DAS ALTE RATHAUS
Einleitung
Das Alte Rathaus stand am ehemaligen Brottmarkt, also am Brotplatz, im Zentrum der neu entstehenden Stadt. Es wurde 1517 als Schliksche Fronfeste errichtet, also als Verwaltungs- und Wirtschaftssitz der Grundherrschaft. Seine Lage am Hauptmarkt unterstreicht die Bedeutung, die diesem Ort von den Stadtgründern beigemessen wurde.
Geschichte
Im Jahr 1520 wurde das Gebäude von der Stadt erworben und zum Rathaus umgebaut. Es handelte sich um einen gotischen Bau mit einem aus Bruchstein errichteten Erdgeschoss und einem Fachwerkobergeschoss. Das Erdgeschoss nahm eine große Hauptstube mit geschnitzter und bemalter Decke ein, die repräsentativen wie auch administrativen Zwecken diente.
Als Rathaus diente das Gebäude etwa zehn Jahre. Am Montag nach dem Fest Kreuzerhöhung im Jahr 1531 erwarb die Stadt für die Einrichtung eines neuen Rathauses das Schliksche Stadthaus, womit das ursprüngliche Gebäude seine Verwaltungsfunktion verlor. 1544 wurde das Obergeschoss zu einer Wohnung für den Stadtarzt umgebaut, während im Erdgeschoss ein Gasthaus eingerichtet wurde.
Später gelangte das Objekt in Privatbesitz. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude in zwei Hausnummern (485 und 486) geteilt, was auf eine bauliche und eigentumsrechtliche Aufteilung hinweist.
Nach der Wiedererrichtung der Tschechoslowakei im Jahr 1945 erwog die Stadt den Ankauf des Gebäudes, seine Restaurierung sowie die Einrichtung einer Zweigstelle des Stadtmuseums. Diese Pläne wurden jedoch durch den Brand vom 6. Dezember 1946 zunichtegemacht, bei dem das Gebäude vollständig ausbrannte.
Beschreibung und erhaltene Teile
Der Bau war ein typisches Beispiel früher städtischer Architektur mit der Kombination eines steinernen Erdgeschosses und eines Fachwerkobergeschosses. Der gotische Charakter zeigte sich insbesondere in der Disposition der Hauptstube und in der Ausgestaltung ihrer Decke.
Bis heute sind die mächtigen Kellergewölbe erhalten geblieben, die 2016 bei der Umgestaltung des heutigen Platzes Slovany wiederentdeckt wurden. Diese unterirdischen Räume stellen den einzigen baulichen Überrest des einstigen Rathauses dar und sind ein bedeutendes archäologisches Zeugnis der ältesten Bauphase der Stadt.
Der benachbarte Turm – Hühnerhängerhaus
In unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses stand ein Fachwerkturm, in dem sich die Folterkammer und das städtische Gefängnis befanden, das sogenannte Hühnerhängerhaus. In seinem Erscheinungsbild wurde es mit dem Egerer Špalíček verglichen. Im Obergeschoss befand sich ein Erkerabort, unter dem sich ein Misthaufen befand, was die damaligen hygienischen und betrieblichen Verhältnisse der städtischen Verwaltung widerspiegelt.
Erneuerung und Gegenwart
Das Gebäude des Alten Rathauses existiert heute nicht mehr. Dennoch bleibt es ein wichtiger Bestandteil der Stadtgeschichte als eines ihrer ältesten Verwaltungsgebäude. Die erhaltenen Keller erinnern an die Anfänge der städtischen Selbstverwaltung sowie an die baulichen Veränderungen des Stadtzentrums im Verlauf von fünf Jahrhunderten.
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