JAN URBAN (1921–2003)
Leben und Ausbildung
Jan Urban wurde am 8. Juni 1921 in Třebíč geboren. In seiner Jugend zog er mit seiner Familie nach Berlin, wo er das Gymnasium besuchte und im Jahr 1940 das Abitur ablegte. Anschließend arbeitete er als Beamter im Berliner Rathaus.
Im Jahr 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet. Er war in Gefängnissen in Iglau, Bautzen und Ebrach inhaftiert. Im Januar 1945 musste er einen Todesmarsch von Ebrach über Ellwangen nach Amberg bei München antreten, wo er schließlich von der amerikanischen Armee befreit wurde.
Nach dem Krieg studierte er zwischen 1945 und 1949 Soziologie an der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brünn. Gleichzeitig besuchte er die Journalistische Fakultät und studierte auch Rechtswissenschaften an der Karls-Universität in Prag.
Tätigkeit in St. Joachimsthal
1954 meldete er sich zu einer Arbeitsbrigade in den Joachimsthaler Bergwerken. Später wurde er Verwalter des Unternehmensarchivs. Die Stadt St. Joachimsthal faszinierte ihn so sehr, dass er sich intensiv mit ihrer Geschichte beschäftigte.
Nach dem Ende des Bergbaubetriebes übernahm er das Stadtmuseum und setzte sich für dessen Verlegung in das Gebäude der ehemaligen königlichen Münze ein, das zuvor von den Joachimsthaler Bergwerken genutzt worden war.
Neben seiner Museumsarbeit gründete und redigierte er den Stadtanzeiger und nahm aktiv am öffentlichen Leben der Stadt teil. Er war Hauptorganisator der Feierlichkeiten zum 450. Jahrestag der Stadtgründung im Jahr 1966. 1968 beschäftigte er sich öffentlich auch mit den Arbeitslagern im Joachimsthaler Gebiet während der Uranförderung.
Emigration und Leben in Berlin
Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im Jahr 1968 wurde er 1970 als Konterrevolutionär bezeichnet und verlor alle öffentlichen Funktionen. 1979 wurde er zur Emigration gezwungen und ließ sich in West-Berlin nieder.
Auch im Exil widmete er sich weiterhin der Geschichte von St. Joachimsthal. Er übersetzte unter anderem Mathesius’ Werk Sarepta oder Bergpostill von 1562 und veröffentlichte Studien und Artikel über die Geschichte der Stadt. In seiner Berliner Wohnung richtete er sogar ein kleines privates Museum über St. Joachimsthal ein.
Ehrungen
Am 7. Februar 1991 wurde Jan Urban zum Ehrenbürger der Stadt St. Joachimsthal ernannt. Sein großer Wunsch war es, seine Sammlungen eines Tages in der Stadt auszustellen, die er als seine eigentliche Heimat betrachtete.
Jan Urban starb am 10. Mai 2003 in seiner Wohnung in Berlin.
Werke und Sammlungen
Jan Urban veröffentlichte Hunderte von Artikeln und Studien über die Geschichte von St. Joachimsthal, den Bergbau und das kulturelle Leben der Stadt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehört das Buch Jáchymov – kolébka atomového věku aus dem Jahr 1965.
Er beteiligte sich auch an der Übersetzung von Mathesius’ Werk Sarepta oder Bergpostill aus dem Jahr 1562, das 1981 im Nationalen Technischen Museum in Prag veröffentlicht wurde.
Urban war zudem ein leidenschaftlicher Sammler. Er stellte eine umfangreiche Sammlung von Briefmarken aus der ganzen Welt mit Bezug zu St. Joachimsthal zusammen. Eine weitere Sammlung bestand aus Dollar-Münzen aus vielen Ländern, die an die Tatsache erinnern, dass der Joachimsthaler Taler dem späteren Dollar seinen Namen gab. Außerdem besaß er eine große Bibliothek mit Literatur über Bergbau, Stadtgeschichte und Regionalgeschichte.
Dank seiner Kenntnisse wirkte er auch als Hauptberater beim Aufbau des Bergbaumuseums in Kongsberg in Norwegen.


