KARL VIKTOR RITTER VON HANSGIRG (1823–1877)
Leben und Wirken
Karl Viktor Ritter von Hansgirg wurde am 5. August 1823 in Pilsen in eine bedeutende Beamtenfamilie geboren. Sein Vater Josef Hansgirg war k. k. Kreis-Kommissär, seine Mutter Elisabeth, geborene Ebert. Die Familie verfügte über ein ausgeprägtes kulturelles Umfeld. Sein Onkel Karl Leopold Felix Egon Ebert gehörte zu den bedeutenden deutschsprachigen Dichtern der böhmischen Länder des 19. Jahrhunderts und beeinflusste maßgeblich auch den jungen Viktor.
Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Hansgirg Rechtswissenschaften an der Universität in Prag. Nach Abschluss seines Studiums trat er im Jahr 1846 in den politischen Verwaltungsdienst ein. Im Verlauf seiner Laufbahn bekleidete er verschiedene Ämter in mehreren böhmischen Städten, darunter in Jungbunzlau, Plan, Pilsen, Kaplitz, Winterberg und Bergreichenstein. Schließlich wurde er zum Bezirkshauptmann in St. Joachimsthal ernannt, wo er bis zu seinem Tod tätig war.
Literarische Tätigkeit
Neben seiner Beamtenlaufbahn widmete sich Hansgirg intensiv der literarischen Arbeit. Bereits während seines Studiums veröffentlichte er Gedichte in Prager Almanachen und Zeitschriften wie Libussa, Ost und West oder Bohemia, die zu den wichtigen kulturellen Plattformen der deutschsprachigen Literatur in Böhmen gehörten.
Sein literarisches Werk umfasst vor allem Gedichte und epische Dichtungen. Zu seinen bekannten Veröffentlichungen zählen unter anderem die Gedichtsammlungen Heimatstimmen (1844), Lorbeer- und Eichenblätter (1858), Liederbuch für Deutsche in Böhmen (1864), Glockenstimmen (1871) und Liebe und Leben (1873). Im Jahr 1876 veröffentlichte er das umfangreiche Epos Orient und Okzident. Er versuchte sich auch an Romanen, etwa Begebnisse auf einem böhmischen Grenzschlosse (1863) oder Ich oder Du (1871), die jedoch nicht den gleichen Erfolg wie seine dichterischen Werke erreichten.
Einige seiner Gedichte wurden vertont. Das Gedicht „An mein theueres Vaterland“ wurde vom böhmischen Komponisten Václav Jan Tomášek vertont.
Hansgirg gehörte zu den Vertretern eines böhmischen Landespatriotismus und nahm aktiv am kulturellen Leben seiner Zeit teil. Seine Gedichte entstanden auch zu festlichen Anlässen, etwa anlässlich der Hochzeit von Kaiser Franz Joseph I. mit Elisabeth von Bayern, als er die festliche Stimmung jener Zeit in Versen festhielt.
Beziehung zu St. Joachimsthal
Den Abschluss seiner Verwaltungslaufbahn bildete seine Tätigkeit als Bezirkshauptmann in St. Joachimsthal. Hier verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens und verband seine öffentliche Tätigkeit mit literarischem Schaffen.
Familie und Vermächtnis
Auch Hansgirgs Familienleben war mit Literatur verbunden. Seine Ehefrau Theresia, geborene Tobisch, veröffentlichte unter dem Pseudonym Theodor Reinwald und gehörte zu den erfolgreichen Prosaschriftstellerinnen ihrer Zeit.
Karl Viktor Ritter von Hansgirg starb am 23. Januar 1877 in St. Joachimsthal.


