LEOPOLD GOTTLIEB (1852–1912)
Herkunft und Ausbildung
Leopold Gottlieb wurde am 17. März 1852 als Sohn des Strohhandels Gabriel Gottlieb geboren. Er besuchte das Gymnasium in Neuhaus (Jindřichův Hradec), wo er am 3. August 1872 das Abitur ablegte.
Anschließend studierte er Medizin in Wien und wurde am 14. Juni 1878 zum Doktor der Medizin promoviert.
Ärztliche Tätigkeit und Übersiedlung nach St. Joachimsthal
Zunächst arbeitete er als praktischer Arzt in seiner Heimatstadt Kardašova Řečice, wo er bis 1886 tätig war.
Im Jahr 1889 wurde er zum Bezirksarzt in St. Joachimsthal ernannt. Hier begann er sich intensiv mit den gesundheitlichen Wirkungen der mit dem Bergbau verbundenen Stoffe zu beschäftigen.
Erforschung des Radonwassers
Während seiner Tätigkeit in St. Joachimsthal lernte Gottlieb die Arbeiten von Marie Curie-Skłodowska kennen und begann mit Ing. Josef Štěp zusammenzuarbeiten.
1905 wurde er vom Minister Buquoy beauftragt, die Wirkung des Radonwassers aus der Grube Werner (später Rovnost) zu untersuchen. Seine Ergebnisse führten zur Idee, dieses Wasser für Heilbäder zu nutzen.
Die ersten Radonbäder
Gottlieb richtete daraufhin in St. Joachimsthal ein erstes inoffizielles Radiumbad ein. Es befand sich im Haus des Bäckers Kühn, wo sich die ursprüngliche Badewanne bis heute erhalten hat.
Er experimentierte auch mit der künstlichen Herstellung von Radonwasser durch das Auslaugen von Abfällen aus der Joachimsthaler Uranfarbenfabrik. Die Radioaktivität dieses Wassers wurde regelmäßig von Ing. Josef Štěp gemessen.
1909 bereitete er ein Bad für den englischen König Eduard VII. vor, der während eines Aufenthalts in Marienbad auch St. Joachimsthal besuchte, um einen Vortrag von Ing. Štěp zu hören.
Bis 1910 wurden etwa 750 Patienten in diesen frühen Bädern behandelt.
Publikationen und wissenschaftliche Tätigkeit
1911 veröffentlichte Gottlieb gemeinsam mit dem Joachimsthaler Schulinspektor Müller die Schrift Radiumbad St. Joachimsthal.
Im selben Jahr wurde er zum Oberbezirksarzt ernannt und erhielt den Titel eines kaiserlichen und königlichen Rates.
1912 hielt er auf dem 6. Internationalen Kongress für allgemeine und medizinische Radiologie in Prag einen Vortrag über die Behandlung mit Radonwasser und über die Joachimsthaler Bäder.
Tod und Erinnerung
Seit dem 25. April 1912 lebte er in Prag, wo er am 21. Juni 1912 starb.
Bis 1938 war in St. Joachimsthal eine Straße nach ihm benannt (die heutige Mánesova-Straße). Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde sie 1938 umbenannt. Heute erinnert in der Stadt keine Gedenktafel mehr an Dr. Gottlieb.


