EDUARD BENEŠ (1884–1948)
Leben
Eduard Beneš wurde am 28. Mai 1884 in Kožlany bei Rakovník geboren. Er stammte aus der Familie eines Kleinbauern und Händlers. Nach dem Gymnasium studierte er an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag.
Seine Studien setzte er in Frankreich und der Schweiz fort, insbesondere an der Sorbonne in Paris. Im Jahr 1908 erwarb er den Doktortitel der Philosophie. Nach seiner Rückkehr nach Prag arbeitete er als Professor für Soziologie an der Karls-Universität.
Zusammenarbeit mit Masaryk und Entstehung der Tschechoslowakei
Schon vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Beneš zu den engen Mitarbeitern von Tomáš Garrigue Masaryk. Nach Ausbruch des Krieges ging er ins Ausland, wo er sich an der Organisation des tschechoslowakischen Widerstandes gegen Österreich-Ungarn beteiligte.
Gemeinsam mit Masaryk und Milan Rastislav Štefánik gehörte er zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Auslandswiderstandes. Seine diplomatischen Aktivitäten trugen wesentlich zur internationalen Anerkennung des zukünftigen tschechoslowakischen Staates bei.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 wurde er Außenminister. Dieses Amt übte er bis 1935 aus und gehörte damit zu den bedeutendsten europäischen Diplomaten der Zwischenkriegszeit.
In den Jahren 1921–1922 war er außerdem Ministerpräsident der Tschechoslowakischen Republik.
Präsident der Republik
Nach der Abdankung von Präsident Tomáš Garrigue Masaryk wurde Eduard Beneš im Jahr 1935 zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt.
Nach dem Münchner Abkommen im Jahr 1938 musste er jedoch zurücktreten und ins Exil gehen. Zunächst hielt er sich in Frankreich auf, nach dessen Besetzung durch Deutschland ging er 1940 nach Großbritannien.
Exilregierung
In London gründete und leitete Beneš die tschechoslowakische Exilregierung, die nach und nach von den Alliierten anerkannt wurde. Er wurde damit zur wichtigsten politischen Persönlichkeit des tschechoslowakischen Widerstandes im Ausland während des Zweiten Weltkrieges.
Unter seiner Führung wurden die Folgen des Münchner Abkommens schrittweise aufgehoben und die internationale Stellung der Tschechoslowakei wiederhergestellt.
Rückkehr und letzte Jahre
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Beneš in die Tschechoslowakei zurück und wurde 1945 erneut Präsident der Republik.
Nach dem kommunistischen Umsturz im Februar 1948 geriet er jedoch unter starken politischen Druck. Im Juni 1948 legte er schließlich sein Amt nieder.
Beneš in Joachimsthal
Eduard Beneš besuchte Joachimsthal während seines Lebens dreimal – in den Jahren 1927, 1937 und 1947. Seine Besuche standen im Zusammenhang mit der Bedeutung der Joachimsthaler Radiumbäder, die damals international bekannt waren.
Tod
Eduard Beneš starb am 3. September 1948 in seiner Villa in Sezimovo Ústí.


