KAPELLE DES HL. JOHANNES VON NEPOMUK
Auf einem markanten Felsvorsprung namens Jánský vrch, der steil aus dem Nordhang des Tals über der Stadt Jáchymov herausragt, steht seit 1734 die Kapelle des Heiligen Johannes Nepomuk. Ihre Silhouette gehört zu den unübersehbaren Elementen der lokalen Landschaft und prägt seit Jahrhunderten das Erscheinungsbild der Stadt und ihr Gedächtnis. Der Jánský vrch ist kein gewöhnlicher Hügel – es ist ein einsamer Felsen, der über die umliegenden Gebäude hinausragt, ein Ort, der seit jeher die Aufmerksamkeit und Fantasie der Einheimischen auf sich gezogen hat.
Mit diesem Ort sind eine Reihe von Volkslegenden verbunden. Ihnen zufolge sollen hier, insbesondere in der Walpurgisnacht, Hexensabbate stattgefunden haben. Die Abgeschiedenheit des Felsens, seine dunkle Silhouette über der Stadt und seine schwierige Zugänglichkeit schufen den idealen Hintergrund für Geschichten über nächtliche Feuer, Tänze und verbotene Rituale. In der mündlichen Überlieferung taucht der Jánský vrch auch als Ort auf, an dem vermeintliche Hexen bestraft wurden, unter anderem durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Diese Geschichten sind weder durch Gerichts- noch durch Archivquellen belegt und müssen als Teil des Volksgedächtnisses und der symbolischen Wahrnehmung der Landschaft verstanden werden, nicht als historisch belegte Tatsache. Dennoch belegen sie, wie stark der Hügel als Ort der Angst, des Aberglaubens und als Grenze zwischen der „normalen“ Welt und der Welt des Unbekannten wahrgenommen wurde.
Aus dieser Perspektive erhält der Bau der Kapelle eine neue Dimension. Die Weihe an den Heiligen Johannes Nepomuk, einen Heiligen, der mit Schutz, Gerechtigkeit und Schweigen in Verbindung gebracht wird, kann auch als symbolische Heiligung und „Zähmung“ eines Ortes verstanden werden, der in der Volksvorstellung mit dunklen Bedeutungen behaftet war.
Die Kapelle wurde von dem Ehepaar Jan Jakub und Žofie Vogelhaubt erbaut. Sie entstand in der Hochbarockzeit, als kleine Sakralbauten den spirituellen und visuellen Charakter der Landschaft prägten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfuhr das Gebäude jedoch erhebliche Veränderungen. In den Jahren 1838–1839 wurde an die Kapelle ein Wohnhaus angebaut, das aus dem Nachlass von František Pallas, Dekan an der St.-Veits-Kathedrale in Prag, finanziert wurde, der 15.000 Goldstücke für den Bau spendete. Das Haus wurde später auch für betriebliche Zwecke genutzt – 1851 entstand hier die Handschuhfabrik der Brüder Kuhlman – und die Kapelle diente zu dieser Zeit nicht mehr kirchlichen Zwecken. Die erneute Weihe erfolgte am 29. April 1873. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ging die Kapelle erneut in Privatbesitz über, und das angrenzende Haus wurde schließlich irgendwann zwischen den Weltkriegen abgerissen.
Die größte Gefahr kam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach 1945 verfiel die Kapelle nach und nach, und in den 80er Jahren wurde sogar ein Abrissbeschluss erlassen. Das Gebäude war praktisch zum Untergang verurteilt. Genau in diesem Moment spielte jedoch der Dekan von Jáchymov, Pater František Krásenský, eine entscheidende Rolle, dem es gelang, den Abriss abzuwenden und 1987 eine Generalsanierung der Kapelle durchzusetzen. Dank seiner Bemühungen überlebte die Kapelle eine Zeit, in der viele ähnliche kleine Denkmäler unwiederbringlich verschwanden. Heute steht sie unter Denkmalschutz und wurde in jüngerer Zeit zumindest einer grundlegenden Renovierung der Außenfassade unterzogen.
Aus architektonischer Sicht handelt es sich um einen hochbarocken Bau zentraler Art. Den Grundstock bildet ein achteckiges Kirchenschiff, an das sich auf der Südseite ein rechteckiges Presbyterium anschließt. Im Norden befindet sich eine Vorhalle, die ursprünglich als Verbindungsgang zu einem heute nicht mehr existierenden Wohnhaus diente. In den Ecken zwischen Vorhalle und Kirchenschiff befinden sich zwei viertelkreisförmige Apsiden. Die Fenster sind überwiegend bogenförmig, nur in den Apsiden gibt es kleine rechteckige Fenster. Der rechteckige Haupteingang hat eine glatte Steinverkleidung mit der eingemeißelten Jahreszahl 1734.
Das Gebäude wird von einem Zeltdach bedeckt, das über dem Kirchenschiff mit einem achteckigen Türmchen endet. Der nördliche Vorraum hat ein eigenes niedrigeres Zeltdach, auf dem sich ein offener achteckiger Glockenturm befindet, der die charakteristische Silhouette der Kapelle auf dem Felsberg vervollständigt.
Die Kapelle des Heiligen Johannes Nepomuk auf dem Jánský vrch ist also nicht nur ein kleines Barockdenkmal. Sie ist ein Ort, an dem seit Jahrhunderten Glaube, Legenden, Angst und das Bestreben, der Landschaft Ordnung und Sinn zu geben, miteinander verschmelzen. Gerade diese Kombination aus Architektur, Geschichten und dramatischen Schicksalen macht sie zu einem der interessantesten und beeindruckendsten Sakralbauten von Jáchymov.
Fotogalerie hier: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kaple_sv._Jana_Nepomuckeho/

