wiederhergestellt.
Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik befand sich hier die Direktion der Jáchymover Bergwerke. In der Zeit des Uranbergbaus nutzten die Uranbergwerke Jáchymov das Gebäude. 1960 übernahm die Stadt das Objekt und passte es für die Zwecke des bereits 1923 gegründeten Stadtmuseums an.
Ende 1981 kam es infolge eines Befalls durch holzzerstörende Pilze zur Zerstörung eines Teils der Deckenkonstruktionen. Das Gebäude wurde geschlossen und wartete auf eine Rekonstruktion, die in den Jahren 1984–1997 durchgeführt wurde. Der Museumsbetrieb wurde jedoch erst am 28. Mai 2005 mit der Ausstellung „Jáchymov im Spiegel der Zeit“ wieder aufgenommen.
Fotogalerie: http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Mincovna_a_expozice_muzea/


