DAS FERNSEH- UND RUNDFUNKSENDER KLÍNOVEC
Einleitung
Der Klínovec galt für Funkamateure seit Mitte der 1950er Jahre als idealer Standort für einen Sender. Die strategische Lage des höchsten Gipfels des Erzgebirges bot hervorragende Bedingungen für die Ausbreitung des Fernsehsignals. Ein wesentliches Hindernis stellte jedoch der sogenannte „Geheime Raum Jáchymov“ dar, der für die Öffentlichkeit gesperrt war.
Erste Versuche der Funkamateure
Nachdem es den Enthusiasten gelungen war, eine Zutrittsgenehmigung zu erhalten, versuchten sie, das Signal des ersten tschechoslowakischen Fernsehsenders in Prag auf dem Aussichtsturm Petřín zu empfangen. Die Genehmigung wurde vor allem deshalb erteilt, weil es sich überwiegend um Mitarbeiter der Uranbergwerke Jáchymov handelte. Die öffentliche Sicherheit registrierte in dieser Zeit Personen, die sich mit Kopfhörern auf den Ohren und verschiedenen Geräten in den Händen im Gebiet bewegten, was Verdacht erregte.
Um Schwierigkeiten zu vermeiden, schlossen sich die Funkamateure im Bezirksradioklub in Ostrov zusammen und nahmen unter dem Dach des Svazarm eine Zusammenarbeit mit dem Staatsbetrieb TESLA Holešovice auf. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde am 14. August 1957 auf dem Gipfel des Klínovec ein Stahlmast errichtet. Die Antennen waren zwischen Karlovy Vary und Sokolov ausgerichtet, der eigentliche Sender befand sich im Zimmer Nr. 104 des Hotels Klínovec.
Die Anlage wurde am 21. Dezember 1957 in Betrieb genommen, und das Ergebnis des Signalempfangs aus Prag war ausgezeichnet. Der Mast, der ursprünglich auf dem Flughafen Karlovy Vary gefunden worden war, hatte zunächst nur eine Höhe von 25 Metern. Konstrukteure aus Jáchymov erhöhten ihn jedoch auf 40 Meter.
Störungen und technische Anpassungen
Im Jahr 1958 trat das erste größere Problem auf. Im österreichischen St. Pölten wurde ein Sender in Betrieb genommen, der auf derselben Frequenz wie der Prager Petřín arbeitete, wodurch starke Störungen entstanden. Daher wurde am Fuß des Mastes eine Anlage angebracht, die den Sender mit der Richtfunkstation in Loučná verband.
Ein weiterer bedeutender Schritt erfolgte am 10. Juli 1965, als ausrangierte Sender nach der Rekonstruktion des Petříner Senders nach Klínovec verlegt wurden.
Der neue Betonturm
Der Gipfel des Klínovec geriet inzwischen auch in den Fokus der Verwaltung der Radiokommunikation in Prag. Im Jahr 1967 begann hier der Bau eines Stahlbetonturms, der sowohl als Fernsehsender als auch als Richtfunkstation dienen sollte. Die Innenausstattung wurde fertiggestellt, und die Anlage wurde 1973 in Betrieb genommen.
Der Turm auf dem Klínovec hat nahezu ein identisches Pendant auf der Zelená hora bei Cheb. Beide Bauwerke wurden nicht nur im selben Jahr, sondern im selben Monat, am selben Tag und nahezu zur gleichen Minute in Betrieb genommen.
August 1968
Die dramatischsten Momente ereigneten sich im August 1968. Der Sender wurde von Soldaten der UdSSR umstellt, die die tschechoslowakischen Soldaten, welche die Anlage bedienten, aufforderten, die Ausstrahlung einzustellen und den Zugang zum Turm zu ermöglichen. Nachdem diese Forderungen abgelehnt worden waren, wurde eine Kanone herangeführt, die die Trafostation am Fuß des Turms zerstörte. Das Personal ergab sich erst nach dem Eintreffen von Panzern und der Drohung mit schwerem Beschuss.
Erneuerung und Gegenwart
Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1973 ist der Turm ein fester Bestandteil des Panoramas des Klínovec und gewährleistet die Fernseh- und Rundfunkversorgung eines großen Teils Westböhmens. Derzeit wird über eine mögliche Öffnung des Turms für die Öffentlichkeit diskutiert, wodurch er zu einem weiteren Aussichtspunkt und touristischen Ziel des höchsten Gipfels des Erzgebirges werden könnte. Aus einer rein technischen Anlage zur Signalübertragung könnte so auch eine neue Attraktion entstehen.


