JOHANN CRIGINGER (1521–1571)
Leben
Johann Criginger wurde im Jahr 1521 in Joachimsthal geboren. Er stammte aus dem Umfeld der schnell wachsenden Bergstadt, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu den bedeutenden kulturellen und Bildungszentren des Erzgebirges gehörte.
Die erste gesicherte Nachricht über ihn stammt aus dem Jahr 1538 aus der Immatrikulationsliste der Universität Wittenberg. Dort wurde er als Student eingeschrieben und erlangte später den Grad eines Magisters der freien Künste. Während seiner Ausbildung studierte er auch an den Universitäten Leipzig und Tübingen.
Seit dem Jahr 1547 wirkte er als Prediger des Grafen Lorenz Schlik in Luditz (Žlutice). Neben seiner geistlichen Tätigkeit widmete er sich der literarischen Arbeit, der Kartographie und der Theologie.
Später wurde er Pfarrer im sächsischen Marienberg, wo er am 27. Dezember 1571 starb.
Kartographische Arbeit
Johann Criginger gehört zu den bedeutenden Kartographen der böhmischen Länder im 16. Jahrhundert. Obwohl nicht bekannt ist, wie viele Karten er insgesamt schuf, sind einige seiner Werke erhalten geblieben.
Sein bekanntestes Werk ist die Karte von Böhmen, Mähren und Schlesien mit dem Titel Bohemiae regni nova chorographica descriptio. Diese Karte wurde später in den berühmten Atlas Theatrum Orbis Terrarum aufgenommen, der 1568 in Antwerpen von dem Kartographen Abraham Ortelius veröffentlicht wurde. Ortelius’ Werk gilt als der erste moderne Atlas der Welt.
Eine Besonderheit dieser Karte besteht darin, dass Criginger sie größtenteils auf Grundlage vorhandener Informationen und schriftlicher Quellen zeichnete, ohne selbst umfangreiche Reisen durch das dargestellte Gebiet zu unternehmen.
Das Kartenexemplar, das Ortelius als Vorlage für seinen Atlas diente, ist in zwei Exemplaren erhalten geblieben. Sie befinden sich heute in der Bibliothek von Salzburg und in der Bibliothek des Strahov-Klosters in Prag.
Weitere Werke
Neben der Karte der böhmischen Länder fertigte Criginger auch eine Karte Sachsens an, die er im Jahr 1567 für den sächsischen Kurfürsten August erstellte.
Zu seinem Werk gehören außerdem zwei biblische Dramen, die der religiösen Erziehung dienen sollten und die Themen Frömmigkeit und Vertrauen in Gott behandelten.


