ZEITRAUM 1551–1690
1551 – In Joachimsthal werden sogenannte Mihdlen erfunden – Vorrichtungen zur Umwandlung einer Drehbewegung in eine hin- und hergehende Bewegung. Auf der Grube St. Georg wird eine mehrstufige Kolbenpumpe mit Mihdlen-Antrieb errichtet.
1552 – Joachimsthal wird von einem Erdbeben heimgesucht. Der Stadtteich wird angelegt. Eine außergewöhnlich reiche Weinernte führt dazu, dass die Herrschaft Braufässer zur Einlagerung des Weines beschlagnahmen lässt. In 419 Gruben arbeiten 1.885 Bergleute.
1554 – Besuch des böhmischen Statthalters Erzherzog Ferdinand von Tirol. Am 24. Juni (Fest Johannes des Täufers) fällt ein Meter Schnee.
1555 – Mathesius verwendet den Begriff „Wolforma wolfshaar“ (Wolfshaar) – ein Beleg für die Kenntnis des Wolframs. Offiziell wurde das Metall 1781 vom schwedischen Chemiker Carl Wilhelm Scheele entdeckt. In 395 Gruben arbeiten 1.777 Bergleute.
1556 – Die ersten Jesuiten kommen nach Joachimsthal. Aus diesem Jahr stammt die älteste bekannte erhaltene Grubenkarte. In der Stadt findet eine Versammlung der Gewerken des Königreichs Böhmen statt.
1557 – König Ferdinand I. verleiht Joachimsthal eine neue Stadtordnung. In 343 Gruben arbeiten 1.543 Bergleute.
1562 – Barbara Uttmann führt in der Stadt die Klöppelspitzenherstellung ein. Sie unterrichtet vor allem Bergmannsfrauen. 51 ausländische Gewerken verlassen Joachimsthal.
1564 – In Joachimsthal wird die Waldordnung Maximilians erlassen. In Nürnberg erscheinen Mathesius’ Bergpostille und die Joachimsthaler Chronik im Druck.
1567 – Der Loketer Kreishauptmann Albrecht von Globen übergibt Joachimsthal das Gut Oberbrand als Lehen. In 271 Gruben arbeiten 1.219 Bergleute.
1568 – Eine Pestepidemie fordert über 900 Todesopfer.
1570 – Bedeutende Besuche: Kurfürst August von Sachsen mit Gemahlin, Markgraf Hans von Küstrin, Fürst Joachim Ernst von Anhalt und Herzog Hans Albrecht von Mecklenburg.
1572 – Augustin Corda bemalt die Emporen der Kirche St. Joachim.
1574 – Die Einwohnerzahl sinkt auf 4.000. Nur 294 Häuser sind bewohnt. In 167 Gruben arbeiten 751 Bergleute.
1577 – Kaiser Rudolf II. ordnet zur Belebung von Bergbau und Münze die Prägung der sogenannten Kleinen Groschen an.
1578 – Auf der Grube Svornost werden Kehrräder durch Kolbenpumpen ersetzt.
1582 – Herzog Ernst, Erzbischof von Köln, besucht inkognito die Stadt und fährt in die Grube Graf Friedrich Stollen ein. Im Frühjahr fordert die Pest 158 Opfer, ab 13. Juli weitere 303.
1584 – Albrecht von Globen wird Oberberghauptmann. Paul Hoffmann wird Münzmeister.
1587 – Am 29. März und erneut am 7. Juni fallen etwa 45 cm Schnee.
1589 – 935.040 Kleine Groschen werden geprägt.
1590 – 692.940 Kleine Groschen werden geprägt. Beginn des Kobaltabbaus. Ein Erdbeben wird verzeichnet.
1591 – Die Stadtschuld beträgt 21.000 Taler und steigt jährlich um 1.000 Taler.
1593 – Der Damm des Stadtteichs bricht, wird jedoch noch im selben Jahr repariert.
1598 – Der Landesherr verbietet den Bergleuten, Joachimsthal zu verlassen.
1516–1600 – In diesem Zeitraum werden 307 Tonnen reines Silber gefördert. Der Reingewinn beträgt 4.700.000 Taler.
1603 – Nur noch sechs Gruben sind in Betrieb.
1609 – Beginn des Wismutabbaus und der Herstellung von Saflor, einer blauen Farbe aus Wismut.
1611 – Die Stadt zählt 2.177 Einwohner, darunter 100 Bergleute.
1613 – Joachimsthal wird als „tote Stadt“ bezeichnet; nur noch 529 Einwohner leben hier.
1619 – Nach 42 Jahren endet die Prägung der Kleinen Groschen. Truppen des Peter Ernst von Mansfeld ziehen durch die Stadt.
1621 – Wiederbelebung der Stadt; 2.000 Einwohner leben hier.
1623 – Am 19. August schließen die Jesuiten die evangelische Kirche St. Joachim.
1624 – Am 9. September wird die Kirche katholisch neu geweiht.
1625 – Der Landesherr untersagt gewaltsame Rekatholisierung.
1626 – Zwangsrekatholisierung wird angeordnet.
1627 – Die Jesuiten schließen die Lateinschule.
1631 – Die Jesuiten werden von bewaffneten Bergleuten aus der Stadt vertrieben.
1633 – Albrecht von Wallenstein erscheint mit 15.000 Soldaten. Am 23. Dezember besetzen schwedische Truppen unter General Johan Banér die Stadt.
1634 – 20 Häuser werden von den Schweden niedergerissen, weitere 42 unbewohnbar.
1635 – Die Pest fordert 800 Opfer. Sachsen und Kroaten plündern die Stadt.
1636 – Trotz nur dreier Katholiken wird die Zwangsrekatholisierung durchgesetzt.
1640 – Die Stadt wird von den Schweden niedergebrannt.
1642 – Die St.-Anna-Kapelle auf dem Brottmarkt brennt ab.
1650 – Nichtkatholische Beamte werden abgesetzt.
1652 – Die Jesuiten kehren mit kaiserlichem Militär zurück. 854 Bürger mit Familien gehen nach Sachsen, wo Johanngeorgenstadt gegründet wird.
1654 – 271 Wohnhäuser stehen, 132 sind verfallen, 70 ausgebrannt.
1665 – Eine Arsenhütte wird gegründet. In 10 Gruben arbeiten 23 Bergleute.
1667 – Die Münze wird wegen Metallmangels nach Prag verlegt.
1690 – Nur noch 50 Bergleute arbeiten im Kobaltabbau. In Betrieb sind die Gruben Helena Huber, Svornost, Goldene Rose, Heiliger Geist und Krásná Marie auf Suchá; unterhalten werden die Erbstollen St. Barbara und St. Daniel.


