ZEITRAUM 1300–1549
1300 – Erste Erwähnung einer Besiedlung. Die Siedlung Konradsgrünn wird im Zusammenhang mit den Kolonisierungsbemühungen des Klosters Tepl erwähnt. Genannt wird ein Eisenhammer am Zusammenfluss der Bäche an der Stelle des heutigen Kreisverkehrs. Weiter wird die Siedlung Hanau (Hagenau) in Richtung des heutigen Suchá sowie die Burg Braunstein an der Stelle des heutigen Dívčí skok erwähnt.
1510 – Erste Erwähnung des Silberbergbaus in Jáchymov. Die Bergleute Kašpar Bach aus Geyer und Oesser aus Ostrov, genannt der Alte, treiben unter Beteiligung des Bergschreibers den Stollen Allerheiligen vor. Dieser wurde später als Fundgrübner bekannt – aufgrund seines reichen Ertrags. Nach zwei Joachimsthaler Lachter stießen sie auf die Silberader Fundgrübner. Ein Joachimsthaler Lachter = 1,917 Meter.
1516 – Štěpán Schlik, Jan Pflug von Rabstein, Wolf von Schönberg, Hans Thumshirn aus Annaberg, Graf Alexander Leissnik und Heinrich von Könneritz gründen eine Bergbaugesellschaft und errichten nahe der untergegangenen Siedlung Konradsgrünn eine neue Ansiedlung – Thal. 105 erste Einwohner, in fünf Schächten arbeiten 22 Bergleute.
1517 – Entdeckung der Silberadern Sankt Andreas, Geyer und Heilige Dreifaltigkeit. Auf der Andreasader am Schöttenberg wird ein Göpel (Pferdegöpel) errichtet. Dieser ist heute im ursprünglichen Zustand im Silbermuseum in Kutná Hora ausgestellt. Gründung der Lindackerschen Silberschmelzhütte – eine der größten Hütten ihrer Zeit. In 47 Schächten arbeiten 211 Bergleute.
1518 – Die Schliks lassen in Leipzig die Joachimsthaler Bergordnung mit 106 Artikeln drucken. Erstmals weltweit wird darin der Arbeitsunfall berücksichtigt. Später wurde sie als Joachimsthaler Bergrecht auch im Gebiet von Příbram eingeführt. Im Haus der Erben des Hanze Weitzelmann wird eine Schule gegründet, ebenso eine Brauerei in der Stadt. Die Stadt kauft von Štěpán Schlik eine Fleischbank und ein Bad. Entdeckung der Ader Geschieber, genannt Stella (Stern). Beginn des Vortriebs des Erbstollens St. Barbara – Ende des 16. Jahrhunderts das größte Bergwerk Europas. Heutige Länge 7668 Meter, mit Querschlägen 11,5 km.
1519 – Gründung der Lateinschule. Am 12. August wird Wolf Sturtz aus Annaberg Berghauptmann. Er stiftet später sein Haus für ein Spital. Auf ein steinernes Haus entfallen 10 Einwohner. In 228 Gruben arbeiten 1026 Bergleute.
1520 – Am 6. Januar erhebt König Ludwig Jagiello auf Antrag der Schliks die Siedlung zur Stadt Sankt Joachimsthal. Die Stadt erhält erweiterte Rechte: Handwerks-, Handels-, Brau- und Malzrecht, zwei Jahrmärkte, einen regelmäßigen Samstagsmarkt, rotes Siegel und Wappen. Am Brottmarkt wird das erste Rathaus errichtet. Beginn des Vortriebs des Erbstollens St. Daniel.
Mit Zustimmung des Landtags erhalten die Schliks vom Herrscher das Münzrecht. Zwei Drittel des Silbers dürfen für Taler, ein Drittel für Prager Groschen verwendet werden. In der Münzstätte Kuttenberg beginnt zugleich die Prägung der Joachimsthaler Groschen – Taler. Für die Metallqualität haftet Oldřich Gebhard, die Münzprägung leitet Štěpán Genisch. Entwerfer des Talers ist Melchior Pauerlein. Die Stadt hat 4963 Einwohner, davon 1435 Bergleute in 319 Gruben.
1521 – Prostitutionsverbot während der Märkte. In der Chronik dokumentierter Betrug des Zehnteneinnehmers Peter Hartenberk – Veruntreuung von 30.000 Gulden. Große Schützenfeste auf Maria Sorg. 247 Schützen nehmen teil. Hans Lutz aus Augsburg verfasst ein Festgedicht – ältestes Gelegenheitsgedicht dieser Art in der deutschen Literatur. Erste Erwähnung der Pest in Jáchymov. Unter Einfluss des Bauernkriegs kommt es unter Führung von Thomas Müntzer zu einem Aufstand – Rathaus und Burg Freudenstein werden niedergebrannt. In 386 Gruben arbeiten 1737 Bergleute.
1522 – Im Stollen St. Barbara wird erstmals weltweit ein Blasebalg zur Bewetterung eingesetzt. Auf der Grube St. Christina Installation einer Pumpenanlage mit acht Meter großem Wasserrad. Förderleistung 150 Hektoliter pro Stunde aus 70 Metern Tiefe.
1523 – Am 5. Februar Erdbeben. Veröffentlichung des Werkes des Bergarztes V. Payer über Berufskrankheiten der Bergleute – ältester Nachweis der Arbeitsmedizin weltweit. In 491 Gruben arbeiten 2209 Bergleute.
1524 – Die Einwohnerzahl erreicht 10.000. Auf der Grube Merten werden in einem Vierteljahr 1,6 Tonnen Silber gefördert. 840 Schürfrechte vergeben. In 548 Gruben arbeiten 2466 Bergleute.
1525 – Am 20. Mai Aufstand von 3000 Berg- und Hüttenarbeitern. Acht Schiedsrichter werden bestimmt. Veröffentlichung des Epos „Das Joachimsthaler Bergbüchlein“ von Hans Ruthart. Besuch Karls, Herzog von Münsterberg. Gesamtgewinn seit 1516: 430 Tonnen Silber und 842.419 Taler. Neue Statuten der Stadt. In 596 Gruben arbeiten 2682 Bergleute.
1526 – Georg Sturtz eröffnet die erste Apotheke auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Das Tal wird mit Mauern, Bastionen und Toren befestigt. In 648 Gruben arbeiten 2916 Bergleute.
1527 – Gewinn von 250.000 Gulden. Georgius Agricola wird Stadtarzt. Bergspital gegründet. Import von 1000 Tonnen englischem Blei aus Bremen. 15.100 Einwohner, 3074 Bergleute in 683 Gruben.
1528 – Ab 18. September verlieren die Schliks das Münzrecht. 16.000 Einwohner. 1520–1528 werden 2.250.000 Taler und 4.000.000 Kleinmünzen geprägt. 3262 Bergleute in 723 Gruben.
1529 – 10 Tonnen Silber gefördert. 3474 Bergleute in 792 Gruben und Stollen.
1530 – Agricola geht nach Chemnitz. Veröffentlichung „Bermannus“. 3559 Bergleute in 791 Gruben.
1531 – Erste Geburtenmatrikel in den Ländern der Böhmischen Krone. Erwerb des Schlikschen Hauses für 2000 Gulden. Kauf von Oberbrand für 2650 Gulden. 3906 Bergleute in 868 Gruben.
1532 – Am 1. April Gründung der Königlichen Münzstätte. 4099 Bergleute in 911 Gruben.
1533 – Höhepunkt der Stadtentwicklung. 18.000 Einwohner, 1200 Häuser auf 80 ha. 4113 Bergleute in 914 Gruben, über 8000 Arbeiter.
1534 – Mit 18.200 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Böhmischen Krone nach Prag. 29. Juni Besuch Kaiser Ferdinand I.
1535 – Gewinn seit 1526: 1.494.336 Taler.
1536 – Fertigstellung der Münzstätte. Bericht über Juden am 16. Januar.
1537 – Erste Messe im unfertigen lutherischen Kirchenbau am 25. November.
1538 – Großer Brand. 1412 Schürfrechte, 4009 Bergleute in 891 Gruben.
1539 – Erste gedruckte Feuerordnung weltweit.
1540 – Fertigstellung der Kirche St. Joachim und St. Anna.
1541 – Neue Bergordnung mit 166 Artikeln.
1542 – Lazarettbau. 2983 Bergleute in 663 Gruben.
1543 – Veröffentlichung von Agricolas „De metallis et machinis“.
1544 – Bestellung der Kalvarienplastik bei Christoph Walter aus Dresden.
1545 – Am 19. September königliche Verwaltung über die Gruben. 2488 Bergleute in 533 Gruben.
1546 – Matrikel der Getauften eingeführt.
1547 – Ständeaufstand. 10. Oktober verlassen die Schliks endgültig die Stadt. Jáchymov wird freie Bergstadt. 2335 Bergleute in 519 Gruben.
1548 – Neue Bergordnung mit Unfallabsicherung.
1549 – Am 26. August Verbot des Aufenthalts von Juden in den Bergstädten.


