DIE JÁCHYMOVER MÜHLEN
Einleitung
Dem Mühlental ist auf diesen Seiten ein eigener Artikel gewidmet. Im Folgenden sollen jedoch die einzelnen Mühlen vorgestellt werden, die zu Jáchymov gehörten oder sich im direkten Besitz der Stadt befanden. Neben eigenen Feststellungen und der Stadtchronik wurde vor allem die Arbeit von Vladimír Kříž aus Jáchymov herangezogen.
Mühlen im Mühlental
Unsere Besichtigung beginnt im Seitental in Richtung Můstek, Neklid oder Klínovec. Am Ende der geschlossenen Bebauung ist oberhalb des Bachbetts des Klínovecký potok ein teilweise eingestürztes Gewölbe sichtbar – ein Rest des Mühlgrabens einer ehemaligen Mühle. Oberhalb befand sich ein kleiner Teich, der als erstes städtisches Freibad diente. Teich, Mühle und weitere Gebäude verschwanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter der gewaltigen Abraumhalde der Grube Bratrství.
Eine weitere Mühle befand sich im heutigen Haus Nr. 1045. Im Bachbett ist noch heute eine zugemauerte Öffnung der Achse des Mühlrades erkennbar. Kurz darauf verschwindet der Klínovecký potok unterirdisch und tritt erst wieder bei der Agricola (dem Kurgebäude) an die Oberfläche, nachdem er sich unterhalb des heutigen Kreisverkehrs mit dem Jáchymovský potok vereinigt hat.
An der Stelle des heutigen Parkplatzes unterhalb des Radium Palace stand einst die Mehlmühle Karl Schneidenmühle. Erhalten blieb lediglich eine steinerne Brücke, die ursprünglich in den Hof der Mühle führte. Charakteristisch für den Bergbaubetrieb war auch hier die Wasserwirtschaft: Das vom Mühlrad genutzte Wasser floss nicht zurück in den Bach, sondern wurde über einen Mühlgraben direkt zur nächsten Mühle geleitet.
Herrenmühle (Panský mlýn)
Die Entstehung dieser Mühle wird auf die Zeit nach 1520 datiert. Ursprünglich sollte hier ein Dominikanerkloster entstehen, etwa an der Stelle des heutigen Radium Palace. Aufgrund der protestantischen Ausrichtung der Stadt kam es jedoch nicht zur Klostergründung, und das bereits gesammelte Baumaterial wurde für den Bau der Mühle verwendet.
Die Mühle war bis 1908 in Betrieb. 1910 wurden die Gebäude von den Betreibern des Radium Palace erworben. 1925 gingen sie gemeinsam mit den Kuranlagen in Staatsbesitz über, der sie 1956 an das Unternehmen Lázně Jáchymov übertrug. Heute dient das Areal als technische Basis und Gärtnerei der Kurbetriebe; außerdem befindet sich dort eine Minigolfanlage.
Madrmühle
Diese Mühle war zugleich Brauerei. Sie befand sich unterhalb der heutigen Kläranlage, wo ein Rest des Mühlgrabens erhalten blieb. Sie war die einzige Mühle in der Region, deren Gerinne (Vantroky) das Bachbett überquerten. 1930 stellte sie den Betrieb ein und wurde abgerissen.
Petermühle
Die Petermühle gilt als die älteste Wassermühle auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Eine dendrochronologische Untersuchung datierte sie auf die Jahre 1525–1530. Sie war die leistungsstärkste Mühle der Umgebung und verfügte über zwei Räder. Später wurde eines davon durch eine Turbine mit 15 PS ersetzt, während das zweite, vier Meter große Rad weiter in Betrieb blieb.
Neben den üblichen Mühlprodukten wurde hier auch Bier gebraut, später kam eine Sägemühle hinzu. 1877 erwarb Josef Schöffel die Anlage, 1930 ist Marie Schöfflová als Eigentümerin belegt. Zu dieser Zeit waren ein oberschlächtiges Wasserrad und eine Turbine installiert. Erhalten blieben Reste mittelalterlichen Mauerwerks und die steinerne Turbinenwanne.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt, unter anderem als Arzneimittellager. Nach einem Dammbruch des Stadtteichs wurden Chemikalien in den Bach gespült, woraufhin das Lager geschlossen wurde. Später diente das Objekt einer Kunststofffabrik. Nach deren Konkurs verfiel das Areal, beschleunigt durch Metalldiebstähle. 2011 wurden Turbine und Zuleitung gestohlen. Schließlich kam es zum teilweisen Einsturz des Mauerwerks. Die Stadt Jáchymov erwog 2015 den Abriss unter Erhalt der historischen Mauern.
Der Papier-Doppelmühle
Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1546, als einer der beiden Mühlen – die obere – von Adam Abt erworben wurde, der hier eine Papierproduktion einführte. Das hergestellte Papier galt als das beste im Königreich Böhmen. Die Produktion hielt sich bis ins frühe 20. Jahrhundert.
Das Papier wurde nach Leiden in Holland exportiert, wo es weiterverarbeitet wurde. Aus dem dünn gespaltenen Papier entstanden Banknoten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Analysen von Partiturpapier ergaben, dass auch Johann Sebastian Bach Papier aus Jáchymov verwendete.
Die obere Papiermühle war bis 1931 in Betrieb, danach lief noch eine Sägemühle mit einem vier Meter großen Wasserrad. Das Gebäude wurde später zu einem beliebten Ausflugslokal, der Trinksmühle, heute Restaurace U Vlčků. Die untere Sägemühle war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb.
Spekner-Mühlen
Die Obere Speknermühle war ursprünglich ein Eisenhammer, später Getreidemühle und schließlich Drahtzieherei. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel sie und wurde abgetragen. An ihrer Stelle entstand später ein kleines Wasserkraftwerk.
Die Untere Speknermühle wurde um 1726 errichtet. Ursprünglich eine Getreidemühle, wurde sie zu einem Hammerwerk umgebaut. 1919 entstand hier zusätzlich ein Wasserkraftwerk. 1927 erwarb der Jáchymover Baumeister Franz Rehn die Anlage und wandelte den Hammer in eine Wassersäge um.
Mühlen in Ober Brand (Horní Žďár)
Weitere Mühlen befanden sich außerhalb des Mühltals im Gebiet von Ober Brand, das im Besitz der Stadt Jáchymov stand.
Auf dem Gelände des heutigen Betriebs m-tec stand ein landwirtschaftliches Anwesen mit Mühle, bei dem das Wasser nicht nur das Mühlrad, sondern auch eine große Dreschmaschine antrieb.
Die Grünesmühle bestand aus einer Mehlmühle, einer Schmiede und dem Gasthof Karlsbader Hof. Das Mühlrad hatte einen Durchmesser von 4,1 Metern. 1901 wurde eine Bäckerei eingerichtet, später auch eine Tankstelle. Erhalten blieb das Gasthaus U Václava.
Die Mühle U Semeráda befand sich im Bereich des heutigen Hotels Subterra. Neben dem Mahlen wurde hier Getreide aufgekauft, gereinigt und getrocknet. Seit 1910 bestand eine Bäckerei mit Doppelofen. Zunächst trieben zwei Wasserräder die Anlage an, später ein 4,8 Meter hohes Rad und schließlich eine Michel-Ossberg-Turbine.
Schluss
Die Jáchymover Mühlen bilden ein bedeutendes Kapitel der Wirtschafts- und Technikgeschichte der Stadt. Vom frühneuzeitlichen Getreidemahlen über Papierproduktion und Metallverarbeitung bis hin zur Stromerzeugung zeigt sich die entscheidende Rolle der Wasserkraft im Leben der Berg- und Kurstadt.


