BRAUEREI
Die Anfänge des Braurechts
Das Recht, Bier zu brauen und zu verkaufen, wurde in Jáchymov bereits im Jahr 1518 von den Schliks verliehen. Das Braurecht gehörte zugleich zu den städtischen Privilegien, die 1520 von König Ludwig Jagiello bei der Erhebung der Siedlung Údolí zur Stadt bestätigt wurden. Zu dieser Zeit existierte jedoch noch keine zentrale Brauerei im heutigen Sinne, sondern einzelne Braurechtshäuser, die über das Stadtgebiet verteilt waren. In diesen Häusern wurde Bier gebraut und zugleich ausgeschenkt. Charakteristisch für dieses System war, dass das Braurecht nicht an die Person des Eigentümers gebunden war, sondern unmittelbar an das jeweilige Gebäude und bei dessen Verkauf automatisch auf den neuen Besitzer überging.
Regulierung des Brauwesens im 16. Jahrhundert
Im Jahr 1546 wurde eine besondere Ordnung für Braumeister erlassen, die Bestandteil der städtischen Statuten wurde. Im 16. Jahrhundert waren in Jáchymov Wettkämpfe im Biertrinken beliebt, die jedoch wiederholt zu Störungen der öffentlichen Ordnung führten. Aus diesem Grund wurde eine sogenannte „trockene Verordnung“ erlassen, die die Anzahl der Plätze in den Schenken, die Menge des ausgeschenkten Bieres sowie die Uhrzeit des Ausschanks genau festlegte. Diese Maßnahmen wurden in der Praxis jedoch nicht konsequent durchgesetzt.
Zwei städtische Brauereien im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert bestanden in Jáchymov bereits zwei städtische Brauereien. Nach dem Theresianischen Kataster betrug ihr gemeinsamer Ausstoß 1100 Hektoliter, also 1964 Fässer. Eine Brauerei versorgte den oberen Teil der Stadt, die andere den unteren Teil. Während sich die obere Brauerei auch in späteren Quellen nachweisen lässt, verschwinden Hinweise auf die untere Brauerei nach 1753. Weder der Zeitpunkt noch die Umstände ihres Betriebsendes sind bekannt, ebenso wenig ihr genauer Standort.
Der Brand von 1873 und die Entwicklung zur Bürgerbrauerei
Die obere Brauerei, die sich schrittweise zur Bürgerbrauerei entwickelte, fiel zusammen mit einem großen Teil der Stadt dem verheerenden Brand vom 31. März 1873 zum Opfer. Erhaltene Aufzeichnungen geben an, dass das Gebäude gegen 12:15 Uhr ausbrannte, also etwa eine Stunde nach dem Ausbruch des Feuers im unteren Teil der Stadt.
Modernisierung um die Jahrhundertwende
In den Jahren 1897–1898 wurde die Brauerei umfassend rekonstruiert und modernisiert. Neue Keller wurden errichtet, und die Produktion ging vom handwerklichen Brauen auf dampfbetriebene Anlagen über. Bis 1906 gehörte die Brauerei der Gemeinschaft der Brauberechtigten, also dem Zusammenschluss der Eigentümer der Braurechtshäuser. Ab diesem Jahr gingen sowohl die Produktion als auch die Gebäude in das Eigentum der Stadt Jáchymov über, die den Betrieb bis 1945 führte.
Krise, Krieg und Nachkriegsende
Während des Ersten Weltkriegs produzierte die Brauerei schwaches und qualitativ minderwertiges Bier. Der Mangel an Rohstoffen und der Einsatz von Ersatzstoffen führten zum Verlust der meisten Abnehmer. Im Jahr 1930 war die Brauerei vollständig außer Betrieb, und ihre endgültige Schließung drohte. Die Stadt erwog, das Gebäude für Moorbäder zu nutzen. Der Betrieb wurde jedoch letztlich aufrechterhalten, und die Qualität des hier gebrauten Bieres erlangte in den folgenden Jahren einen guten Ruf im weiteren Umkreis.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Brauerei in den Jahren 1945–1949 unter staatlicher Verwaltung. Am 17. Juni 1946 beschloss das Ministerium für Ernährung ihre Auflösung. Die Stadt protestierte energisch gegen diese Entscheidung und verwies auf die kürzlich abgeschlossene Generalrekonstruktion, ausreichenden Absatz sowie die sozialen Folgen einer Schließung. Die Brauerei beschäftigte rund zwanzig Familien, weitere Dutzende Personen arbeiteten in angeschlossenen Gewerben wie Tischlerei, Küferei oder im Transportwesen. Die Brauerei war damals nach der Staatlichen Tabakfabrik der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt. Dennoch wurde der letzte Sud im November 1946 gebraut. Die Gebäude wurden wegen ihres schlechten technischen Zustands im Jahr 1962 abgerissen.
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